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GITSCHEN: Der Tod springt mit

Ein tödlicher Unfall gibt im Kanton Uri zu reden. Nun befürchten die Behörden, dass das Unglück sogar noch weitere Extremsportler anziehen könnte.
Florian Arnold
Gislers Kuh O’Kalibra ist ein Weltstar. (Bild: PD)

Gislers Kuh O’Kalibra ist ein Weltstar. (Bild: PD)

«Todesmutig», «lebensmüde» oder «krank!»: Es ist harte Kritik, die sich Basejumper in Online-Kommentaren ansehen müssen. Nachvollziehbar, denn es lässt sich effektiv nicht wegdiskutieren, dass die Sportart, bei der sich Menschen im freien Fall von Hochhäusern und Berggipfeln stürzen, zu den risikoreichsten überhaupt gehört. Am vergangenen Freitag hat ein US-amerikanischer Sportler das Schicksal offenbar herausgefordert. Beim Sprung vom Gitschen in einem so genannten Wingsuit – einer Art Batman-Anzug – kam der Mann zu Tode. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, war der Mann mit zwei Männern aus Kanada und Australien unterwegs gewesen. Die Rega konnte den Amerikaner nach einer längeren Suchaktion nur noch tot bergen.

Gesetzlich nicht durchsetzbar

«Den Extremsportlern – sofern man das Basejumpen noch Sport nennen kann – ist das Todesrisiko sicherlich bewusst», sagt Sicherheitsdirektor Beat Arnold. Etwas skeptisch blickt er auf die Entwicklung, dass immer mehr Basejumper am Gitschen Gefallen finden. «Wir müssen diese Entwicklung sicher im Auge behalten», so Arnold. «Aber wir werden wohl kein Verbot aussprechen können. Das wäre rechtlich äusserst schwierig.» Der Sicherheitsdirektor appelliert an die Eigenverantwortung.

«Zum Glück wird in der Schweiz die Selbstbestimmung hoch gehalten», sagt Michael Schwery, Präsident der Swiss Base Association, des Verbands der Basejumper. «Wir versuchen, niemanden mit unserem Sport zu stören», stellt er klar, «und wir fliegen auch nicht durchs Naturschutzgebiet.» Skepsis kann er aber verstehen. «Mit mir muss sicher niemand Mitleid haben, wenn etwas passiert.» Dennoch will er oberflächliche Kritik nicht gelten lassen. «Wir versuchen, das Risiko immer so klein wie möglich zu halten», sagt Schwery. Er sei nicht lebensmüde. «Wir sind einfach bereit, bei jedem Sprung ein gewisses Restrisiko auf uns zu nehmen.» Es komme aber auch oft vor, dass er einen Sprung abbreche. «Wenn es für mich nicht stimmt oder ich mich unwohl fühle, dann springe ich nicht.»

«Schönster Flug der Schweiz»

Bis vor einem Jahr sei der Gitschen in der Szene der Basejumper kaum aufgetaucht, weiss Schwery. Erst seit einem Jahr habe der Urner Berg an Bedeutung gewonnen. «Das läuft über Mundpropaganda», so der Verbandspräsident. «Es ist einer der schönsten Jumps», schwärmt Schwery. Der Flug vom Gitschen sei einer der längstmöglichen in der Schweiz. Er zähle aber auch zu den anspruchsvollsten.

Am Gitschen lauern somit Gefahren. «Je mehr Leute von diesem Sprung wissen, desto mehr, die hier vom Können her nichts verloren haben, werden angezogen», sagt Schwery. Deshalb sei es nun an der Swiss Base Association, über ihre Kanäle über die Gefahren am Gitschen zu informieren.

Weiter will der Verband das Gespräch mit Landbesitzern suchen, die bereit wären, dass Basejumper, die vom Gitschen kommen, bei ihnen landen können. «Wenn jemand etwas dagegen hat, akzeptieren und respektieren wir das», verspricht Schwery. Die Landbesitzer würden aber sogar finanziell entschädigt. Das nötige Geld stammt aus dem Verkauf von Landekarten. Laut dem Präsidenten wird die Verbandsarbeit aber ehrenamtlich ausgeführt.

«Niemand reagiert mehr»

Zu einem «Mekka für Basejumper» hat sich die Gemeinde Lauterbrunnen im Berner Oberland gemausert. Schätzungen zufolge werden an acht Absprungstellen rund 30 000 Flüge pro Jahr absolviert. «Wir haben uns daran gewöhnt», sagt Martin Stäger, Gemeindepräsident von Lauterbrunnen. Einher mit der Nachfrage geht denn auch die Zahl der Unfälle. Mehrere Tote fordert der Extremsport jährlich in Lauterbrunnen. Und so makaber es tönen mag: «Wenn so etwas passiert, reagiert hier fast niemand mehr», sagt Stäger. «Aber es ist schwierig, irgend etwas zu verbieten», so der Gemeindepräsident.

Auch wenn es von der örtlichen Tourismusorganisation nicht propagiert wird, hat der Hype aufs Basejumping für die Berner Oberländer Gemeinde auch positive Seiten. «Die Videos von hier, die in der ganzen Welt gezeigt werden, sind Gratiswerbung für uns», sagt der Gemeindepräsident. «Wir haben gute Übernachtungszahlen», so Stäger. «Für die günstigen Hotels sind das sehr gute Gäste.» Nur manchmal komme es zu Lärmbelästigungen, da die Basejumper den Hang zu lauten Partys hätten. «Die meisten sind aber sehr freundliche Leute.» Die Basejumper seien untereinander gut organisiert. Und die Kooperation mit der Swiss Base Association sei gut, so Stäger.

Uri bleibt Geheimtipp

Dass der Kanton Uri nun zu einem zweiten Lauterbrunnen wird, schliesst der Präsident der Swiss Base Association aus: «Viele Basejumper schrecken die langen Wanderungen auf die hohen Gipfel in Uri ab», sagte Michael Schwery. Und so will denn der Verband auch unter dem Deckel behalten, welche Berge in Uri sonst noch fürs Basejumping geeignet sind. «Der Kanton Uri soll ein Geheimtipp bleiben.»

Florian Arnold

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