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GÖSCHENEN: «Göschenen am Meer» wartet jetzt auf die Besucher

Das Freilichttheater «Göschenen am Meer» feiert am Freitag Premiere. Autor Paul Steinmann ist gespannt, wie das Publikum reagiert. Denn das sei eine entscheidende Komponente, die man noch nicht kenne.
Markus Zwyssig
Paul Steinmann auf der gedeckten Tribüne in Göschenen. (Bild: Markus Zwyssig (25. Juni 2017))

Paul Steinmann auf der gedeckten Tribüne in Göschenen. (Bild: Markus Zwyssig (25. Juni 2017))

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

In Göschenen wird intensiv geprobt. Vor der Premiere blicken immer mehr Zuschauer von der grossen gedeckten Tribüne auf das Geschehen. Regisseur Stefan Camenzind, seine Assistentin Ruth Feubli, weitere Verantwortliche und Gäste verfolgen in Göschenen das Schauspiel, das die rund 70 Männer und Frauen inszenieren. Auf der Tribüne sitzt auch Autor Paul Steinmann.

Paul Steinmann, wie fühlen Sie sich so kurz vor der Premiere?

Ich bin schon ein bisschen aufgeregt. Das Bühnenbild steht, die Technik funktioniert, die Spieler können ihre Rolle. Doch eine entscheidende Komponente kennt man noch nicht: das Publikum. Ob das Stück ankommt, weiss man von vornherein nicht. Und da spielen dann auch Wetter, Temperaturen und die allgemeine Befindlichkeit mit. Obwohl ich schon einige Erfahrungen gesammelt habe – ich mache das auch schon einige Jahre –, bleibt also immer eine Aufregung vor der Premiere.

Was ist in Ihrem Stück Realität, und was ist Fiktion?

Die Geschichte hat einen historischen Hintergrund. Einzelne Figuren sind real. So beispielsweise Ernst Zahn. Er war damals Gemeinderat und ein bekannter Dichter. Zudem hat er als Chef des Elektrizitätswerks und bei der Elektrifizierung sehr viel angestossen. Vieles ist aber schon aus zeitlichen Gründen nicht real. Es gibt Sitzungen, die Leute gehen einkaufen, und es wird viel gebeichtet. Das alles wird zeitlich verdichtet gespielt. Denn all diese Begebenheiten werden in ein Theaterstück gepackt, das 90 oder 100 Minuten dauern soll. Insofern bildet das Theater die Realität nur auf eine bestimmte Art und Weise ab.

Worum geht es?

Von der Story her ist es eine Vision. Der italienische Ingenieur Pietro Caminada hatte die Idee, mit dem Schiff auf Wasserstrassen über die Alpen zu fahren. Im Stück gehen wir der Frage nach, was wäre, wenn das möglich würde. Was sich für die Menschen verändern würde, wenn Göschenen einen Kanal und einen Hafen hätte. Was passiert mit dem Dorf und der Gegend? Wie käme man zurecht, wenn man plötzlich quasi am Meer wäre?

Was war das für eine Zeit?

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war eine sehr hoffnungsfrohe. Dank der Erfindungen im Energiesektor und auf technischer Ebene hatte man das Gefühl, es sei alles möglich. Im Theaterstück hat aber auch eine der Figuren eine Schreckensvision. Sie erzählt vom Ersten Weltkrieg, der auszubrechen droht.

Was gab den Ausschlag, über eine nie verwirklichte Vision ein Theaterstück zu schreiben?

Auslöser war der Hafenkran in Zürich. Dieser sorgte für grosse Diskussionen. In dem Zusammenhang erschien ein Buch. Darin wurden auch die damaligen Pläne vorgestellt, die ganze Schweiz schiffbar zu machen. Die Idee war, eine Verbindung auf dem Wasserweg von Basel nach Flüelen zu schaffen oder das ganze Seeland zu verbinden. Da kam die Idee von Ingenieur Pietro Caminada zur Sprache, auch die Berge mit Wasserstrassen zu überwinden. Er wollte einen Kanal über die Alpen bauen, die Nordsee und das Mittelmeer miteinander verbinden.

Und wie ging es dann weiter?

Ich habe dem Kulturforum Andermatt Göschenen meine Idee vorgeschlagen. Das Stück passt gut in die Gegend, denn es hat unmittelbar mit Göschenen zu tun. Der Verein machte mit. Dann ging es darum, verschiedene Szenen zu entwerfen, die sich zu einer guten Geschichte verbinden lassen.

Was fasziniert Sie am Stoff?

Interessant ist, was passiert, wenn jemand mit einer verrückten Idee kommt. Es gibt immer solche, die denken, sie können profitieren. Andere haben Angst. Einige warten ab. Wieder andere kümmern sich gar nicht darum. Auf einen grossen Impuls gibt es viele verschiedene Reaktionsmöglichkeiten. Und das alles spielt in einem katholischen Dorf. Die Kirche hat eine grosse Bedeutung. Der Pfarrer ist eine wichtige Figur. Politik wird auch im Beichtstuhl gemacht. Nach der Eröffnung des Gotthardtunnels ist man optimistisch, dass man auch das nächste Grossprojekt anpacken kann. Selbst wenn die Erfahrungen damals nicht nur positiv waren. Auch das Trauma des Gotthardtunnelbaus kommt in dem Stück nochmals zur Sprache.

War es schwierig, die Leute zu überzeugen?

Das war gar kein Problem. Man muss auch für ein Theaterstück eine Vision haben. Man muss eine so gute Idee bringen, dass sich 30 oder 50 Personen ein Jahr lang damit beschäftigen. Es gab nie einen Punkt, an dem man gesagt hätte, dass man die Idee nicht mehr weiterverfolgen will. Es steckt ein Verein dahinter mit einer grossen Erfahrung, sehr gut organisiert und sehr geübt. Das ist wirklich toll.

Sie schreiben sehr viele Theaterstücke. Was ist Ihre Motivation, immer weiterzumachen?

Ich bin selbstständig erwerbend und freue mich natürlich über jeden Auftrag. Auch befasse ich mich gerne mit historischen Stoffen. Das Spannende finde ich, diesen so umzusetzen, dass er mit allen Beteiligten und beim Publikum ankommt. Es soll ein unterhaltsames, aber auch lustiges Theaterstück entstehen, das zum Nachdenken anregt. Morgen werden wir an der Premiere sehen, ob das auch wirklich aufgeht.

Hinweis: Das Freilichttheater «Göschenen am Meer» feiert am Freitag, 29. Juni, Premiere.

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