GÖSCHENEN: «Die Bergstrecke ist keine Museumsbahn»

Die SBB wollen das touristische Potenzial der Bergstrecke besser nutzen. Beim Bahnhof Göschenen werden Verbesserungen vorgenommen.

Urs Hanhart
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Urban Camenzind tauft den Zug auf den Namen «Göschenen»; rechts SBB-Vertreter Werner Schurter. Bild: Urs Hanhart (Göschenen, 17. 12. 2016)

Urban Camenzind tauft den Zug auf den Namen «Göschenen»; rechts SBB-Vertreter Werner Schurter. Bild: Urs Hanhart (Göschenen, 17. 12. 2016)

Beim Bahnhof Göschenen tummelten sich am Samstagvormittag ungewöhnlich viele Menschen. Gegen 200 Personen, darunter Vertreter des Bundes sowie der Kantone Uri und Tessin, aber auch Gäste aus der Politik, der ÖV- und Tourismusbranche wohnten einer symbolträchtigen Taufe eines Tilo-Zugs auf den Namen «Göschenen» bei.

Die SBB wollen unter Beweis stellen, dass sie auch nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels an eine erfolgreiche Zukunft der Bergstrecke glauben. Vor allem soll auch deren touristisches Potenzial besser genutzt und vermarktet werden.

Regierungsrat Camenzind tauft Zug mit Champagner

Der Taufakt war eine kurze Sache. Zunächst enthüllten der Göschener Gemeindepräsident Felix Cavaletti und Werner Schurter, Leiter SBB-Personenverkehr Regionen, den Schriftzug «Göschenen» und das Gemeindewappen. Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind, der als Taufpate amtete, überschüttete den Zug mit Champagner. Aufhänger für die Veranstaltung war der erste direkte Interregio ab Basel, der in Göschenen eintraf.

Seit dem 11. Dezember nutzen zahlreiche Reisende die neue, rund 30 Minuten schnellere Verbindung durch den Basistunnel. Gleichzeitig bieten die SBB auf der Bergstrecke weiterhin ÖV-Angebote für den Berufsverkehr an. Zudem wollen sie den Tourismus stärken. «Die SBB sind stolz, die legendäre Gotthard-Panoramastrecke – so nennen wir sie seit dem Fahrplanwechsel – weiter zu bedienen», so Schurter. «Wir glauben an den Mythos Gotthard und das touristische Potenzial dieser Region.»

Auf der Gotthard-Panoramastrecke zwischen Erstfeld und Bellinzona fahren Regio-Express-Züge im Stundentakt. In Zeiten mit starker Nachfrage soll es zusätzliche Direktverbindungen nach Göschenen geben. Von April bis Oktober verkehrt an Wochenenden und Feiertagen zusätzlich ein Zug von Zürich über die Bergstrecke nach Bellinzona und zurück. «Dieser ist ideal für Wanderer und Ausflügler und bietet viel Platz für Velos und Gepäck», so Schurter. «Zu Ehren des Mythos Gotthard führen wir die Tradition der Panoramazüge weiter und bieten eine besondere Reise mit Zug und Schiff an. Das Angebot führt von Luzern per Schiff nach Flüelen und anschliessend im Zug über die Gotthard-Panoramastrecke.» Es können auch Teilstrecken gebucht und die Reise beispielsweise mit dem Glacier Express kombiniert werden. Der Gotthard-Panorama-Express ist ab Karfreitag (14. April) bis am 22. Oktober jeweils am Wochenende im Einsatz; vom 3. Juli bis 20. Oktober täglich.

Ebenerdiges Ein- und Aussteigen wird möglich

Der Bahnhof Göschenen bleibe so wie heute bestehen, sagte Schurter auf eine entsprechende Frage. Es sind aber verschiedene Verbesserungen geplant. «Bis Ende Januar werden neue Zugabfahrtsanzeigen installiert, und bis Ende April werden die Perrons mit sogenannten Kamelbuckeln versehen, sodass die Fahrgäste ebenerdig ein- und aussteigen können.»

Nichts geändert werde am Bahnhofbuffet. Dieses könne weiterhin für Anlässe genutzt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt müsse das Stellwerk in Göschenen angepasst werden.

Die SBB haben einen ersten grosser Schritt gemacht

«Der Fahrplanwechsel mit den neuen Angeboten gibt uns ein Zeichen, dass die Bergstrecke nicht ganz vergessen ist», sagte Cavaletti. «Für das Urner Oberland und auch die Leventina ist es sehr wichtig, dass die Züge in Göschenen und Airolo halten.» Sicherlich brauche es noch weitere Schritte für ein attraktives ÖV-Angebot. «Immerhin ist jetzt ein erster grosser Schritt gemacht», gab er sich überzeugt.

Regierungsrat Camenzind wertete die Namenswahl für den Tilo-Zug als positives Signal. «Die Gotthard-Panoramastrecke ist ein wichtiger Zubringer für den zentralen Alpenraum.» Die Verbindung aus den Zentren im Mittelland nach Göschenen müsse mit möglichst wenigen Umsteigevorgängen weiter gestärkt werden. «Wir wünschen uns, dass die Züge ganzjährig und mehrmals täglich geführt werden.» Camenzind unterstrich: «Die Bergstrecke ist kein Abstellgleis in ein Seitental und auch keine Museumsbahn.» Sie habe eine ganz wichtige Bedeutung für den Gotthard-Raum. Zudem sei sie bei Störungen im Basistunnel eine Ausweichroute von grosser Wichtigkeit.

Nach dem Aufenthalt in ­Göschenen fuhr die Festgemeinde mit dem Tilo-Zug Richtung Süden durch den alten Gotthard-Bahntunnel nach Airolo. Dort fand eine Taufzeremonie eines Zuges auf den Namen «Airolo» statt. Als Pate agierte der Tes­siner Regierungsrat Norman Gobbi.

Urs Hanharturs.hanhart@urnerzeitung.ch