Landgericht spricht viereinhalbjährige Freiheitsstrafe gegen pädophilen Urner aus

Das Landgericht Uri verhängt gegen einen 22-jährigen Urner eine unbedingte Strafe. Bestraft wird er, weil er sich an insgesamt sechs Kindern sexuell vergangen hat.

Markus Zwyssig
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Das Gericht spricht den 22-jährigen Urner schuldig der mehrfachen sexuellen Nötigung, der Schändung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, des mehrfachen Zeigens von Pornografie an einer Person unter 16 Jahren. Zudem wird der Verurteilte auch der mehrfachen versuchten sexuellen Nötigung, der mehrfachen versuchten sexuellen Handlungen mit Kindern und der mehrfachen Nötigung schuldig gesprochen.

Der Mann hatte sich am vergangenen Dienstag, 19. November, vor dem Landgericht Uri zu verantworten. Vorwiegend ging es dabei um Dutzende Fälle, in denen der Beschuldigte unter anderem jeweils vor einem von insgesamt vier Buben masturbierte oder sie nötigte, sein Geschlechtsteil anzufassen oder in den Mund zu nehmen. Bei der Einvernahme durch die Polizei gab der Beschuldigte dann auch noch weitere Taten zu – jene an seinen zwei jüngeren Schwestern. Zu diesen kam es bereits vor den Handlungen mit den Kindern der befreundeten Familie. Erstmals übergriffig wurde der Urner demnach, als er 14 oder 15 Jahre alt war.

Mehr als eine Stunde dauerte am Dienstagmorgen die mündliche Urteilsverkündigung im Gerichtssaal in Altdorf. Landgerichtspräsident Philipp Arnold bezeichnete die begangenen Taten als «höchst verwerflich». Die Folgen für die Opfer seien nur schwer abschätzbar. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen. «Er hat die Wehrlosigkeit von insgesamt sechs Kindern immer wieder skrupellos ausgenutzt, um seinen sexuellen Trieb zu befriedigen.»  

Ambulante Massnahme wird angeordnet

Der verurteilten Person ist die Untersuchungshaft von total 35 Tagen an den Vollzug der Freiheitsstrafe anzurechnen. Angeordnet wird eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme im Sinne einer störungsspezifischen deliktorientierten Einzeltherapie in Kombination mit einer Gruppentherapie. Gegen die verurteilte Person wird ein befristetes Tätigkeitsverbot ausgesprochen. Ihr wird für 10 Jahre jede berufliche nd organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten. Für die Dauer dieses Tätigkeitsverbots wird Bewährungshilfe angeordnet. 

Gegen die verurteilte Person wird ein Kontaktverbot ausgesprochen. Für fünf Jahre wird ihr verboten, mit den Opfern sowie mit Kindern unter 16 Jahren direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufnehmen. Es gilt auch ein Rayonverbot, sich den Opfern und der betreffenden Liegenschaft auf weniger als 150 Meter zu nähern oder sich dort aufzuhalten. Sie darf sich auch nicht auf dem Areal von Kindergärten, Schulhäusern und Kinderspielplätzen aufhalten.   

Die geltend gemachten Zivilforderungen der Privatklägerschaft werden in der Höhe von 20'000 Franken gutgeheissen. Die Verfahrenskosten in der Höhe von über 28'000 Franken gehen aufgrund von Verfahrenseinstellungen, Frei- und Schuldsprüchen zu 80 Prozent zulasten der verurteilten Person.

Das Urteil liegt nun im Dispositiv vor. Die Parteien haben die Möglichkeit, innerhalb von 10 Tagen Berufung anzumelden. Den Parteien wird zu gegebener Zeit das schriftlich begründete Urteil zugestellt.