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Gessler reitet an Winnetous Seite

Der in Altdorf lebende Arianit Sakiri spielte bei den Tellspielen den despotischen Landvogt. Für seine neue Rolle als Indianer bei den Freilichtspielen in Engelberg musste er seine Reitkünste verbessern.
Markus Zwyssig

Ein Ölbohrturm wird in die Luft gesprengt. Eine Horde Indianer springt mit ihren Pferden über eine Feuerlinie. Und bei der Explosion eines Schwarzpulverlagers fliegen Fässer durch die Luft. Die «Winnetou»-Freilichtspiele in Engelberg sparen nicht mit Spezial-Effekten.

Imposant werden die Theateraufführungen in diesem Sommer auch, weil über 100 Darsteller in grösseren und kleineren Rollen mitmachen. Mittendrin Arianit Sakiri. Der in Altdorf lebende albanische Migrant aus Mazedonien spielt den Indianer Tak Anuk, den Bruder der Häuptlingstochter Ribanna.

Inzwischen fühlt er sich als Urner

Sakiri ist in Uri kein Unbekannter. Der 42-Jährige hat inzwischen den Schweizer Pass und wirkte schon mehrmals bei den Altdorfer Tellspielen mit. 2016 verkörperte er den despotischen Landvogt Gessler. Diese Rolle war aber nicht die erste bei den Tellspielen. Bereits vier Jahre zuvor verkörperte er einen Soldaten. Sakiri lebt seit 2005 in der Schweiz. «Ich fühle mich als Urner», sagt der 42-jährige. Teil der Tellspiele zu sein sei für ihn etwas Besonderes. Das Drama über den Freiheitshelden erzähle ein wichtiges Stück Schweizer Geschichte.

Sakiri hat schon viele Rollen gespielt. Einen Indianer hat er zuvor aber noch nie verkörpert. «Es wird ein schönes Erlebnis», ist er überzeugt. Bei den Freilichtaufführungen von «Winnetou I» im vergangenen Jahr in Engelberg war Sakiri nicht dabei – und das hatte einen guten Grund. «Ich habe mir nach den Tellspielen eine Auszeit gegönnt», sagt er. Vor allem wollte er auch wieder einmal Zeit mit seiner Frau und seinen drei Kindern verbringen.

Obwohl Sakiri im vergangenen Jahr nicht mitgespielt hat, konnte er nun bei den Freilichtspielen eine grössere Nebenrolle ergattern. Was er genau spielt, steht für ihn auch nicht im Vordergrund. «Für Schauspieler gibt es nicht grosse und kleine Rollen», erklärt Sakiri. Wenn man auf der Bühne oder vor der Kamera stehe, müsse man immer sein Bestes geben.

Pferde und Schauspieler müssen ruhig Blut bewahren

Für Sakiri ist die Rolle in Engelberg eine grosse Herausforderung. Fast die meiste Zeit sitzt er auf dem Pferd. Das ist für ihn zwar nicht ganz neu. Bereits bei der Rolle des Gesslers stieg er aufs Pferd. Damals ritt er aber nur eine kurze Strecke. Diesmal wird von ihm bedeutend mehr abverlangt. Er muss in der Gruppe im Indianerstil in den Kampf ziehen. Um seine Reitkünste zu verbessern, reiste er mehrere Male zusammen mit anderen Schauspielern, die ebenfalls bei den Freilichtspielen dabei sind, nach Deutschland. Dort besuchten sie gemeinsam ein Reittraining. Auch in den Ferien, die er kürzlich zusammen mit seiner Familie in Mazedonien verbrachte, sass er mehrere Male auf dem Pferd.

Sakiri kämpft im Freilichttheater als Indianer bei einem Krieg mit. Da geht es entsprechend wild zu und her. Die Pferde dürfen keine Angst vor Knallerei und Explosionen haben. Darauf werden die Tiere gezielt vorbereitet. Bei den Freilichtspielen ist eine Spezialfirma für die Pyrotechnik verantwortlich. Aber auch die Schauspieler müssen ruhig Blut bewahren, wenn sie auf den Pferden reiten und es rings herum knallt.

Die Winnetou Freilichtspiele gehen vom 6. Juli bis 12. August über die Bühne. Engelberg hat eine der flächenmässig grössten Freilichtbühnen schweizweit.

Sakiri hat langjährige Erfahrung mit der Schauspielerei. In Mazedonien hat er eine Schauspielakademie besucht. Danach unterrichtete er als Assistenzprofessor andere in Schauspielkunst. Er arbeitete in Mazedonien in zahlreichen Produktionen auf der Bühne und im Film mit. Arianit Sakiri war Angehöriger der albanischen Minderheit in Mazedonien. Den Druck des staatlichen Systems hat er am eigenen Körper erlebt.

Pferde faszinieren ihn schon seit langer Zeit

Als Kind war er ein Fan von Pferden. Er hat sich sehr für Indianer und Cowboys interessiert. Auch die «Winnetou»-Filme hat er damals gesehen. Und auch die einstigen Drehorte für die Kinoversionen der Karl-May-Abenteuer sind ihm nicht unbekannt. Die Filme wurden in den 1960er-Jahren im ehemaligen Jugoslawien gedreht.

In Engelberg hat Sakiri bereits die vielen Schauspieler und die gesamte Equipe kennen gelernt. Nach dem Erfolg des vergangenen Sommers haben sich die Produzenten entschlossen, eine neue Winnetou-Produktion auf die Beine zu stellen. Regie bei den «Karl-May-Freilichtspielen» führt neu Jean Grädel. Produzent ist Tom Volkers, der nicht nur Winnetou spielt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat. Der Aufwand, mitzumachen, ist für Sakiri gross. Er arbeitet als Schichtführer in der Produktion bei der Dätwyler AG in Schattdorf. Die Firma hilft mit, dass Sakiri mitspielen kann. «Ohne Unterstützung und Entgegenkommen der Firma würde es nicht gehen», sagt er. Seine Agenda ist zurzeit voll. Die Zeit zum Proben ist knapp bemessen. Trotzdem gefällt es Sakiri, bei einem Freilichtspiel mit einem grossen Ensemble mitzumachen. «Es machen viele Leute mit. In Mazedonien spielen jeweils nur 5 bis 10 Personen.»

Sakiri vertraut bei den Freilichtspielen voll und ganz seinem Pferd, das den Namen Pedro trägt und zur Spanier-Rasse gehört. Ihm bringt er grosse Wertschätzung entgegen. «Es ist für mich ein verlässlicher Partner und halt irgendwie auch ein Schauspieler.»

Hinweis

Die Winnetou-Freilichtspiele in Engelberg finden vom 6. Juli bis 12. August statt. Mehr dazu auf www.winnetou.ch.

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