Gletschersee am Klausenpass sorgt für bange Stunden

In der Nacht auf Sonntag, 17. Juni, ist der See am Fusse des Claridengletschers auf die Grösse von 13 Fussballfeldern angeschwollen und schliesslich ausgelaufen. Nachdem alles glimpflich verlief, müssen nun längerfristige Massnahmen her.

Carmen Epp
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Der Griesssee am Tag nach dem Überlauf aus der Vogelperspektive. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
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Der Griesssee am Tag nach dem Überlauf aus der Vogelperspektive. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
Erst als das Wasser sich durch die Schneemassen fressen konnte, konnte der See auf seinem gewohnten Weg ablaufen.  (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
Erst als das Wasser sich durch die Schneemassen fressen konnte, konnte der See auf seinem gewohnten Weg ablaufen. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
An der Felswand in der Chlus stürzte das Wasser rund 200 Meter in die Tiefe. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
Da der Fätschbach daraufhin zu viel Wasser und teilweise Geschiebe mit sich führte, kam es zu Flurschäden, die nun behoben werden. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)
Zwei Alpbetriebe kamen mit dem Schrecken davon. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)

Der Griesssee am Tag nach dem Überlauf aus der Vogelperspektive. (Bild: Stefan Simmen, Spiringen, 17. Juni 2019)

Der Gemeindeführungsstab Spiringen scheint ein mögliches Gefahrenpotenzial erkannt zu haben: Bei der Notfallplanung Naturgefahren 2018 geriet neben weiteren Punkten auch der Griesssee am Fusse des Clariden in den Fokus. «Der hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten auf der Moräne des Claridengletschers auf zirka 2000 Metern über Meer gebildet, sich jeweils im Frühling mit Schmelzwasser gefüllt und über den Fätschbach Richtung Urnerboden entleert», erklärt Stabschef Josef Schuler.

Um diesen Vorgang im Auge behalten zu können, beschloss man zusammen mit den Kantonsbehörden, den See im Auslaufbereich zu überwachen – mit zwei Messstangen und einer Kamera, die im Frühling installiert worden war und seither stündlich ein Bild des Gletschersees schiesst.

Schneemassen verstopften dem See den Ablauf

Nun haben sich die Überwachungssysteme bereits bezahlt gemacht. So war am 13. Juni auf den Fotos zu sehen, dass der See seinen natürlichen Auslauf erreicht hatte, aber nicht ablaufen konnte. Schuler erklärt: «Auf der rund 700 Meter langen Moräne, über die der See normalerweise abläuft, lagen grosse Mengen Schnee. Die wirkten wie ein Wehr und versperrten so dem Wasser den Weg, abzulaufen.»

Als der Seespiegel tags darauf um einen halben Meter angestiegen und der See auf eine Fläche von 13 Hektaren, das entspricht 13 Fussballfeldern, angeschwollen war, galt es für Schuler zu handeln. Verantwortliche der Gemeinde Spiringen, der Kantone Uri und Glarus, des Kraftwerkes Linth-Limmern sowie zwei potenziell gefährdete Älpler wurden informiert, eine Notfallplanung erstellt, Wanderwege gesperrt und Camper auf dem Urnerboden weggewiesen.

In der Nacht auf Sonntag, 17. Juni, konnte sich das Wasser schliesslich durch die Schneewand fressen, die es vom Abfluss trennte, und abfliessen. Gegen 9 Uhr sei der Abfluss am stärksten gewesen, schätzt Schuler. Dann donnerte das Wasser wie ein reissender Wasserfall über die Felswand in der Chlus rund 200 Meter in die Tiefe.

Dani Fischli aus Mollis GL hat das Ereignis mit der Kamera festgehalten: 

Erst gegen 15 Uhr nahm die Wucht wieder ab, sodass den zuvor informierten Personen gegen 16 Uhr Entwarnung gegeben werden konnte: Die Gefahr war gebannt.

«Problem wird auch in Zukunft nicht kleiner»

«Das Ereignis ist glücklicherweise glimpflich und ohne Personenschaden abgelaufen», sagt Lukas Eggimann, Leiter der Abteilung Naturgefahren. Da der Fätschbach streckenweise stark das Ufer erodierte und lokal viel Geschiebe ablagerte, müssen unter der Leitung der Baudirektion nun da und dort Sofortmassnahmen im Gerinne ausgeführt werden. Durch das Ereignis am meisten gefährdet waren Anlagen der Wasserversorgung Urnerboden.

Dank des Monitorings durch die Fachleute der Bau- und der Sicherheitsdirektion wurde die Gefahr noch rechtzeitig erkannt, womit organisatorischen Massnahmen kurzfristig ergriffen werden konnten. «Wenn man bedenkt, dass es den See vor 30 Jahren noch gar nicht gab, kann man sich vorstellen, dass das Problem auch in Zukunft nicht kleiner wird», sagt Eggimann weiter. Deshalb gelte es nun, längerfristige Massnahmen am See ins Auge zu fassen und auch umzusetzen. Vom Rausfräsen des Schnees im Frühling bis hin zu Überlaufleitungen sei vieles denkbar. «Damit wir nicht jedes Jahr eine Feuerwehrübung haben wie diesmal.»