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GÖSCHENEN: Tunnelbaustelle: Gemeinde und Historiker pochen auf Nachhaltigkeit

Das Bundesamt für Strassen will für den Bau der zweiten Röhre bestehende Gebäude nutzen. Das freut die Gemeinde und einen ortsbekannten Historiker. Dennoch gibt es Pläne für eine Barackensiedlung.
Elias Bricker
Häuser wie das Hotel de la Gare (links) oder die alte Jugendherberge werden seit Jahren kaum bewohnt. (Bild: PD (Göschenen, 2017))

Häuser wie das Hotel de la Gare (links) oder die alte Jugendherberge werden seit Jahren kaum bewohnt. (Bild: PD (Göschenen, 2017))

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Auf Göschenen kommt nun Einiges zu: Im Jahr 2020 sollen die Bauarbeiten für die zweite Gotthard-Strassenröhre starten. Göschenen wird also nach dem Bau des Bahntunnels im 19. Jahrhundert, dem Bau des Kraftwerks in den Fünfzigerjahren und dem Bau des Strassentunnels in den 1970er-Jahren bereits zum vierten Mal zum Baustellendorf.

Neben grossen Installationsplätzen und Deponien (siehe Box), sind in Göschenen ein Besucherzentrum, eine Kantine, etwa zwanzig Büros sowie Unterkünfte für die Mineure geplant. Denn während der Vortriebsarbeiten werden rund 200 Arbeiter vorübergehend im Urner Oberland leben. Nach dem Durchstich, der für das Jahr 2024 terminiert ist, wird sich ihre Anzahl auf 80 bis 120 Personen reduzieren. 2027 soll der neue Tunnel eröffnet werden und bis 2030 die bestehende Röhre saniert sein.

Mögliche Neubauten sollen auch später genutzt werden

Die Planung für das künftige Baustellendorf läuft auf Hochtouren. Beim Bundesamt für Strassen (Astra) wollen die Zuständigen aber noch nicht zu viel über die geplanten Infrastrukturen preisgeben. «Viel Konkretes lässt sich momentan noch nicht sagen», teilt Astra-Sprecher Michael Müller auf Anfrage mit. Zu viele Entscheide stünden noch offen. Zudem seien noch Gespräche am Laufen, beispielsweise mit Eigentümern. Doch das Astra will bereits in einigen Wochen kommunizieren, wie das Baustellendorf aussehen soll.

Klar ist bis jetzt einzig: Das geplante Besucherzentrum wird im ehemaligen Bahnhofbuffet untergebracht. Das zeigen Recherchen unserer Zeitung. Es soll also kein Info-Pavillon mitten im Dorf aufgestellt werden, wie dies ursprünglich angedacht wurde. Denn gemäss Astra-Sprecher Müller wolle das Astra bestehende Infrastrukturen nutzen – soweit dies möglich sei. Und falls «bauliche Anpassungen» nötig seien, sollen diese so realisiert werden, dass man sie später für andere Zwecke weiterverwenden könne – etwa als Wohnungen.

«Wir dürfen und müssen mitreden»

Auch die Gemeinde Göschenen teilt diese Ansicht. «Bei der Tunnelbaustelle in den Siebzigerjahren wurde die ganze Infrastruktur mitten im Dorf aus dem Boden gestampft – Baracken mit Kantine und Unterkünften», erinnert sich Gemeindeschreiber Walter Baumann. «Zehn Jahre später wurde alles wieder abgerissen. Das wollen wir eigentlich nicht mehr. Denn viel Nachhaltiges blieb für das Dorf unter dem Strich nicht übrig.»

Der Gemeinderat habe sich deshalb bei der Planung für die neue Tunnelbaustelle, die nun schon mehr als zwei Jahre läuft, stark eingebracht. «Wir haben dem Astra beispielsweise diverse Vorschläge präsentiert, wo man was unterbringen könnte», sagt Baumann. «Die Zusammenarbeit mit dem Astra ist sehr intensiv. Wir dürfen mitreden und wir müssen auch mitreden. Denn am Schluss wollen wir nachhaltige Lösungen für unsere Gemeinde erwirken.»

Deshalb schrieben die Oberland-Gemeinden Göschenen, Wassen und Gurtnellen im Mai die Bevölkerung und das lokale Gewerbe an. Diese wurden aufgefordert, sich zu melden, falls sie zuhanden des Astra Unterkünfte oder andere wirtschaftliche Dienstleistungen zur Verfügung stellen könnten. Die Gemeinden haben inzwischen Rückmeldungen erhalten. Doch noch immer können sich die Oberländer bei den Gemeinden melden.

Elsasser hofft auf Sanierung geschichtsträchtiger Häuser

Viele Leute sind überzeugt, dass es in Göschenen genügend Platz für die 200 Tunnelarbeiter gäbe. Denn das Dorf zählte vor fünfzig Jahren rund 1300 Einwohner, heute sind es noch 450 – und dies, obwohl es heute mehr Häuser gibt. Viele Gebäude stehen leer, werden nicht voll genutzt oder dienen nur als Ferienwohnungen. Doch viele von ihnen sind auch in einem schlechten Zustand.

Der Historiker Kilian T. Elsasser, der in Göschenen das alte Schulhaus besitzt und sich auch öffentlich für die Erhaltung der Gotthard-Bergstrecke starkmacht, ist überzeugt: «Die Baustelle ist die Chance für Göschenen.» Statt neue Unterkünfte zu bauen, müsse man nun in die bestehenden Gebäude investieren und diese sanieren. Dabei denkt Elsasser nicht nur an alte Wohnhäuser, sondern auch an die geschichtsträchtigen Gebäude, wie beispielsweise das verlotterte Hotel de la Gare oder den «Löwen», die heute mehr oder weniger leerstehen. «Daran müsste auch die Urner Regierung sowie die Denkmalpflege sein», sagt Elsasser. «Wenn wir schon immer von Nachhaltigkeit und Verdichtung sprechen, dann müssen wir jetzt die Chance packen.»

Zudem soll bis in rund fünfzehn Jahren auch die geplante Gondelbahn Göschenen-Gütsch realisiert werden, mit der das nördliche Tunneldorf Teil der Skiarena Andermatt-Sedrun werden soll. «Wenn wir jetzt für die Tunnelbaustelle Göschenen wieder in Schwung bringen», sagt Elsasser, «dann wäre Göschenen dereinst auch für den Tourismus bereit.»

Baracken sind für das Astra eine «Option»

Dennoch schliesst das Astra Neubauten in Göschenen nicht aus. Unserer Zeitung liegen Informationen vor, wonach das Astra Baracken und Parkplätze hinter dem Dorf entlang der Göscheneralp­strasse plant, unter anderem am Standort des heutigen Strohlagers. Dort sollen allenfalls eine grosse Kantine sowie ein Teil der Unterkünfte untergebracht werden. Mit der Planung sei das bekannte Zürcher Architekturbüro Burkhalter Sumi beauftragt worden.

Das Bundesamt für Strassen dementiert dies nicht, Astra-Sprecher Müller sagt jedoch: «Es laufen noch Gespräche.» Zudem sei alles auf «gutem Weg». Kilian T. Elsasser hat jedenfalls wenig Verständnis für diese «Option», über die man bereits im ganzen Kanton gerüchteweise spricht: «Es kann doch nicht sein, dass man ein Neu-Göschenen baut, während der historische Ort zu einem Ruinendorf verkommt. Nun muss man doch in die alten Gebäude investieren. Sonst verpasst Göschenen eine riesige Chance.»

Mitarbeit: Carmen Epp und Florian Arnold

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