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GERICHT: Elektroingenieur streitet mit Ex-Unternehmen

Ein 58-jähriger Elektroingenieur fordert nach einer fristlosen Kündigung Geld von seiner Ex-Firma. Es stehen Bestechungsvorwürfe im Raum.
Ein ehemaliger Mitarbeiter fordert nach seiner fristlosen Kündigung Geld von der Dätwyler Schweiz AG. (Symbolbild Neue UZ)

Ein ehemaliger Mitarbeiter fordert nach seiner fristlosen Kündigung Geld von der Dätwyler Schweiz AG. (Symbolbild Neue UZ)

Geplant war ein grosses Geschäft. Fachleute aus der Schweiz hätten in Guinea für die Regierung mehrere tausend Kilometer Kabel verlegen sollen. Rund 200 Millionen US-Dollar standen in Aussicht, hätte man den Zuspruch für den Auftrag erhalten. Doch es kam anders: Statt eines Geldsegens entliess die Dätwyler Schweiz AG schliesslich zwei der Hauptverantwortlichen des Projekts in Afrika und das fristlos. Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass Bestechung im Spiel war.

Kläger beteuert Unschuld

Einer der Männer, dem fristlos gekündigt wurde, fordert von seinem ehemaligen Arbeitgeber Geld: Ein 58-jähriger Elektroingenieur will 77 000 Franken. Kommende Woche findet vor der zivilrechtlichen Abteilung des Landgerichts Uri die Hauptverhandlung statt. Gestern wurden bei einem dreistündigen Gerichtstermin zwei Zeugen befragt. Zudem kamen Kläger und Beklagte zu Wort.

Im westafrikanischen Land Guinea herrscht bittere Armut. «Wir waren gewarnt: Korruption und Bestechung sind dort allgegenwärtig», sagte der zweite fristlos entlassene Angestellte. Der 53-jährige Ingenieur war als Zeuge geladen. Aus finanziellen Gründen prozessiert er nicht gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. «Wir haben uns an das Korruptionsgesetz gehalten und die Sorgfaltspflicht beachtet», verteidigte er dasVerhaltenbeimafrikanischenProjekt.

Man habe die Delegation aus Guinea keineswegs bestochen. Bei einem Treffen in der Schweiz wurden zwar Geschenke gemacht, doch diese hätten sich im üblichen Rahmen bewegt. So habe man einem Minister eine Uhr im Wert von 380 Franken geschenkt. Die weiteren Delegationsteilnehmer erhielten Schokolade. Zudem seien alle zu einem Mittagessen eingeladen worden.

Das Projekt sei von der Geschäftsleitung abgesegnet gewesen. Diese sei im Detail informiert worden. «Wir sind sorgfältig mit der Thematik Korruption und Bestechung umgegangen. Wir haben uns in keiner Art und Weise schuldig gemacht.»

Provision gerechtfertigt?

«Wir waren euphorisch», räumte der Elektroingenieur, der gegen seine Ex-Firma klagt, ein. Er sei zuvor noch nie in Afrika geschäftlich tätig gewesen. Ein Vermittler forderte 10 Prozent Provision bei einem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten. «Wir sprachen von maximal 10 Prozent, was wir als gerechtfertigt erachteten», so der Elektroingenieur. Darin enthalten wären auch die Kosten gewesen, welche man für die Sicherheit aufgewendet hätte. Die Fachleute aus der Schweiz mussten sich gegen Konkurrenz aus China durchsetzen. Um auf den gleichen Stand zu kommen, musste man vor Ort viel herumreisen und sich die nötigen Informationen beschaffen. In Guinea könne man nicht einfach nach Belieben bei der Bank Geld abheben, so der Elektroingenieur. Daher musste man die entsprechenden Beträge überweisen. «Wir haben aber stets eine detaillierte Kostenabrechnung verlangt», versicherte er.

Firma steht zu fristloser Kündigung

«Bei Bestechung gilt für uns Nulltoleranz», so Johannes Müller, Mitglied der Konzernführung der Dätwyler Schweiz AG. Er sei zwar immer wieder über das Projekt informiert worden, habe aber nicht alles gewusst. Eine wichtige Memo eines Experten, der davor warnte, das Projekt weiterzuverfolgen, gelangte nicht bis in die Chefetage. Sein Unternehmen wäre früher ausgestiegen, das Projekt in Guinea wäre gestoppt worden. Dadurch hätte die Dätwyler Schweiz AG viel Geld sparen können, so Müller. «Viele Reisen wären nicht mehr nötig gewesen. Die Entlassungen und das Rekrutieren neuer Leute haben uns ebenfalls viel Geld gekostet.» Eine vom Unternehmen selber eingeleitete Untersuchung brachte schliesslich für Müller endgültig Klarheit: «Es war Bestechung im Spiel.» Seiner Meinung nach lagen genügend Gründe für eine fristlose Entlassung auf dem Tisch.

Dubiose Machenschaften

Dätwyler beabsichtigte zuerst, das Projekt auch nach den beiden fristlosen Entlassungen weiterzuverfolgen. Bei einem Treffen mit den Vertretern aus Guinea stellte sich jedoch heraus, dass die Regierung für dubiose Zwecke bei einem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten weitere Prozente abzwacken würde. Ein Teil des Geldes wäre in den Wahlkampf geflossen. Nach diesem Treffen war für das Unternehmen endgültig Schluss.

Markus Zwyssig

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