GESUNDHEIT: Weniger lukrative Patienten behandelt

2014 hat das Kantonsspital Uri mehr als eine halbe Million Franken Verlust geschrieben. Schuld waren unabsehbare Faktoren wie etwa rückläufige Rettungseinsätze.

Anian Heierli
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Für das kleine Kantonsspital Uri wird die Kooperation mit ausserkantonalen Spitälern immer wichtiger. (Bild Urs Hanhart)

Für das kleine Kantonsspital Uri wird die Kooperation mit ausserkantonalen Spitälern immer wichtiger. (Bild Urs Hanhart)

Finanziell war das Geschäftsjahr 2014 für das Kantonsspital Uri (KSU) schwierig. Die Jahresrechnung 2014 schliesst mit einem Verlust von 637 695 Franken. Noch im Vorjahr hatte das KSU einen Gewinn von über einer Million Franken erzielt. Spitaldirektor Fortunat von Planta macht im Geschäftsbericht mehrere Faktoren dafür verantwortlich.

Kanton hat Beitrag gekürzt

 

  • So wurde der regionalpolitische Beitrag des Kantons auf das Geschäftsjahr 2014 um über eine Million Franken reduziert.
  • Zudem nahm die Anzahl finanziell lukrativer, stationärer Patienten gegenüber 2013 deutlich ab. «Auswertungen des Ambulatoriums und des Rettungsdienstes zeigen aber, dass dies nicht alleine auf die Marktpositionierung des KSU zurückzuführen ist», heisst es im Bericht. Denn die Rettungseinsätze im Kanton Uri sind zurückgegangen (145 weniger als 2013). Dagegen ist die Zahl der finanziell ungenügend abgegoltenen, ambulanten Konsultationen am KSU um 10 Prozent gestiegen.
  • Im Durchschnitt hat das KSU zudem weniger schwere Patientenfälle behandelt. Diese unvorhergesehene Abnahme schwerer Fälle hat zu Mindereinnahmen von 500 000 Franken geführt.

 

Regierung setzt Finanzspritze an

Anfänglich war der Verlust des KSU mit 1,275 Millionen Franken sogar noch höher. Deshalb hat der Regierungsrat entschieden, die Hälfte des Defizits in der Höhe von 637 500 Franken zu übernehmen.

Auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Spitalleitung mit Mehrkosten. Dies unter anderem, weil das KSU auf den 1. Januar 2015 im Rettungsdienst und in der Anästhesiepflege den Schichtbetrieb eingeführt hat, wie es in umliegenden Spitälern bereits seit längerem der Fall ist. Dieser Schichtbetrieb ist mit erheblichen Merkosten verbunden. Damit diese Mehrkosten wettgemacht werden können, brauche es weitgehende Anstrengungen von allen Mitarbeitenden, so von Planta.

Auf externes Wissen zurückgreifen

Um neuen medizinischen Anforderungen gerecht zu werden, setzt das KSU auf eine enge Zusammenarbeit mit anderen Spitälern. «Im Vordergrund steht immer das Wohl des Patienten», schreibt Peter Vollenweider, Flüelen, Präsident des Spitalrates, in seinem Jahresbericht. «Nur wenn wir unsere Leistungen am KSU in hoher Qualität erbringen können, behandeln wir unsere Patienten selber.» Sobald das erforderliche Wissen nicht vorhanden sei, werde ein Spezialist aus einem anderen Zentrumsspital beibezogen oder der Patient werde entsprechend verlegt.

Heute gibt es im Gesundheitswesen einen Trend hin zu Spezialisten. Damit sind Ärzte und Fachkräfte gemeint, die sich in einem Gebiet besonders gut auskennen (siehe «Nachgefragt»).

Auch Patienten wollen zunehmend von Spezialisten behandelt werden. Für das Kantonsspital Uri ist es deshalb eine echte Herausforderung, dieser Entwicklung gerecht zu werden, da es als kleines Spital über begrenzte Mittel und Ressourcen verfügt. «Deshalb sucht das KSU die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten», schreibt Vollenweider. Das KSU könne es sich finanziell schlichtweg nicht leisten, für alle speziellen Krankheitsfälle einen eigenen Spezialisten vor Ort zu haben.