GÖSCHENEN AM MEER: Freilichtspiel kämpft gegen Konkurs

Mit dem Freilichtspiel vom vergangenen Sommer hat der Verein Kulturforum Andermatt Gotthard ein Defizit von 460000 Franken eingefahren. Trotzdem möchte der Verein weiterhin bestehen bleiben – auch aus regionalpolitischer Sicht.

Florian Arnold
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An 21 von 23 Aufführungen von «Göschenen am Meer» regnete es. (Bild: Keystone / Urs Flüeler (Göschenen, 29. Juni 2017))

An 21 von 23 Aufführungen von «Göschenen am Meer» regnete es. (Bild: Keystone / Urs Flüeler (Göschenen, 29. Juni 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Der Titel tönte vielversprechend: Das Dialektstück von Paul Steinmann unter der Regie von Stefan Camenzind sollte im Sommer 2017 Göschenen zu einen eigenen Anschluss ans Meer verhelfen. Doch statt von dort aus die ganze Welt zu erobern, liefen die Veranstalter des Freilichtspiels «Göschenen am Meer» schon bald auf Grund: Statt 20000, welche die Infrastruktur ausgehalten hätte, nahmen nur 8000 Gäste auf der Tribüne Platz. «Wir schliessen vermutlich mit roten Zahlen ab», bilanzierte OK-Präsident Christoph Gähwiler kurz nach der letzten von 23 Aufführungen.

An der Generalversammlung des Vereins Kultur Forum Andermatt Gotthard von gestern Abend wurde nun die Abrechnung vorgelegt: 870000 Franken Einnahmen stehen Ausgaben von 1,3 Millionen gegenüber. «Auf der Ausgaben-Seite haben wir das Budget erreicht», betont Vereinspräsident Stefan Fryberg. «Da können wir niemandem einen Vorwurf machen.» Auf der Einnahmen-Seite sieht es anders aus: «Die schlechte Auslastung von 8000 Besuchern hat uns ein Loch in die Rechnung gerissen, obwohl wir mit einer Auslastung von drei Vierteln eher vorsichtig budgetiert haben.» Gerechnet wurde also mit 15000 Besuchern, gerade mal die Hälfte davon wurde erreicht. Als Hauptgrund für dieses Ergebnis nennt das Organisationskomitee das schlechte Wetter: An 21 von 23 Aufführung regnete es. Dies habe vor allem Kurzentschlossene von einem Besuch in Göschenen abgehalten. Zudem habe das neue Dialektstück nicht die beste Kritik erhalten. Weiters sei aber auch die Zahl der Freilichtspiele, die es in der Schweiz mittlerweile gebe, sprunghaft gewachsen, sodass die Göschener mit viel Konkurrenz zu kämpfen hatten.

Verein schiesst 260000 Franken ein

Nun steht der Verein vor einem Defizit von 460000 Franken. «Damit hat niemand gerechnet und selbst die pessimistischsten Annahmen wurden bei weitem übertroffen», so Fryberg. Rund 260000 Franken werden mit Ersparnissen des Vereins gedeckt. Ausserdem kamen dem «Kultur Forum Andermatt Gotthard» einige Gläubiger grosszügig entgegen. Übrig bleibt ein offener Betrag von 130000 Franken. So schmerzlich das Resultat ist, so erfreulich sei, dass kürzlich der Kanton einen namhaften Defizitbeitrag gesprochen habe, so Fryberg. «Wir hoffen sehr, dass auch weitere Institutionen und Stiftungen, die wir angegangen sind, uns finanziell unter die Arme greifen», erklärt der Vereinspräsident.

«Für das Kulturforum Andermatt Gotthard ist es zurzeit undenkbar, dass es wegen des eingefahrenen Defizits künftig keine Spiele mehr geben kann und soll», betont Fryberg. «Wir sind überzeugt, dass dies ein Riesenverlust für die Region wäre.» Die Freilichtspiele seien in verschiedener Hinsicht ein wertvoller Bestandteil des kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens des Urserntals und des Urner Oberlands. Nicht zu unterschätzen sei die soziale Komponente eines solchen Freilichtspiels für die Mitwirkenden.

Auf gute Ende wird noch immer gehofft

Deshalb werde man alles Erdenkliche unternehmen, um das Freilichtspiel zu einem glücklichen Ende zu bringen. Der Präsident weiss aber auch: «Sollten wir das fehlende Geld nicht zusammenbringen, sind wir wohl oder übel gezwungen, den Konkurs des Vereins anzumelden.»

Auch die Mitglieder des Vereins werden nun in die Pflicht genommen. An der GV von gestern wurde einer vorübergehenden Verdopplung der Mitgliederbeiträge zugestimmt. «Wir sind zuversichtlich, dass wir den Konkurs abwenden können», gibt sich der Präsident kämpferisch. Das Kulturforum will also sein Engagement nicht aufgeben. «Wir müssen uns aber sicher Gedanken über die Form machen», so Fryberg. Allenfalls werden es keine Freilichtspiele mehr sein, sondern Theaterveranstaltungen anderer Gestalt.