Geheimnis erst um Mitternacht gelüftet

Die Fasnächtler nahmen lokale und internationale Themen auf die Schippe. Für ihre Darbietungen scheuten sie keinen Aufwand.

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«Costa Concordia»: Der Kapitän verteidigt sich. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

«Costa Concordia»: Der Kapitän verteidigt sich. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

«Wer ist das?», hörte man es am Montagabend im Hotel Alpina in Unterschächen aus verschiedenen Ecken murmeln. Und manch einer mutmasste: «Schau mal, wie er läuft. Das muss einer von ‹z’Patschners› sein.»
Das Geheimnis, wer hinter den Masken steckt, wurde erst nach Mitternacht aufgelöst. Bis dahin kamen mehr als zehn vollmaskierte Gruppen ins «Alpina» und zeigten Darbietungen. Dabei wurde alles Mögliche auf die Schippe genommen, was im vergangenen Jahr lokal und international für Gesprächsstoff gesorgt hatte.

«Ein Jahr lang gratis rauchen»

So tauchte etwa Francesco Schettino, Kapitän der havarierten «Costa Concordia» zusammen mit seiner Geliebten auf. Er versuchte, sich zu verteidigen. Er erklärte, dass die «Costa Concordia» das einzige Schiff sei, das sich wieder selber aufstellen könne. Anhand eines mechanischen Modells konnte er dies sogar visualisieren. «Ich bin nur vom Schiff gegangen, weil ich für dieses System ein Ersatzteil brauchte», sagte Schettino. «Ich bin nicht geflohen. Alles ist ein Missverständnis.»

«Costa Concordia»: Der Kapitän verteidigt sich. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

«Costa Concordia»: Der Kapitän verteidigt sich. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Eine andere Gruppe baute das Atomkraftwerk Mühleberg nach und nebelte damit den «Alpina»-Saal ein. Wetterschmöcker Martin Horat verteilte frischen Schnee zum Degustieren. Und ein landwirtschaftlicher Vertreter präsentierte die modernsten Zäune.

Doch auch lokale Themen kamen nicht zu kurz: So schlug eine Gruppe vor, ein Asylzentrum im Gebiet Ahorn in Unterschächen zu bauen, für das kürzlich ein Quartiergestaltungsplan erarbeitet wurde. Anhand eines Modells zeigten die «Architekten» auf, wie man das Gebäude im Boden versenken könne. «So bricht niemand aus», propagierten die Maskierten.

Die Ratzi-Seilbahn kann nun auch Autos transportieren. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Die Ratzi-Seilbahn kann nun auch Autos transportieren. (Bild: Elias Bricker / Neue UZ)

Eine andere Gruppe wollte die Sicherheit im Schächental erhöhen und allen Einwohnern einen Chip implantieren. Ein Röntgenbild gab Aufschluss darüber, wo man den Chip am besten einsetzen sollte. Doch Achtung: Wer im Röntgenapparat Platz nahm, bekam nasse Hosen oder einen leichten Stromstoss.
Und auch die Weihnachtsaktion unserer Zeitung wurde auf die Schippe genommen. Die Maskierten schredderten beigenweise Rechnungen in einem selbst gebauten Automaten. Und ein Maskierter freute sich: «Dank der Aktion kann ich nun ein Jahr lang gratis rauchen.»

«Immer ein bisschen im Stress»

Bevor die Gruppen mit ihren aufwendig gebastelten Modellen in den Beizen auftauchten, waren sie auch in etlichen Häusern in den Bergen eingekehrt. «Leider sind wir an der Fasnacht immer ein bisschen im Stress. Denn wir wollen immer möglichst viele Häuser besuchen», sagte Thomas Arnold, der die Maskenprämierung schliesslich gewann, indem er einen einheimischen Käseverkäufer nachahmte. «An der Fasnacht müsste es eigentlich 24 Stunden pro Tag Nacht sein.» Doch er versprach den Anwesenden: «Wir werden ein anderes Mal ein bisschen länger zum Kaffee bleiben.»

Elias Bricker / Neue UZ

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