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Gemeindeweibel löst Verfahren am Landgericht Uri aus

Wegen einer unglücklichen Verkettung von Umständen trafen sich Mieter und Vermieterin am Montag, 24. September, vor den Schranken des Gerichts wieder. Da brachte auch die Reue eines involvierten Gemeindeweibels nichts mehr.
Carmen Epp
Ein versäumter Termin des Gemeindeweibels endete schlussendlich vor dem Landgericht des Kantons Uri. (Bild: Archiv UZ)

Ein versäumter Termin des Gemeindeweibels endete schlussendlich vor dem Landgericht des Kantons Uri. (Bild: Archiv UZ)

An den 26. Januar 2018 denkt der Weibel einer Urner Gemeinde mit gemischten Gefühlen zurück. In positiver Erinnerung bleiben der unerwartete Besuch seiner Schwester aus dem Wallis und das daraus entstandene unverhoffte Familienfest. Doch vor lauter Überraschungen ging ihm durch die Lappen, was er eigentlich an jenem Tag hätte tun sollen: im Auftrag einer Vermieterin eine Wohnung an einen Mieter zu übergeben.

Das Versäumnis blieb nicht ohne Folgen: Am Montag, 24. September, trafen sich alle drei vor den Schranken des Urner Landgerichts wieder: der Mieter als Kläger, die Vermieterin als Beklagte und der Gemeindeweibel als Zeuge.

Er habe den Termin der Wohnungsübergabe «verschwitzt». Dass es deswegen zu einem Gerichtsfall gekommen sei, tue ihm leid. Die Reue kam jedoch zu spät, der Mist war sprichwörtlich geführt: Der Mieter hat Klage eingereicht gegen seine Vermieterin und damit die Freigabe der Mietkaution sowie Schadensersatz gefordert.

Gemeindeweibel meldet sich nicht

Eine Stunde habe er vor verschlossenen Türen gewartet, bis er zurück in seine damalige Wohnung gefahren sei, um den Gemeindeweibel anzurufen, schilderte der Mieter vor Gericht. Am Telefon habe er dem Weibel erklärt, dass er vor Ort gewesen wäre mit der Bestätigung des Mietzinsdepots und der ersten Monatsmiete in bar. Dies, weil er keine Angaben zum Mietzinskonto gehabt habe. Der Weibel habe sich für das Versäumnis entschuldigt und gesagt, er melde sich wieder. Zuerst müsse er das mit dem Mietzins mit der Vermieterin klären, die ferienhalber abwesend war. Das Versprechen blieb ohne Ergebnis, so der Mieter. Mehrmals habe er in der Folge beim Gemeindeweibel telefonisch nachgefragt, sei aber immer wieder vertröstet worden, weil der die Vermieterin nicht habe erreichen können.

Nachdem er einen Tag nach dem vertraglichen Mietbeginn noch immer keinen Schlüssel zu seiner Wohnung hatte, trat der Mieter schriftlich aus dem Mietvertrag zurück und forderte seine Vermieterin auf, die Mietkaution von 2274 Franken freizugeben und ihn für die entstandenen Kosten mit pauschal 500 Franken zu entschädigen.

Die Forderung jedoch fruchtete nicht. Auch ein Schlichtungsverfahren brachte keine Einigung, sodass die Schadenersatzforderung des Mieters inzwischen höher ausfällt. Für die mehrmonatige Miete eines Raums für seine Möbel, die Anwalts- und Fahrtkosten verlangt er – neben der Rückgabe der Mietkaution – 3551 Franken Schadenersatz.

«Mieter wollte die Wohnung sowieso nicht mehr»

Die Vermieterin will davon nichts wissen. «Der Mieter wollte die Wohnung sowieso nicht mehr», hielt ihr Anwalt vor Gericht fest und verwies auf die Aussage des Gemeindeweibels, der Mieter habe ihm das am Telefon so gesagt. Für die Vermieterin ist deshalb klar: Dass der Weibel den Termin vergessen hat, sei dem Mieter gerade recht gewesen, die Klage sei konstruiert.

Ihr Anwalt beantragte nicht nur, die Klage des Mieters abzuweisen, sondern stellte gleich selber eine sogenannte Widerklage: Wegen Nichtantritt des Mietverhältnisses habe die Vermieterin einen Mietzinsausfall erlitten in der Höhe von drei Monatsmieten. Abzüglich der Mietkaution, die der Vermieterin zugesprochen werden soll, sei der Mieter zur Schadenersatzzahlung von 1137 Franken zu verpflichten.

«Das ist ein klassischer Fall von ‹dumm gelaufen›», sagte Landgerichtspräsidentin Agnes Planzer am Schluss der Verhandlung. Sie wird das Urteil den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich im Dispositiv zustellen.

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