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Kolumne

«Ä so gsee»: Gesund? Na und! Wenn Wissen nicht vor Krankheit schützt

Redaktorin Carmen Epp fragt sich, wieso es oft nicht gelingt, gesund zu leben, obwohl man wüsste, wie das geht.
Carmen Epp, Redaktorin
Carmen Epp, Redaktorin «Urner Zeitung». (Bild: Nadia Schärli, 16. Dezember 2016)

Carmen Epp, Redaktorin «Urner Zeitung». (Bild: Nadia Schärli, 16. Dezember 2016)

Mehr als mein halbes Leben lang schadete ich meiner Gesundheit, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Ich griff mehrmals täglich zur Zigarette, wohlwissend, welchen Schaden ich meiner Gesundheit mit jedem einzelnen Zug anrichte. Trotzdem dauerte es 18 Jahre, bis ich die einzig richtigen Schlüsse aus dem Wissen um die Gesundheitsrisiken des Rauchens zog und aufhörte. Das war am 25. April letzten Jahres. Seither wünschte ich mir, den Schritt schon viel früher gemacht zu haben.

Nach dem Rauchstopp stand ich vor dem nächsten Problem: Während sich meine Lunge und die Kondition schnell merklich verbesserten, schlug mir mein Stoffwechsel ein Schnippchen. Durch das Nikotin jahrelang auf Hochtouren gelaufen, schaltete der Fettstoffwechsel nun allmählich einen Gang runter. Gleichzeitig griff ich statt zur Zigarette öfters mal zum Schokoriegel. Eine Mischung, die nicht lange gut gehen konnte.

Es kam, wie es kommen musste – und wovor viele Raucher Angst haben: Keine sechs Monate nach der letzten Zigarette zeigte die Waage 10 Kilogramm mehr an als zuvor. Ein Schock! Als ich dann schliesslich gar darauf angesprochen wurde, ob ich schwanger sei, war mir klar: Ich muss etwas unternehmen.

Auch wenn es ums Essen geht, meint man zu wissen, was gesund ist und was nicht. Trotzdem ernähren sich gemäss Bundesamt für Statistik mehr als 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ungesund, was sich in Form von Fettleibigkeit äussert und Folgekrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Kommt hier also ein ähnlicher Mechanismus zum tragen wie beim Rauchen – dass wir zwar wissen, was gesund wäre, dieses Wissen aber nicht in die Praxis umsetzen? Jein. So einfach wie beim Rauchen verhält es sich beim Essen leider nicht, wie ich erfahren musste.

Als erste Massnahme gegen die Kilos und für meine Gesundheit verzichtete ich auf Süssgetränke. Statt Cola, das mir als Raucherin nie auf die Hüften schlug, trank ich nur noch stilles Wasser. Auch die Chips und M&M’s verbannte ich aus dem abendlichen TV-Ritual. Stattdessen setzte ich auf das, was ich für gesund hielt: viel Gemüse und Früchte, wenig Kohlenhydrate. Wider Erwarten liess diese Ernährungsumstellung aber die Kilos nicht purzeln. Im Gegenteil: Ich nahm sogar weitere 5 Kilogramm zu.

Da verstand ich die Welt nicht mehr, meinte ich doch zu wissen, was gesund ist und was nicht. Eine Stoffwechselanalyse brachte Klarheit: Es stellte sich heraus, dass viele Lebensmittel, die gemeinhin als gesund gelten, mir nicht gut tun, wie etwa eine Vielzahl von Früchten. Und mein Körper viel mehr Eiweiss braucht, als mir lieb war. Ohne ständig mit dem Nikotin beschäftigt zu sein, konnte mein Stoffwechsel nun deutlich machen, was er braucht und was nicht.

Und leider trägt auch die Lebensmittelindustrie ihren Teil dazu bei, dass vermeintlich Gesundes krank macht. Indem praktisch überall Zucker beigefügt wird. Sogar ein Naturejoghurt, das ja wirklich nicht mit besonders süssem Geschmack punkten kann, kommt kaum ohne Zucker aus. Von den vielen anderen Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern ganz zu schweigen. Während das Wissen beim Rauchen also vor Krankheit schützt, ist das beim Essen nicht garantiert.

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