Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GÖSCHENEN: Freilichtspiele: «Wir rechnen mit roten Zahlen»

Christoph Gähwiler, Präsident der Freilichtspiele, zieht nach der letzten Aufführung eine durchzogene Bilanz. Er sucht nach Gründen und sagt, wie er sich die Zukunft vorstellen könnte.
Markus Zwyssig
Der Regen begleitete die Theaterspieler in Göschenen durch die Freilichtsaison. (Bild: Valentin Luthiger (Göschenen, 26. Juni 2017))

Der Regen begleitete die Theaterspieler in Göschenen durch die Freilichtsaison. (Bild: Valentin Luthiger (Göschenen, 26. Juni 2017))

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwysssig@urnerzeitung.ch

Christoph Gähwiler, am Samstag haben Sie die Derniere des Freilichtspiels «Göschenen am Meer» gefeiert. Wie viele Menschen haben das Stück gesehen?

Die genaue Zahl liegt zwar noch nicht vor. Sie dürfte aber bei knapp 10000 Besuchern liegen.

Das ist wohl deutlich unter Ihren Erwartungen?

Ja, die Zuschauerzahlen sind für mich persönlich eher enttäuschend. Unsere Tribüne hatte bei insgesamt 23 Aufführungen eine Kapazität von total 20000 Zuschauern. Budgetiert haben wir mit einer Auslastung von 60 Prozent. Es kamen also rund 2000 Zuschauer weniger als erwartet. Wir schliessen vermutlich mit roten Zahlen ab.

Was sind die Gründe?

Erstens hat das Wetter nicht mitgemacht. Fast jeden Abend hat es geblitzt und gedonnert und vor allem aus vollen Kübeln geregnet. Wir waren glücklich, dass kein Blitz eingeschlagen hat. Es gab keine nennenswerten Unfälle. Zweitens haben wir in der Ferien- und Stauzeit gespielt. Ich glaube, wir hatten noch nie so viel und so lange Stau vor dem Gotthard. Drittens ist die Konkurrenz mit den verschiedenen Freilichtspielen viel grösser geworden. Wir können zwar bereits auf eine relativ lange Tradition zurückblicken. Die Menschen sind heute aber übersättigt, denn es gibt so viele Freilichtspiele und noch eine Menge weiterer Anlässe. Die Schweiz ist ein Festplatz. Viertens wäre vielleicht der Standort Andermatt attraktiver gewesen als Göschenen. In Göschenen fehlen Hotels und Restaurants.

Besucher kritisierten aber auch das Stück. «Göschenen am Meer» von Paul Steinmann habe zu wenig Tiefgang. Könnte das auch ein Grund für die Zuschauerzahlen sein?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. 98 Prozent der Besucher waren sehr zufrieden. Es gab sogar einige Gäste, die haben sich das Stück fünf oder sechsmal angesehen, weil es ihnen derart gut gefallen hat. Auch die Organisation der Freilichtspiele wurde positiv bewertet. In der Küche hat es vor allem zu Beginn ein bisschen zu lange gedauert. Die Gäste mussten zu lange aufs Essen warten. Doch auch das wurde gegen Ende der Spielzeit besser. Sehr gute Arbeit geleistet haben die rund 70 Schauspieler. Es waren ja alles Laien. Das Freilichtspiel «Göschenen am Meer» lebte von vielen fantastischen Bildern. Thematisiert wurden die Elektrifizierung, die aufkommende Frauen-Power und die gewagte Idee des Baus einer Wasserstrasse über die Alpen. Vielleicht haben das nicht alle verstanden. Auch war der Titel «Göschenen am Meer» möglicherweise ein bisschen gewagt.

Vor zehn Jahren wurde in Göschenen «Die Gotthardbahn», ebenfalls von Autor Paul Steinmann geschrieben, aufgeführt. Weshalb gelang es diesmal nicht mehr, an den Erfolg von damals anzuknüpfen?

Damals kamen viele Bahnfans nach Göschenen. Unsere beiden Lokomotiven waren ein besonderer nostalgischer Anziehungspunkt für die Eisenbahnfans. Auch die SBB halfen mit. Die Werbung war damals breiter abgestützt als in diesem Jahr.

Wie viel Geld fehlt nun konkret für einen ausgeglichenen Abschluss?

Das wissen wir noch nicht. Wir wollen uns aber möglichst rasch Klarheit verschaffen.

Wie wollen Sie das Loch in der Kasse stopfen?

Das werden wir sehen. Wir hoffen, dass wir mit den erspielten Gewinnen aus früheren Jahren das Defizit auffangen können. Ich bin aber skeptisch, dass uns dies gelingt.

Was heisst das für die Zukunft? Kocht man in Göschenen und Andermatt inskünftig auf kleinerer Flamme?

Die Verantwortlichen müssen Überlegungen anstellen. Vielleicht ändern wir die Aufführungszeiten. Anfang Juli sind alle in den Ferien. Für uns macht es aber Sinn, die Schulferienzeit zu nutzen. So können mehr Familien mit Kindern mitspielen. Die Mentalität hat sich auch geändert. Früher machten die Menschen mehr fürs Allgemeinwohl. Heute werden die persönlichen Bedürfnisse stärker gewichtet. Aber bei unserem Freilichtspiel machten 70 Schauspieler und 70 Personen hinter der Bühne mit. Die waren mit Leib und Seele dabei und haben ihre Ferien geopfert. Ihnen gehört ein riesiges Dankeschön. Zudem wurden wir unterstützt von in Uri lebenden Flüchtlingen aus Eritrea und Afghanistan.

Beim OK und beim Trägerverein Kulturforum Andermatt Gotthard zeichnen sich Wechsel ab.

Es wird sowohl im Verein als auch im OK Wechsel geben, rein schon altershalber. Wir versuchen aber, die eine oder andere Person noch zu motivieren, dass sie vielleicht noch einmal mitmacht. Bei den Schauspielern hat es junge Talente, die sicher wieder gerne dabei sind. Beim OK ist die Faszination mitzumachen, kleiner. Das Spielen ist eine Leidenschaft. Das Organisieren hingegen ist eher eine trockene Angelegenheit.

An den Erfolg früherer Jahre anknüpfen könnte man auch, wenn man «D’ Gotthardposcht» wieder aufführen würde. Gibt es nach vier erfolgreichen Saisons eine fünfte?

Das Freilichtstück «D’ Gotthardposcht» wird vom Volk immer wieder gewünscht. Es ist aber auch möglich, dass «Der Schmied von Göschenen» gespielt wird. Ich persönlich würde es schade finden, wenn es die Freilichtspiele nicht mehr geben würde. Wir haben uns einen Namen gemacht. Mit unserer Arbeit bieten wir Einheimischen und Auswärtigen ein kulturelles Ereignis, das inhaltlich sehr viel mit unserer Geschichte zu tun hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.