GERICHT: Lösten Zigaretten den Hallenbrand aus?

Ein Portugiese soll das Feuer in der Halle Stille Reuss fahrlässig verursacht haben. Der Verteidiger glaubt an eine andere Brandursache.

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Beim Brand der Halle Stille Reuss in Schattdorf entstand Schaden von 1,9 Millionen Franken. (Bild: Kapo Uri)

Beim Brand der Halle Stille Reuss in Schattdorf entstand Schaden von 1,9 Millionen Franken. (Bild: Kapo Uri)

MZ. Die Halle Stille Reuss in Schattdorf wurde in der Nacht auf den 4. Oktober 2012 ein Raub der Flammen. Hundert Feuerwehrleute standen im Einsatz. Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass die Halle Totalschaden erlitt. Gestern stand ein 34-jähriger Portugiese vor dem Landgerichtsvizepräsidium. Er war Geschäftsführer eines Restaurants, das sich im ersten Obergeschoss der Halle befand. Die Oberstaatsanwalt-Stellvertreterin geht davon aus, dass der Brand mit grösster Wahrscheinlichkeit im Raucherraum jenes Restaurants entstanden ist. Die in einem Plastikabfalleimer entsorgten Zigarettenstummel sollen sich entzündet haben. Der Geschäftsführer des Restaurants hatte die Halle um Mitternacht als Letzter verlassen, bei einem Kontrollgang aber nichts Aussergewöhnliches festgestellt.

Bedingte Strafe oder Freispruch?

Die Oberstaatsanwalt-Stellvertreterin ist der Ansicht, dass die Feuersbrunst fahrlässig verursacht worden ist. Sie forderte, den Geschäftsführer mit 30 Tagessätzen a 30 Franken zu bestrafen. Die Geldstrafe sei aber bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren zu erlassen. Die beschuldigte Person hätte bedenken müssen, dass noch nicht ganz erloschene Raucherwaren brennbare Materialien entzünden und dies zu einem Brand führen könne. Der Mann habe es pflichtwidrig unterlassen, sich zu vergewissern, dass die von ihm im Abfalleimer entsorgten Raucherwaren gänzlich erloschen seien. Wäre er vorsichtiger gewesen, hätte ein Brand mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden können.

Der Verteidiger forderte hingegen einen Freispruch. Die Schuld des Mannes könne nicht bewiesen werden. Daher gelte der Grundsatz: «In dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten). Für den Verteidiger ist es undenkbar, dass sich die Zigaretten im Abfallbehälter entzündet hätten und dass dies in einer derart kurzen Zeit zu einem Vollbrand geführt habe. Die Aschenbecher seien zudem jeweils mit ein wenig Wasser gefüllt worden, sodass die Zigaretten gelöscht worden seien.

Die Brandursache wurde durch ein so genanntes Ausschlussverfahren eruiert. «Es ist möglich, dass das den Brand auslösende Ereignis gar nicht durch Experten untersucht worden ist, weil es ihnen nicht vorgelegt wurde», sagte der Verteidiger. Eine Dritteinwirkung sei daher nicht ausgeschlossen. So habe insbesondere auch der damalige Hallenbesitzer einen Schlüssel zu den Räumen gehabt. Ein technischer Defekt sei als Ursache ebenfalls denkbar. Der Geschäftsführer des Restaurants habe keinen Grund gehabt, ein Feuer absichtlich zu legen. Das Lokal sei zuvor gut gelaufen. Der Mann sei durch den Brand schwer bestraft worden, denn der Schaden in seinem Lokal sei bisher ungedeckt geblieben. Eine Verurteilung könnte für ihn zur Folge haben, dass die Versicherung nicht zahlt.

Das Urteil des Landgerichtsvizepräsidiums wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.