Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Geständiger Betrüger bittet Landgericht Uri um Milde

Ein Berner bereut, einen Urner um 366 Franken betrogen zu haben. Dass er dafür 30 Tage ins Gefängnis soll, hält er für übertrieben, ist aber auf einen Strafregisterauszug zurückzuführen, der sogar den Landgerichtsvizepräsidenten zum Staunen bringt.
Carmen Epp

Mehr als 17'000 Gratisinserate werden täglich auf einer bekannten Onlineplattform hochgeladen. Eine davon beschäftigt seit zwei Jahren die Urner Justiz.

Geschenkkarte verkauft, aber nie verschickt

Ein Berner stellte im November 2016 vier Geschenkkarten im Wert von 400 Franken auf die Plattform. Ein Urner bot dafür 366 Franken, erhielt den Zuschlag und zahlte den Betrag auf das Konto des Berners ein. Die Geschenkkarten kamen jedoch nie bei ihm an, der Berner war nach der Zahlung für ihn nicht mehr erreichbar.

Die Staatsanwaltschaft Uri stellte daraufhin einen Strafbefehl gegen den Berner aus. Für sie war der Fall nämlich klar: Bereits bei der Schaltung des Inserats habe der Berner nie die Absicht gehabt, die angebotenen Geschenkkarten auch tatsächlich zu liefern. Vielmehr habe er ohne Gegenleistung in eigenem Gutdünken über den überwiesenen Kaufbetrag verfügen wollen, wie es im Strafbefehl heisst. Darin wurde der Berner wegen Betrugs schuldig befunden und ihm eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Tagen sowie die amtlichen Kosten in der Höhe von 650 Franken auferlegt.

Nicht die Tat, sondern das Strafmass angefochten

Dagegen erhob der Beschuldige Einsprache, sodass es gestern vor dem Landgerichtsvizepräsidium zur Verhandlung kam. Dabei plädierte der Berner, der sich nicht anwaltlich verteidigen lässt, nicht etwa auf einen Freispruch. Der heute 48-Jährige hatte von Anfang an gestanden, den Urner mit dem Inserat betrogen zu haben. Das tue ihm auch leid und er habe zwei Drittel der Summe dem Urner bereits zurückgezahlt.

Dass er deswegen nun aber für 30 Tage ins Gefängnis soll, dagegen wehre er sich. Verglichen mit anderen Strafen, die ihm in der Vergangenheit auferlegt wurden, seien die von der Staatsanwaltschaft Uri geforderten 30 Tage unverhältnismässig, so der Beschuldigte.

Gute Prognose «fast nicht mehr möglich»

Landgerichtsvizepräsident Heinz Gisler erklärte dem Beschuldigten, dass eben gerade diese vergangenen Strafen dazu geführt haben, dass die jetzige so hoch ausfällt. Das Vorstrafenregister des Beschuldigten sei «wahnsinnig», sagte Gisler. «Eine gute Prognose zu stellen ist da fast nicht mehr möglich.»

Der Beschuldigte machte keinen Hehl aus seiner kriminellen Vergangenheit. Rund ein Monat, nachdem er den Urner betrogen hatte, wurde er wegen anderer Delikte inhaftiert und im April diesen Jahres bedingt entlassen. Er leide an einer Spielsucht, deretwegen er auch den Betrug begangen und Schulden in der Höhe von 350'000 Franken gemacht habe.

Beschuldigter fürchtet um seine Arbeitsstelle

«Damals hatte ich mein Leben nicht mehr im Griff.» Nun sei er aber in Therapie und «trockener Spieler». Zudem habe ihm ein Arbeitgeber die Chance gegeben, Teilzeit bei ihm zu arbeiten mit der Option auf eine Vollzeitstelle ab 2019, was bei seiner Vergangenheit «nicht selbstverständlich» sei. «Ich habe mich verändert», beteuerte der Beschuldigte. «Wenn ich jetzt erneut ins Gefängnis muss, macht das meinen Neuanfang zunichte.»

Heinz Gisler zeigte Verständnis für die Lage des Beschuldigten. Dass er den Betrug bereue und dem geschädigten Urner das Geld zurückzahle, sei löblich. Um eine Freiheitsstrafe – ob nun 30 Tage oder weniger – komme der Beschuldigte aber wohl nicht herum, so Gisler. Die Behörden würden aber sicher bemüht sein, eine Vollzugsform festzulegen, die die Arbeitsstelle nicht gefährdet – wie etwa ein tageweises Absitzen der Strafe.

Jeder Tag weniger ein Geschenk

Die Einsprache zurückziehen wollte der Berner trotzdem nicht. «Für Sie mag es keinen Unterschied machen, ob ich 30 oder 15 Tage ins Gefängnis muss», sagte er zu Gisler. «Für mich aber ist jeder Tag weniger ein Geschenk.» Er plädierte deshalb auf eine Freiheitsstrafe von 5 Tagen.

Die Staatsanwaltschaft liess sich vom Verfahren entschuldigen. Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich im Dispositiv zugestellt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.