Gewinn der Urner Gemeinden legt wieder leicht zu – Investitionen gehen stark zurück

Unter dem Strich haben die Gemeinden im vergangenen Jahr ihren Ertragsüberschuss vergrössern können. Auch die Kosten für die Schüler und die Langzeitpflege entwickeln sich positiv – wenn auch nur geringfügig.

Lucien Rahm
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Dank steuerkräftiger Personen verzeichnet Andermatt die meisten Steuereinnahmen pro Kopf.

Dank steuerkräftiger Personen verzeichnet Andermatt die meisten Steuereinnahmen pro Kopf.

Bild: Urner Zeitung

Abermals ist der Finanzaufwand gestiegen, welchen die Urner Gemeinden zusammengenommen im vergangenen Jahr zu verzeichnen haben. Wie schon in den vorangehenden Jahren, haben die Aufwendungen gegenüber dem Vorjahr im siebenstelligen Bereich zugenommen – 2019 um 1,5 Millionen Franken. Damit ist der Aufwand weniger stark gestiegen als in den zwei vorangehenden Jahren. Gesamthaft beträgt er per Ende 2019 knapp 123 Millionen Franken, wie sich den neusten Kennzahlen der kantonalen Finanzkontrolle entnehmen lässt.

Zugelegt haben die Gemeinden im vergangenen Jahr aber auch beim Ertrag. Mit 140,5 Millionen Franken liegt dieser 1,7 Millionen Franken über dem Vorjahreswert, was einer Zunahme um 1,2 Prozent entspricht. Unter dem Strich können die Gemeinden somit einen Gewinn von rund 1,5 Millionen Franken ausweisen. Im Jahr davor betrug er lediglich 380'000 Franken, 2017 lag der Wert noch bei knapp 2 Millionen Franken.

Vier Gemeinden schreiben rote Zahlen

15 Urner Gemeinden haben zu diesem Resultat mit einem positiven Abschluss ihrer Rechnung beigetragen. Ihr kombinierter Ertragsüberschuss betrug rund 1,7 Millionen Franken. Vier Gemeinden haben das Ergebnis mit ihrem negativen Beitrag um insgesamt rund 200'000 Franken geschmälert. In Altdorf haben sich Aufwand und Ertrag genau die Waage gehalten, womit weder ein Gewinn noch ein Verlust resultiert.

Verluste müssen die Gemeinden Göschenen (54'000 Franken), Realp (30'000 Franken), Schattdorf (83'000 Franken) und Sisikon (34'000 Franken) hinnehmen. Letztere Gemeinde rechnet zum Beispiel auch fürs aktuelle Jahr mit einem Verlust. Dafür verantwortlich macht sie unter anderem Mehrkosten beim Personalaufwand sowie höhere Beiträge an die Pflegeheime.

Rote Zahlen schrieb unter anderem die Gemeinde Schattdorf.

Rote Zahlen schrieb unter anderem die Gemeinde Schattdorf.

Bild: Urner Zeitung

Steuereinnahmen sind gestiegen

Steuereinnahmen konnten die Urner Gemeinden 2019 mehr generieren als im Vorjahr. Sie sind um rund 2,5 Millionen auf 83 Millionen Franken angestiegen, wobei auch Anteile an Kantonseinnahmen berücksichtigt sind. Pro Kopf macht das Erträge von durchschnittlich 2250 Franken – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um knapp 60 Franken. Die meisten Steuereinnahmen pro Einwohner verzeichnet dabei erwartungsgemäss Andermatt, wo einige steuerkräftige Personen wohnhaft sind. Sie bezahlten 2019 im Schnitt rund 4600 Franken pro Kopf an Steuern.

Das Schlusslicht bildet in dieser Hinsicht Unterschächen. Hier betrug der durchschnittliche Pro-Kopf-Anteil an den Gemeindeeinnahmen lediglich 1400 Franken. Um die 3000 Franken betrug dieser Wert im vergangenen Jahr in den Gemeinden Bauen, Göschenen, Seelisberg und Wassen. In Altdorf gelangten pro Einwohner rund 2500 Franken an den Fiskus.

Investitionen gehen stark zurück

Stark zurückgegangen sind hingegen die Investitionen. Betrugen diese 2018 noch knapp 28 Millionen Franken, kamen sie 2019 nur noch bei 19 Millionen Franken zu liegen. Nach Abzug der Beiträge, die von Bund, Kanton und Dritten geleistet wurden, verbleiben Nettoinvestitionen von 15,5 Millionen Franken, die durch die Gemeinden getätigt wurden. Dieser Wert betrug im Vorjahr knapp 24 Millionen Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad in Prozent dieser Nettoinvestitionen beträgt somit knapp 110 Prozent. Dieser Wert gibt an, welchen Anteil ihrer Nettoinvestitionen die Gemeinden aus eigenen Mitteln finanzieren können. 2018 betrug diese Kennzahl nur knapp 63 Prozent.

Veränderungen gibt es auch bei den Schulden der Gemeinden. Die Nettoschulden berechnet die Finanzkontrolle, indem sie vom Verwaltungsvermögen der Gemeinden die Darlehen, Beteiligungen, Investitionsbeiträge und das Eigenkapital abzieht. Demnach wies diese Nettoschuld zum Ende des vergangenen Jahres einen negativen Wert auf. Das heisst, dass die Gemeinden also über keine Schuld, sondern ein Nettoguthaben verfügen – und zwar in der Höhe von rund 6 Millionen Franken. Das sind rund 5 Millionen mehr als 2018. Pro Einwohner verzeichnen die Urner Gemeinden damit ein Nettoguthaben von 162 Franken.

12 der 20 Gemeinden tragen hierzu mit einem positiven Ergebnis bei, allen voran Silenen mit einem Nettoguthaben von über 5 Millionen Franken. Pro Kopf berechnet ist Realp führend, mit einem Nettoguthaben von 15'000 Franken je Einwohner. Die restlichen acht Gemeinden müssen eine Nettoschuld ausweisen. Hierbei übertrifft Schattdorf mit einer Nettolast von 12 Millionen Franken alle anderen. In Göschenen besteht mit über 7000 Franken die grösste Nettoschuld pro Kopf.

Geringer Rückgang bei Schul- und Pflegekosten

Die Bildungskosten sind im Vergleich zum Vorjahr ungefähr gleich geblieben. Von 47,4 Millionen sind sie auf 46,3 Millionen Franken gesunken. Starke Schwankungen gibt es bei den Ausgaben pro Schüler aber je nach Gemeinde. Sie reichen von 8800 Franken in Seedorf bis 24'900 Franken in Bauen. Die Durchschnittskosten pro Schüler liegen über alle Gemeinden hinweg bei rund 12'100 Franken – 200 Franken weniger als im vorangehenden Jahr. Die Anzahl Schüler hat sich in dieser Zeit um etwa 30 Schulkinder verringert. Ende 2019 waren es rund 3820.

Etwas kleiner geworden sind auch die Ausgaben für die stationäre Langzeitpflege. Sie haben sich um 200'000 Franken reduziert und betrugen Ende 2019 rund 9,2 Millionen Franken. Auch hier fliessen unter anderem Kantonsbeiträge mit ein. Zieht man diese ab, tragen die Gemeinden noch einen Anteil von 6,6 Millionen Franken. Das sind 178 Franken pro Kopf.

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