GESUNDHEIT: Brustkrebs-Programm: Uri macht Kehrtwende

Die Urner Regierung lehnt die Einführung eines kantonalen Programms zur Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen ab. Im Januar hatte sie sich noch dafür ausgesprochen.

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Ein Radiologe wertet die Bilder einer Brust aus. (Bild: Keystone)

Ein Radiologe wertet die Bilder einer Brust aus. (Bild: Keystone)

Grund für die Kehrtwende ist ein im Februar veröffentlichter Bericht des Swiss Medical Boards (SMB). Der Regierungsrat sei bei seinem ursprünglichen Entscheid unsicher gewesen, da klar wissenschaftliche Argumente gefehlt hätten, heisst es in der am Freitag veröffentlichen Antwort auf eine Parlamentarische Empfehlung von Frieda Steffen (CVP).

Neu sei nun die Deutlichkeit, mit der ein unabhängiges medizinisches Fachgremium von der Einführung eines systematischen Mammografie-Screenings abrate, schreibt die Regierung.

Zudem lehnt der Regierungsrat die Einführung eines Mammografie-Screenings vorerst ab, weil der dafür vorgesehene Partnerkanton Luzern aus finanziellen Gründen und aufgrund des SMB-Berichts eine Einführung sistiert habe, heisst es in der Antwort weiter.

Für Frauen zwischen 50 und 70

Mammografie-Programme sind für Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren vorgesehen. Dabei werden die Brüste in einem Intervall von zwei Jahren geröntgt. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Tumoren.

Das Swiss Medical Board, eine Vereinigung von Fachärzten und Wissenschaftlern, veröffentlichte im Februar einen Bericht, in dem vom systematischen Mammografie-Screening für Frauen ab 50 abgeraten wird. Hauptgründe sind die beschränkte Wirkung sowie unerwünschte Nebenwirkungen.

Unter 1000 Frauen, die ihre Brüste regelmässig röntgen liessen, werde im Lauf von zehn Jahren bei lediglich einer Frau ein Todesfall verhindert, argumentierte das SMB. Vier untersuchte Frauen würden im selben Zeitraum dennoch an Brustkrebs sterben.

Bei rund jeder zehnten Frau, die an solchen Screening-Programmen teilnehme, komme es zu Fehlbefunden. Die Folgen seien unnötige Behandlungen und Kosten, schrieb das SMB.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hingegen hielt als Antwort auf den SMB-Bericht an seinen Empfehlungen für Brustkrebs-Screenings fest. Die Qualität soll jedoch verbessert werden.

sda