Urner Landgericht befindet über waghalsige Fahrt ohne Ausweis

Einem früher in Uri wohnhaften Portugiesen droht eine happige Strafe. Gestern fand die Hauptverhandlung ohne ihn statt.

Markus Zwyssig
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Ein heute 26-jähriger Portugiese soll am 21. August 2018, bei einer Fahrt um die Mittagszeit von Altdorf nach Erstfeld, die Verkehrsregeln massiv verletzt haben. Zudem soll er ohne gültigen Fahrausweis unterwegs gewesen sein und im Vorfeld Cannabis und Kokain konsumiert haben. Gestern fand vor dem Landgericht Uri die Hauptverhandlung statt. Der Beschuldigte, der heute in Portugal lebt, war vom persönlichen Erscheinen – offensichtlich vor allem aus finanziellen Gründen – dispensiert. Die Staatsanwältin und der Verteidiger zeigten ihre Sicht der Dinge auf – dies mit grossen Unterschieden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, auf jener verhängnisvollen Fahrt auf der Attinghauserstrasse in Altdorf zwei Kinder auf Fahrrädern sowie einen Mann auf einem E-Bike überholt zu haben und dabei mit 50 statt der erlaubten 40 Stundenkilometer unterwegs gewesen zu sein. Auf der Gotthardstrasse in Schattdorf soll er nach dem Kreisel ein Auto überholt und dabei die Sicherheitslinie überfahren haben. Im Rynächt soll er einem vorausfahrenden Fahrzeug bis auf 5 bis 6 Meter Abstand aufgefahren sein. In Erstfeld hat er gemäss Staatsanwaltschaft vor der Bushaltestelle Birschen in der dortigen unübersichtlichen Linkskurve ein weiteres Fahrzeug überholt. Auf der Gegenfahrbahn soll sich bereits ein entgegenkommende Fahrzeug in der Kurve befunden haben.

Vorgeworfen wird ihm, auf der Höhe des Restaurants Albert trotz Kolonnenverkehr mehrere Fahrzeuge über eine längere Stecke gleichzeitig überholt zu haben. Vor dem Fussgängerstreifen beim Gemeindehaus soll er abermals mehrere Fahrzeuge überholt und dabei das signalisierte Überholverbot missachtet haben. Kinder und Erwachsene, die im Begriffe waren, die Strasse zu überqueren, soll er dabei gefährdet haben.

Risiko von Todesopfern in Kauf genommen

«Der Beschuldigte hat mit seinem waghalsigen Überholmanöver das hohe Risiko einer Kollision mit der Folge von Schwerverletzten oder Toten in Kauf genommen», sagte die Staatsanwältin. Es hätte zu einer Kollision mit den Fussgängern oder zu einer Kollision mit anderen Fahrzeugen kommen können. Bei dem Überholmanöver habe der Angeklagte zudem unerlaubterweise den Warnblinker eingeschaltet gehabt.

Der Beschuldige war ohne gültigen Fahrausweis unterwegs. Zudem wird ihm vorgeworfen, am Vorabend Cannabis und drei bis vier Tage zuvor Kokain konsumiert zu haben. Die Taten, die dem Angeklagten zur Last gelegt werden, sind happig: mehrfache grobe Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, das Führen eines Motorfahrzeugs trotz Führerausweisentzugs, Konsum von Betäubungsmitteln. Für all diese Straftaten fordert die Staatsanwaltschaft 20 Monate bedingt bei einer Probezeit von 3 Jahren. Dazu kommt eine Busse von 3000 Franken. Der Beschuldigte soll ausserdem des Landes verwiesen werden.

Beschuldigter bestreitet die Taten zum Teil

Anders sieht dies der Verteidiger. Er erachtet eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 10 Franken als angemessen. Die Sachverhalte würden von seinem Klienten teilweise bestritten. Verschiedene Zeugenaussagen seien nicht zuverlässig oder sogar widersprüchlich, monierte der Verteidiger. So würden Vermutungen angestellt. Ein entgegenkommendes Fahrzeug werde plötzlich zu einem Linienbus. Die Entfernung, aus der man den Tatbestand beobachtet haben will, liege einmal 100 bis 150 Meter, dann wieder 200 Meter entfernt. Zeugen hätten sich zum Teil nach einem Aufruft der Polizei in den Medien gemeldet, so der Verteidiger. Daher sei es möglich, dass gewisse Beobachtungen auch von einem anderen Tag stammen könnten.

Der Beschuldigte bestreitet denn auch, verschiedene Überholmanöver ausgeführt zu haben. Zudem hätten aufgrund lauter Motorengeräusche die Zeugen vielleicht auch nur angenommen, sein Klient sei zu schnell unterwegs gewesen. Zudem sagte der Verteidiger, sein Klient hätte vor dem Fussgängerstreifen anhalten können, wenn dies nötig gewesen wäre.

Der Verteidiger machte zudem geltend, dass sein Klient zu tiefst aufgewühlt gewesen sei. «Nach einer Provokation wollte er den Freund seiner Ex-Freundin zur Rede stellen», so der Verteidiger. Der Angeklagte habe gewusst, dass er eigentlich nicht hätte mit dem Auto seiner Freundin fahren dürfen, habe dies aber aufgrund seiner Lage dennoch getan. Abzusehen sei auch von einem Landesverweis. Angesichts eines gemeinsamen Kindes, das sein Klient mit seiner Lebenspartnerin habe, würde man ihm dadurch das Leben zusätzlich schwer machen.

Hinweis

Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen zugestellt.