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GESUNDHEIT: Das bringt junge Ärzte nach Uri

Im Kanton Uri mangelt es an Hausärzten. Gleich mehrere Studenten können sich vorstellen, nach der Medizinausbildung wieder in ihrer Heimat zu arbeiten – obwohl sie sich an der Uni damit nicht brüsten können.
Florian Arnold
Cécile Bachmann bei der Arbeit in der Bristenpraxis. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 24. November 2017))

Cécile Bachmann bei der Arbeit in der Bristenpraxis. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 24. November 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Für die einen ist er ein Alleskönner, der die Familiengeschichte kennt und jedes Leiden lindert. Für die anderen ist er der Nichtskönner, der gerade mal den Blutdruck messen darf, um dann die Arbeit einem Spezialisten zu überlassen. Fest steht: Vor allem im ländlichen Gebiet ist der Hausarzt immer seltener anzutreffen – bekanntlich hat auch Uri mit einem Mangel zu kämpfen.

«An der Universität brüstet man sich nicht gerade damit, dass man Hausarzt werden will», verrät Anna Rechsteiner, die in Zürich Medizin studiert. «Aber es ist zurzeit das, was ich mir am ehesten vorstellen kann.» Nicht zuletzt wegen ihres Vaters Reto Rechsteiner, der in Altdorf seit Jahrzehnten als Hausarzt tätig ist. «Früher durfte ich ihn auf Hausbesuchen begleiten», erinnert sie sich. Das Vertrauen, das ihrem Vater entgegengebracht wurde, machte ihr schon damals Eindruck.

Zusammenarbeit mit Spital klappt in Uri gut

Ähnlich erging es auch Simon Raab, dessen Vater ebenfalls in Altdorf eine Hausarztpraxis führt. «Die Wertschätzung ist hoch, wenn der Arzt den Patienten zu Hause besucht», weiss auch er von den Erfahrungen mit seinem Vater. Ihm ist jedoch klar: «Dieser wichtigen Dienstleistung wird in der Tarifstruktur zu wenig Beachtung geschenkt.» Raab will Hausarzt werden. Und er glaubt auch, dass sich dies wieder mehr Medizin-Absolventen vorstellen können. «Die Arbeit in der Grundversorgung ist sehr vielseitig und spannend. Als Praxisinhaber ist man sein eigener Chef mit den Vorteilen eines Selbstständigerwerbenden wie flexiblen Arbeits- oder Ferienzeiten», so der Urner, der in diesem Jahr sein Staatsexamen abgeschlossen hat und zurzeit seinen Leutnant als Truppenarzt im Militär abverdient.

Frühestens entscheide man sich zum Schluss des Studiums für eine Fachrichtung. Denn damit ist die Ausbildung nicht zu Ende. Für weitere fünf bis sieben Jahre ist man für gewöhnlich als Assistenzarzt in einem Spital tätig. Diese Zeit sei entscheidend für die Wahl des späteren längerfristigen Arbeitsorts, sagt Raab. «Wichtig ist zudem, wie stark man mit der Heimat verwurzelt ist.» Denn während der Assistenzzeit werde man von anderen Regionen ebenfalls angeworben.

Zur Attraktivität einer Region zählt laut Raab aber auch die Organisation des Notfalldienstes sowie die regionale Spitallandschaft. Hier stellt er dem Kanton Uri ein gutes Zeugnis aus. «Die Zusammenarbeit unter den Ärzten und mit dem Kantonsspital Uri ist im Allgemeinen kollegial und effizient. Zudem wird im Kantonsspital eine qualitativ sehr gute und vernünftige Medizin betrieben.» Schliesslich wolle man als Hausarzt seine Patienten einem Spital mit kompetenten Ärzten überweisen können. Und dies sei in Altdorf der Fall.

«Hier sind die Leute weniger kompliziert und dankbarer»

Raab macht sich aber keine Illusionen: «Der Städter wird nicht über Nacht auf die Idee kommen, im Kanton Uri eine Hausarztpraxis zu eröffnen.» Deshalb sei es wichtig, dass das Spital gute Assistenzarztstellen anbiete, um zukünftige Hausärzte, aber auch Spezialisten zu akquirieren.

Jemand, den es nach dem Studium wieder zurück in die Heimat verschlagen hat, ist Cécile Bachmann, die heute in der Bristenpraxis in Altdorf in einem 50-Prozent-Pensum arbeitet. «Für mich war klar: Wenn ich etwas Längerfristiges suche, dann zu Hause.» Die tiefe Ärztequote in Uri sei ihr natürlich bewusst. «Warum soll ich dann in die Stadt Luzern pendeln, wo es schon genug Ärzte gibt?»

Was das Verständnis des Hausarztberufs angeht, macht Bachmann einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land aus: «Vom Arbeitsalltag her spielt es nicht eine grosse Rolle, ob ich hier oder in Zürich arbeite. Hier sind die Leute aber noch dankbarer und weniger kompliziert als Städter.» Während in der Stadt oft auf den Spezialisten gedrängt werde, brauche es in Uri manchmal Überzeugungsarbeit, um Patienten zu überweisen. Nicht in Abrede stellt Bachmann, dass man in der Stadt wohl anonymer sei. «Aber auch in der Stadt kann ich den Patienten beim Einkaufen begegnen. Vielen Urnern ist es eben gerade wichtig, dass sie meinen Hintergrund kennen und wissen, wer zu meiner Familie gehört.»

Anders als viele ihrer Vorgänger, die kaum einen Feierabend kannten, trennt Cécile Bachmann klar zwischen Arbeit und Privatem. «Wir haben in unserer Praxis pro Tag 8 Stunden Patientenkontakt – Hausbesuche und Visiten im Altersheim eingerechnet. Dazu kommen noch die administrativen Arbeiten, die wir nach der Sprechstunde erledigen. Und ausserhalb unserer Praxiszeiten steht der Notfalldienst zur Verfügung.»

Auch im Hause Raab könnte die Tradition weitergehen

Für Simon Raab ist es eine realistische Option, später in Altdorf die Hausarztpraxis seines Vaters zu übernehmen. «Ich habe ideale Voraussetzungen und bin mir dessen auch vollkommen bewusst», sagt er. «Für mich ist es eine sehr schöne Vorstellung, das weiterzuführen, was mein Grossvater und mein Vater taten, und ich freue mich auch darauf.» Auch die Vernetzung mit dem Kanton Uri sei bei ihm vorhanden. «Aber natürlich weiss man nie mit letzter Bestimmtheit, wohin es einen verschlägt.»

Medizinstudentin Anna Rechsteiner will sich für ihre Zukunft noch nicht festlegen. «Mein Vater war immer erfüllt von seinem Job, deshalb kann ich mir gut vorstellen, einmal in seiner Praxis anzufangen.» Sie habe aber auch mitbekommen, wie belastend die Arbeit sein könne. «Die Generation meines Vaters waren Krampfer. Heute streben aber Ärzte eine bessere Work-Life-­Balance an», sagt die Studentin. «In der Gruppenpraxis, die mein Vater aufgebaut hat, kann ich mir vorstellen, eines Tages Vollzeit zu arbeiten oder, falls ich Kinder habe, auch Teilzeit.»

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