«GIDELMÄÄNDIG» IN ALTDORF: Zu trinken gab es Altöl aus dem Bagger

Ein Motto zieht sich durch die diesjährige Fasnacht wie ein roter Faden: Die Kälte. Auch in Altdorf bibberten die Zuschauer am Umzug.

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«Dr Chasperli» hat Freude am Theater rund um Samih Sawiris' Fantasie-Seilbahn: Nur Narren würden zwischen Gütsch und Gemsstock eine Gondel bauen. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

«Dr Chasperli» hat Freude am Theater rund um Samih Sawiris' Fantasie-Seilbahn: Nur Narren würden zwischen Gütsch und Gemsstock eine Gondel bauen. (Bild Angel Sanchez/Neue UZ)

Zwar lachte beim Umzug in Altdorf die Sonne vom Himmel, trotzdem war die Temperatur knapp am Gefrierpunkt. Nicht so die Stimmung: Die verschiedenen Fasnachtsgruppen liessen sich so einiges einfallen, um die rund 3000 Zuschauer entlang der Strasse zu erwärmen. So gab es bereits beim ersten Wagen «Dr vergrabnig Trax» heisses Altöl (Schnapskaffee) zu trinken. Dieses hatte der verkleidete Bauer wohlweislich abgelassen, bevor er zur Tat schritt: «Für Bagger grab ein Loch ganz tief, dann geht bestimmt auch gar nichts schief», reimten die Mitglieder des SC Flüelerstrasse auf ihrem Umzugswagen.

Konfetti fürs Moosbad
Löcher gegraben, werden auch beim «Moosbad» in Altdorf. Im Bau ist dort das neue Aussenschwimmbecken und wie es scheint, ein Konfettibad. Jedenfalls wenn es nach «Verkrachti Zuckerboonä» geht: Auf deren Wagen springt ein Badegast wagemutig vom Drei-Meter-Brett, um im darunter liegenden, konfettigefüllten Becken mehr oder weniger weich zu landen. Aber keine Angst: Dank Grosserfolg in Sachen Sponsoring und Spenden gab es fürs «Moosbad» ganz à la Baywatch einen gelben Wagen für die Rettungsschwimmer.

Hofnarr für Libyen: Kempf
Dass die Altdorfer Schützengasse in der Nacht manchmal einen schlechten Eindruck hinterlässt, ist hinlänglich bekannt. Dass dort Radaubrüder aber sogar mitten am Tag rumpissen, deckten erst die Mitglieder der Pfadi Altdorf auf ihrem Umzugswagen auf. Ganz ungeniert steht dort oben einer an der Mauer und lässt seinem Wasser freien Lauf. Manch einer, der zu nah am Wagen stand, lief anschliessend befleckt von dannen. Doch auch hier war die fasnächtliche «Polizei» schnell zur Stelle und verteilte direkt vor Ort saftige Ordnungsbussen.

Wohin die Reise des ehemaligen Ständeratskandidaten Stefan Kempf führt, wissen wir jetzt dank der «Nächstenliebe» Altdorf: Nicht nur dass Gaddafi die Schweiz in «Sarkotzien», «Datendybien», «Sissien» und «Mafiosien» aufteilte, er engagierte auch gleich noch den gestrauchelten SVP-Mann für sein Beduinenzelt: «Dr Chämpf tritt zrugg, jetz isch klar är gaat uuf Libien als Hofnarr.»

Daniel Regli