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GÖSCHENEN: Göschener Gemeindepräsident zur zweiten Gotthardröhre: «Wir müssen diese Chance nutzen»

Mit dem Bau der zweiten Röhre am Gotthard kommen einige Herausforderungen auf Göschenen zu Gemeindepräsident Felix Cavaletti blickt jedoch positiv in die Zukunft. Er ist überzeugt, dass seine Gemeinde und das Urner Oberland nachhaltig profitieren.
Carmen Epp
Für Göschenen wird sich mit dem Bau der zweiten Röhre einiges ändern. (Bild: PD)

Für Göschenen wird sich mit dem Bau der zweiten Röhre einiges ändern. (Bild: PD)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Am Montagabend luden das Bundesamt für Strassen, die Gemeinde Göschenen und der Kanton Uri zur Infoveranstaltung zum Bau der zweiten Röhre am Gotthard nach Göschenen ein. Gemeindepräsident Felix Cavaletti erklärt, wieso der Gemeinderat dem Projekt positiv gegenübersteht.

Felix Cavaletti, die Stimmung an der Infoveranstaltung schien gut, kritische Töne gab es kaum. Teilen Sie den Eindruck oder machen die Göschener die Faust im Sack?

Felix Cavaletti: Ich empfand die Stimmung auch als durchweg positiv. Natürlich gibt es bei solchen Grossprojekten auch immer ungute Gefühle, die der eine oder andere hat. Dass die Göschener deswegen die Faust im Sack machen, glaube ich jedoch nicht. Wenn der Schuh drückt, wird das in der Regel auch kommuniziert.

Airolo erhält mit dem Bau der zweiten Röhre eine neue Autobahngalerie. Dagegen scheint Göschenen eher schlecht wegzukommen ...

Ich gönne es der Gemeinde Airolo, dass sie die Überdeckung erhalten, denke aber nicht, dass Göschenen oder der Kanton Uri deshalb schlechter wegkommen. Es sind zwar kleinere Mosaiksteine als in Airolo, aber auch Göschenen und der Kanton Uri profitieren langfristig vom Bau der zweiten Röhre.

Inwiefern?

Das Astra überlässt einige Installationen nach dem Bau der zweiten Röhre der Gemeinde zur Nachnutzung. So können wir beispielsweise das Bahnhofsgebäude, das während des Baus als Infocenter dient, weiter nutzen, etwa als Museum oder als touristische Plattform fürs Urner Oberland. Ebenfalls weiter nutzen können wir die Tiefgarage bei der Kantine sowie den Neubau, der während der Bauzeit als Unterkunft für die Arbeiter dient. Hier versprechen wir uns eine nachhaltige Lösung, etwa in Form von Wohnungen für Arbeiter des Tourismusresorts in Andermatt oder für Touristen mit kleinerem Budget. Im Zuge des Tunnelbaus wird die Gemeinde mit Fernwärme erschlossen, wobei das Astra zirka die Hälfte der Erstellungskosten übernimmt. Ausserdem bleibt die Brücke, die das Astra beim Bahnhof erstellt, bestehen. Die kann dereinst für die geplante Gondelbahn von Göschenen auf den Gütsch genutzt werden. Und die Göscheneralp erfährt als Ausgleich der Ökobilanze eine Aufwertung. Nicht zuletzt ist das Astra bereit, die Angebote unseres Dienstleistungszentrums in die Submissionsunterlagen für die grossen Baulose aufzunehmen.

Was ist unter dem Dienstleistungszentrum zu verstehen?

Die drei Verbundgemeinden Göschenen, Gurtnellen und Wassen haben beschlossen, ein Dienstleistungszentrum ins Leben zu rufen. Darin werden die Angebote von kleinen und mittleren Unternehmen des Urner Oberlands zusammengefasst und neue Angebote kreiert – etwa für die Führung der Kantine, für Reinigungsdienste, Lieferungen und so weiter. Dies mit dem Ziel, dem Astra via Kanton ein Dossier an möglichen Leistungen zuhanden der Bauunternehmen abzugeben. In der Hoffnung, dass die Unternehmen dann lokale Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Inwiefern ist das nachhaltig? Sobald der Bau vorüber ist, braucht es auch die Dienstleistungen nicht mehr ...

Natürlich wird das Dienstleistungszentrum zunächst nur temporär für die zehn Jahre Bauzeit gebraucht. In dieser Zeit können sich die angegliederten Unternehmen aber auch weiterentwickelt und expandieren, etwa in Richtung Tourismusresort Andermatt. Sodass etwa Reinigungsdienste oder Gastronomieanbieter auch nach dem Bau der zweiten Röhre weiter bestehen können und wir nachhaltig neue Arbeitsplätze schaffen. Das ist eine einmalige Chance, die wir auf jeden Fall nutzen müssen.

Das Astra hat der Gemeinde also doch gewisse Zugeständnisse gemacht. Wie kommts?

Wir waren die letzten zwei Jahre aktiv bei den Verhandlungen dabei, haben in Begleitgruppen unsere Bedürfnisse und Forderungen eingebracht. Dabei konnten wir einige Kompromisse erzielen, nicht nur, was die Nachhaltigkeit angeht.

Zum Beispiel?

Ursprünglich hatte man vor, die Baustelleninstallationen und auch Deponien im ganzen Dorf zu verteilen. Hier konnten wir dank hartnäckigen Verhandlungen erreichen, dass sich die Baustelleninstallationen aufs Gebiet «Eidgenössisch» beschränken, sodass das Dorf und der Installationsplatz getrennt sind. Ausserdem wird das Astra die lärmintensiven Arbeiten Untertag machen und die Verladehalle für den Materialtransport im Bahnhof entspricht den Lärmschutzanforderungen. Hier konnten wir für die Gemeinde sicherlich das Optimum herausholen.

Es gab aber auch Kritik von aussen, dass sich die Gemeinde unter Wert verkauft. So wurde etwa angeregt, man solle doch leer stehende Wohnungen und sanierungsbedürftige Gebäude nutzen statt neue Container für die Arbeiter zu erstellen.

Den Eindruck, dass es in Göschenen viele leer stehende Wohnungen gibt, teile ich nicht. Zurzeit wohnen rund 50 Arbeiter des Tourismusresorts Andermatt in Göschenen, die meisten bewohnbaren Wohnungen werden genutzt. Was die sanierungsbedürftigen Gebäude angeht, können wir von der Gemeinde her lediglich Inputs geben und auf das Projekt «Wohnbauförderung Urner Oberland» hinweisen. Ob und was die Eigentümer mit den sanierungsbedürftigen Gebäuden machen, liegt nicht in unserer Hand.

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