Gemeinde Altdorf rechnet 2021 mit Defizit

Ein Minus von 1,25 Millionen ist budgetiert. Schuld am Aufwandüberschuss ist aber nicht nur Corona. Mit dem Bahnhofprojekt hofft man auf neuen Aufschwung.

Florian Arnold
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Das Gemeindebudget 2021 sei auf den ersten Blick unerfreulich, sagte Urs Kälin an der Präsentation vor den Medien. Trotzdem sei es vertretbar, so der Altdorfer Gemeindepräsident. Gerechnet wird mit einem Minus von 1,25 Millionen Franken, dies bei einem Gesamtaufwand von 40,1 Millionen. Das Defizit könne mit einer guten Eigenkapitalbasis aufgefangen werden.

Besonders bemerkbar macht sich im Voranschlag die Steuervorlage, der im vergangenen Jahr zugestimmt wurde. Durch die Reduktion des Steuersatzes von 33 Prozent für die juristischen Personen nimmt Altdorf rund 1,1 Millionen weniger ein. Die Abstimmungsvorlage sah eine Kompensation dieser Steuerausfälle bei den Holding- und Domizilgesellschaften vor, welche neu nicht mehr privilegiert besteuert werden. «Die Annahmen, die man getroffen hat, liessen sich grösstenteils nicht realisieren», sagte Verwalter Pascal Ziegler, der im kommenden Jahr das Amt des Gemeindepräsidenten übernimmt. Die provisorischen Rechnungsstellungen zeigen, dass die prognostizierten Mehreinnahmen von 0,5 Millionen nicht eintreffen. Zur Abfederung der gesamten Steuerausf̈älle erhält die Gemeinde kommendes Jahr eine Ausgleichszahlung des Kantons von 264'000 Franken.

«Wir können froh sein, dass wir in den vergangenen Jahren zusätzliche Abschreibungen tätigen konnten», merkte Ziegler an. Trotzdem bleiben die Abschreibungen hoch wegen der grossen Projekte wie des Schulhauses Hagen, der Unterführung beim Kantonsbahnhof und der Tiefgarage beim Gemeindehaus. Der Personalaufwand steigt gegenüber dem Vorjahr um 365'000 Franken. Dies ist einerseits auf eine zusätzliche Schulklasse in der Oberstufe sowie auf die neu geschaffene gemeinsame Schulsozialarbeit mit Nachbargemeinden zurückzuführen. Die Kosten für die gemeinsame Schulsozialarbeit werden jedoch von den entsprechenden Gemeinden zurückerstattet.

Die wirtschaftliche Sozialhilfe steigt um 125'000 Franken. Hier stehen jedoch auch erwartete Mehreinnahmen in etwa derselben Höhe gegenüber. Die Sonderschulung kostet 116'000 Franken mehr. Allgemein hat sich aber an der Zusammensetzung des Aufwands wenig verändert, 44 Prozent gehen auf das Personal zurück. Vergrössert hat sich der Transferaufwand, der im Wesentlichen auf Verschiebungen im kantonalen Finanz- und Lastenausgleich zurückgeht.

Mit den grossen Investitionen soll es vorderhand vorbei sein. Wie der Verwalter ausführte, sollen sich diese auf ein gutes Mass einpendeln, im kommenden Jahr werden es knapp 2,7 Millionen sein. Nebst Investitionen in verschiedene Gemeindestrassen fallen die Ersatzbeschaffung eines Fahrzeuges im Werkhof (390'000 Franken) sowie die Sanierung des Daches der Sporthalle Feldli inklusive Fotovoltaikanlage (530'000 Franken) an. Die überdurchschnittlichen Investitionen der Vorjahre sowie der Aufwandüberschuss führen zu einem Anstieg der Nettoschuld pro Kopf auf 1356 Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 47,2 Prozent.

Eine Steuererhöhung kommt für den Altdorfer Gemeinderat vorerst nicht in Frage. «Wir haben uns in der Budgetberatung viel Zeit genommen, um alle Punkte genau zu hinterfragen», sagte Gemeindepräsident Kälin. Dabei habe man aber keine klare Vorgabe gemacht, wie viel Prozent man insgesamt einsparen wolle. Der Grund sei die Unsicherheit, die sich aus der Coronakrise ergebe. «Corona wirkt sich auf alle Bereiche aus. Das ist etwas, das wir noch nie erlebt haben.» Wie sich die Volkswirtschaft entwickle, könne man noch nicht abschätzen. Einerseits habe man in diesem Jahr Geld gespart, weil beispielsweise keine 1.-August-Feier stattfand und auch andere Veranstaltungen wegfielen. Andererseits seien Ausgaben für die Infrastruktur oder die Anschaffung von Masken und Desinfektionsmittel nötig gewesen.

Aufgrund der Unsicherheiten habe man etwas defensiver budgetiert. In der Gemeinde Altdorf geht man beim Steuerertrag von einem «Nullwachstum» aus, dies gegenüber eines zweiprozentigen Wachstums in den Vorjahren. Da viele Personen von Kurzarbeit betroffen waren, dürften sich die Einkommen und damit die Steuerbeträge verringert haben, vielerorts seien aber die vollen Löhne ausbezahlt worden. Auch rechnet man damit, dass es zu Einbussen bei den juristischen Personen kam. Genauere Prognosen werden erst mit der provisorischen Steuerrechnung möglich sein.

Neben der Unsicherheit aufgrund der Pandemie sind die kommenden Jahre für die Gemeinde Altdorf aber auch mit viel Hoffnung verbunden. «Die Eröffnung des Kantonsbahnhofs wird ein Quantensprung für unsere Gemeinde», so Kälin. Der Gemeinderat rechnet mit einer grossen Entwicklung. Man geht davon aus, dass sich in der Werkmatt neben dem Bahnhof neues Gewerbe ansiedelt. Nachdenken müsse man in diesem Zusammenhang über eine Anpassung des Zonenplans.

Der Kantonsbahnhof Altdorf soll für neue Impulse sorgen. 2021 wird dieser eröffnet.

Der Kantonsbahnhof Altdorf soll für neue Impulse sorgen. 2021 wird dieser eröffnet.

Bild: Urs Hanhart

Gleichzeitig soll aber auch das historische Dorfzentrum von Altdorf aufgewertet werden. Wird die West-Ost-Verbindung einst gebaut, soll der Dorfkern vom Verkehr entlastet werden. Der Gemeinderat beschäftigt sich zudem mit einer attraktiven Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Dorfkern. «Wir suchen hier nach längerfristigen Lösungen», so Kälin.