GÖSCHENEN: Arztpraxis: Der Regierung sind die Hände gebunden

Die Arztpraxis in Göschenen hat stets nur am Donnerstag offen. Das sorgt für Ärger. In einer Interpellation verlangt CVP-Landrätin Verena Walker Antworten wegen der unbefriedigenden Situation. Die Regierung kann aber nicht eingreifen.

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Die ärztliche Grundversorgung im Urner Oberland wird in einer Interpellation kritisiert. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 7. November 2013))

Die ärztliche Grundversorgung im Urner Oberland wird in einer Interpellation kritisiert. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 7. November 2013))

Die Arztpraxis in Göschenen ist die einzige medizinische Anlauf- und Versorgungsstelle für die Gemeinden Gurtnellen, Wassen und Göschenen. Seit Juni 2014 wird sie von Dorothea Stüttgen-Abdalla und ihrem Mann Akmal Wassef Abdalla geführt. Das Ehepaar betreibt aber zudem noch eine Arztpraxis im luzernischen Beromünster.

Landrätin Verena Walker (CVP, Wassen) bemängelte in ihrer Interpellation die angebliche Verweigerung der Heraus­gabe von Patientendossiers, die mangelnde Erreichbarkeit sowie die Unpünktlichkeit auch bei vereinbarten Terminen. Zudem sei die Arztpraxis telefonisch nur schwierig zu erreichen. Gemäss Aushang hat die Praxis momentan jeweils nur am Donnerstag von 10.30 bis 15 Uhr offen. Montags, freitags und samstags sind Termine nach Vereinbarung möglich. Laut Walker beklagen sich viele Patienten über einen unangemessenen Umgang.

In einer Interpellation verlangte die Landrätin Antworten von der Urner Regierung. Verena Walker wollte wissen, ob es Vorgaben an das Ärztepaar von Göschenen gegeben habe, als ihnen die Praxisbewilligung erteilt worden sei. In der Antwort der Regierung wird dies nun verneint, auch hinsichtlich Präsenzzeiten habe es keine Vorgaben gegeben. Des Weiteren verfüge der Kanton über keine rechtliche Grundlage, um bei der Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung Vorgaben zu den Öffnungszeiten oder dergleichen zu machen. Die Öffnungszeiten würden ausschliesslich in der unternehmerischen Freiheit der Ärztin beziehungsweise des Arztes liegen.

Der Regierungsrat stellt in seiner Antwort klar, dass er keine rechtliche Möglichkeit hat, korrigierend einzugreifen. Die Landrätin wollte zudem von der Regierung Auskunft, wie sie Stellung nimmt zur Tatsache, dass die Öffnungszeiten der Praxis etwa bei 10 Prozent liegen, obwohl die Arztperson die Praxis mit einem 50-Prozent-Pensum betreiben wollte.

Es gilt freie Patientenwahl für den Arzt

Die Regierung erklärt, dass es den einzelnen Arztpersonen nach unternehmerischen Gesichtspunkten überlassen sei, zu welchen Zeiten sie ihren Beruf ausüben. Der Regierungsrat würde es aber begrüssen, wenn die Arztperson ihr Arbeitspensum in Göschenen erhöhen würde. Damit könnte die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung deutlich besser gewährleistet werden.

Zur Verweigerung der me­dizinischen Grundversorgung schreibt die Regierung: «Eine Pflicht zur Übernahme des Auftrags beziehungsweise eine Behandlungspflicht existiert für die Arztperson nicht beziehungsweise nur in Notfällen.» Ein Arzt sei somit nicht verpflichtet, einen Patienten zu behandeln.

Als Pendant zur freien Arztwahl der Patienten gelte also auch die freie Patientenwahl für den Arzt. In der Antwort heisst es weiter, dass der Regierungsrat nicht einschreiten kann, wenn eine Arztperson einzelne oder mehrere Patienten nicht mehr behandeln möchte.

 

Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

Hinweis: Die Interpellation wird in einer der nächsten Landratssessionen behandelt.