Göschener heissen Fernwärmenetz gut

Das Elektrizitätswerk und die Gemeinde Göschenen wollen in eine neue Fernwärmeleitung investieren. Die Stimmbevölkerung ist diesem Anliegen gefolgt und hat einem 1,14-Millionen-Franken-Kredit zugestimmt. Zwei weitere Kreditbegehren wurden gutgeheissen.

Philipp Zurfluh
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Göschenen soll nachhaltig vom Bau der zweiten Gotthardröhre profitieren. (Bild: Urs Hanhart (7. Juni 2018)

Göschenen soll nachhaltig vom Bau der zweiten Gotthardröhre profitieren. (Bild: Urs Hanhart (7. Juni 2018)

Mit 112 Ja- gegenüber 63 Nein-Stimmen (64 Prozent Zustimmung) hat Göschenen ein Kreditbegehren des Elektrizitätswerks Göschenen (EWG) von 1,14 Millionen Franken für die Erstellung einer Fernwärmeleitung angenommen.

Die Gemeinde im Urner Oberland wird ab 2020 zur Grossbaustelle. Für die Realisierung der zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels rechnet man mit rund sieben Jahren respektive von 2020 bis 2027. Das Bundesamt für Strassen (Astra) legt in Bezug auf den Bau der Röhre grosses Gewicht darauf, dass in Zusammenarbeit mit den lokal und kommunalen Behörden für alle nötigen Installationen und Bauten nachhaltige Lösungen gefunden werden. Alle drei Kreditbegehren, über die gestern abgestimmt wurden, betreffen die Fernwärme Göschenen.

Auch das Ergebnis des zweiten Kreditbegehrens des EWG von 435’000 Franken für die Verlegung von Kabelschutzrohren ist deutlich. 136 Göschener sagen Ja, 34 sind dagegen (80 Prozent Zustimmung).

Das dritte Kreditbegehren des Gemeinderats von 90’000 Franken für die Sanierung der Strasse Winterhalte ist mit 140 Ja-Stimmen und 34 Nein-Stimmen ebenfalls unumstritten (80,5 Prozent Zustimmung).

Gespräche mit den Grundeigentümern waren positiv

Zum ersten Kredit: Neben den Mannschaftsunterkünften möchten Gemeinderat und Verwaltungsrat des EWG mit der neuen Leitung auch das SBB-Stationsgebäude und das dortige nordseitige Infozentrum, die gemeindeeigenen Liegenschaften (Schulhaus/Pfarrhaus, Mehrzweckgebäude und Villa Bergruh) sowie Privatliegenschaften beheizen können.

Die neue Fernwärmeleitung wird vom Fernheizwerk der Heizwerk Gotthard AG unter der SBB-Gleisanlage hindurch bis zur Göscheneralpstrasse verlegt – mit einem Abgang zur Wärmeversorgung des Bahnhofgebäudes. Mit sämtlichen betroffenen Grundeigentümern sind Gespräche betreffend der Durchleitungsrechte geführt worden. «Die Rückmeldungen sind allesamt positiv verlaufen und entsprechende Vereinbarungen liegen vor», schreibt der Gemeinderat in der Abstimmungsbotschaft.

Für die Fernwärmeleitung wird mit Kosten von 1,9 Millionen Franken gerechnet. Das Astra hat eine Beteiligung von 760’000 Franken zugesichert, dass sich die Investitionskosten für das EWG auf 1,14 Millionen Franken belaufen würden.

Kabelschutzrohre werden auf 600 Meter Länge verlegt

Zum zweiten Kredit: Parallel zur Erstellung der Fernwärmeleitung plant das Astra, auf einem rund 600 meterlangen Abschnitt zwischen den Garagen des Kraftwerks Göschenen und der SBB Unterstossung eine Löschwasserleitung und ein Kabelschutzrohr zu verlegen. Das EWG möchte im Zusammenhang mit den entsprechenden Grabenarbeiten Synergien nutzen. Konkret sollen für jetzige und spätere Erschliessungen leere Kabelschutzrohre verlegt werden. Es wird mit Kosten von 435’000 Franken gerechnet.

Strasse Winterhalte wird saniert

Zum dritten Kredit: Der Strassenabschnitt zur Kirche ist an einigen Orten in einem schlechten Zustand.«Da aber der Kabelkanal von der Gotthardstrasse zur Kirche verläuft und die Grabenbreite zirka 1,5 Meter beträgt,macht es Sinn,den Strassenabschnitt ab der Einfahrt in die Gotthardstrasse bis zur Winterhalte 3 gleichzeitig mit dem Bau der Fernwärme auf der ganzen Breite zu sanieren», hält der Gemeinderat in der Botschaft fest. Die Kosten für die Strasseninstandstellung im Bereich der Werkleitungsgräben werden durch die mitbeteiligten Werke übernommen. Durch die Strasseninstandstellung ausserhalb des Werkleitungsbereichs entstehen für die Gemeinde Kosten von 90’000 Franken.

Bald soll ein Gewinn erwirtschaftet werden

Sagt die Bevölkerung am 19. Mai Ja zu den drei Kreditbegehren, wird im Sommer 2019 das Bewilligungsverfahren durchgeführt. Die ersten Vorbereitungsarbeiten sollen 2019 erfolgen, der Beginn des Leitungsbaus im Siedlungsgebiet Ausserdorf, Winterhalte und Breiti im Jahr 2020. Läuft alles nach Plan, dürfte das Fernwärmenetz Göschenen im Sommerhalbjahr 2021 fertiggestellt sein. Die Verantwortlichen der Gemeinde und des EWG sind überzeugt, «dass in absehbarer Zeit ein Gewinn erwirtschaftet werden kann.»