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Gewitter bringen Urner Älplern Glück

Dürre und Hitze zwingen Älpler in umliegenden Kantonen zu verfrühten Alpabzügen. Dank der regelmässigen Gewittern ist die Situation auf den Urner Weiden nicht ganz so schlimm. Das sagen Älpler und Hirten zur Situation.
Remo Infanger
Auf der Chammlialp, der höchstgelegenen Urner Kuhalp, haben Gewitter immer wieder für das nötige Wasser gesorgt. (Bild: Bruno Arnold, Chammlialp, 16. Juli 2017)

Auf der Chammlialp, der höchstgelegenen Urner Kuhalp, haben Gewitter immer wieder für das nötige Wasser gesorgt. (Bild: Bruno Arnold, Chammlialp, 16. Juli 2017)

Die anhaltende Trockenheit hat Folgen: Ausgetrocknete Weiden, wasserarme Bäche und frustrierte Älpler sind nur einige davon. Besonders schwer betroffen sind Betriebe in Luzern, Schwyz oder in der Ostschweiz (wir berichteten). Weil den betroffenen Betrieben das Wasser ausgeht und das Gras nicht mehr nachwächst, sind die Älpler gezwungen, früher ins Tal zu fahren.

Nicht so schlimm wie andernorts

Und wie sieht die Situation im Kanton Uri aus? Um sich ein Bild der Lage zu verschaffen, hat unsere Zeitung mit Hirten und Älplern in verschiedenen Gebieten des Kanton Uri gesprochen. Das Fazit vorneweg: Ganz so schlimm wie andernorts steht es um die Urner Alpweiden glücklicherweise nicht.

Von der Dürre verschont blieb zum Beispiel das Schächental. «Wir durften uns immer wieder über einzelne Gewitter freuen, die für das nötige Wasser gesorgt haben», sagt Matthias Stadler. Der Altdorfer bewirtschaftet die Alp Chammli, die höchstgelegene Urner Kuhalp, auf 2054 Metern über Meer. Stadler hat von der extremen Trockenheit und den verfrühten Alpabzügen in anderen Kantonen gehört. «Für Älpler ist so etwas tragisch», sagt Stadler. «Darum können wir von Glück reden, dass es im Schächental ab und zu nass geworden ist.»

Zweiter Aufwuchs als Durststrecke

Auf der Alp Gitschenberg oberhalb von Seedorf schaut Markus Arnold mit seiner Familie zum Vieh. «Dass es trockener und wärmer ist als auch schon, das spürt man hier schon», sagt der Älpler. «Darunter gelitten haben wir aber nicht, es war stets genügend Wasser vorhanden.» Die ersten paar Wochen auf der Alp seien hervorragend gewesen, Anfang Juli habe sich die Trockenheit dann langsam bemerkbar gemacht. Da der Betrieb auf der Alp Gitschenberg einstafelig geführt wird und Arnold mit dem Vieh nicht auf höhere Stafel zieht, ist er auf das Nachwachsen der Weiden angewiesen. «Der zweite Aufwuchs hat sich dann als Durststrecke herausgestellt», erklärt Arnold. Deshalb ist er mit den Kühen ein bisschen früher als üblich nach Seedorf zurückgezogen. Arnold sieht das aber gelassen: «Die paar Tage mehr auf der Alp hätten den Braten auch nicht viel ‹feisser› gemacht.»

Zuhinterst im Bisistal, auf knapp 1500 Metern über Meer, bewirtschaftet Max Herger die Ruosalp –mit Kühen, Ziegen und rund 250 Rindern. Nicht nur er staunt über das satte Grün auf den Weiden. «Wanderer wundern sich stets darüber, wie grün und üppig hier oben alles ist», erzählt Herger. Der Älpler sieht dafür zwei mögliche Gründe. «Zum einen liegen grosse Teile der Weiden schattenhalb, zum andern haben Gewitter immer mal wieder etwas Regen gebracht.» Der Name Bisisalp komme schliesslich nicht von ungefähr, scherzt Herger.

«Käsekeller etwas mehr runterkühlen»

Auf der rechten Talseite des Engelber- gertals auf Surenen wird die Alpkäserei Usseräbnet betrieben. 180000 Liter Kuhmilch werden dort in diesem Jahr zu Surener Alpkäse, «Ebneterli» und Butter verarbeitet. «Auswirkungen auf die Käseproduktion hat der wärmere Sommer kaum», erklärt Daniela Spichtig, die zusammen mit ihrem Mann die Alpkäserei führt. «Wir mussten lediglich den Käsekeller etwas mehr runterkühlen als sonst.» Ansonsten laufe alles wie gewohnt. Vier Alpbetriebe liefern ihre Milch der Käserei Usseräbnet. Laut Spichtig ist von einem verfrühten Alpabzug keine Rede. Im Gegenteil: «Weil es in den Bergen immer wieder geregnet hat und darum die Alpweiden vielerorts grüner sind als im Tal, wollen viele Älpler mit dem Vieh möglichst lange oben bleiben.»

Auch im Urserntal beklagt man sich kaum über die anhaltende Hitze. «Wir merken schon, dass es etwas trockener ist», so Talammann Beat Schmid. «Es hat aber oft zum richtigen Zeitpunkt ein Gewitter mit Regen gegeben, sodass es noch keine grösseren Massnahmen gegen die Trockenheit braucht.»

Hitzesommer wird sich auf Fleischpreis auswirken

Auf der Alp Galenstock oberhalb der Furkapassstrasse sömmern Kühe, Rinder und Kälber. Die Älpler Marianne und Felix Meyer kümmern sich um das Vieh. «Das Problem mit der Trockenheit ist bei uns nicht so gravierend wie anderswo», sagt Marianne Meyer. Sie habe mit dem Vieh gut in die Höhe ausweichen können. «Beim Retourkommen wird der zweite Graswuchs aber vermutlich etwas spärlicher ausfallen als sonst», vermutet Meyer. Deshalb werden die Älpler ein paar wenige Tage früher ins Tal fahren als üblich. Folgen für die Älpler könne der Hitzesommer aber auch anderweitig haben. «Da Betriebe in anderen Kantonen aufgrund von Futtermangel mehr Vieh als üblich schlachten lassen, wird sich das sicher auf den Fleischpreis auswirken», so Meyer.

Hanspeter Kempf, Sachbearbeiter beim Amt für Landwirtschaft des Kantons Uri, vergleicht die Situation der hiesigen Betriebe ebenfalls mit derjenigen der ausserkantonalen. «In Uri ist die Trockenheit nicht so schlimm wie beispielsweise in der Ostschweiz», so Kempf. «Dort herrscht vielerorts ein fast steppenartiger Zustand, während viele Wiesen hier noch immer grün sind.» Von der Dürre am ehesten betroffen seien nicht die Alpen, sondern Heimbetriebe in der Reussebene. «Im Talboden haben viele Bauern einen Schnitt verloren», sagt Kempf. Dass die Landwirte aber ganze Gruppen von Tieren aufgrund von Futterknappheit schlachten müssen, erwartet Kempf allerdings nicht.

Feuchtere Luft ist im Anzug

Ein Blick auf die Wetterprognosen sorgt für ein kurzes Aufatmen – auch für auswärtige Älpler. Anfangs Woche soll feuchtere Luft über die Schweiz ziehen und zumindest am Dienstag grossflächig für den ersehnten Regen sorgen.

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