GÖSCHENERALP: Vertriebene erzählen vom herben Verlust

Ein junger Lehrer forschte in seiner Familiengeschichte. Dies führte ihn zu ehemaligen Göschenerälplern. Entstanden ist ein nachhaltiges Zeitdokument des Tals.

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Wo einst ein kleines Dörfchen stand, ist heute ein grosser Stausee. (Bild pd)

Wo einst ein kleines Dörfchen stand, ist heute ein grosser Stausee. (Bild pd)

Göschenerälpler, die dem Stausee weichen mussten, sind heute zwischen 65 und 85 Jahre alt. Sie stehen immer noch, auch über 50 Jahre nach dem Bau, in engem Kontakt zueinander und treffen sich regelmässig. Sie führen eine Liste, wer aus dem «versunkenen Dorf» noch lebt. «Deshalb war es für mich relativ einfach, nach ?Überlebenden? zu suchen», sagt Martin Steiner.

Fotos und eine CD mit Ausschnitten aus den Gesprächen
Steiner unterhielt sich mit Personen in der ganzen Zentralschweiz, die vor dem Bau des Stausees in der Göscheneralp gelebt haben. Diese Gespräche zeichnete er mit einem Aufnahmegerät auf. Nun präsentiert Steiner die Fotos und Tonaufnahmen in einer Ausstellung, und er veröffentlicht einen Bildband dazu. In «Alte Göscheneralp» zeigt er auf 140 Seiten den damaligen Alltag mit eindrücklichen Fotos auf. «Das Buch soll keine Chronik sein, sondern eine Erinnerung an das verschwundene Dorf.» Im Buchdeckel befindet sich zudem eine CD mit Ausschnitten aus den Gesprächen, die er mit den Zeitzeugen geführt hatte.

«Das bin ich diesen Leuten schuldig»
«Ursprünglich wollte ich das Projekt nur für mich machen», sagt Steiner. «Ich wollte mehr über meine eigene Geschichte erfahren.» Steiners Mutter kam in der Göscheneralp zur Welt und musste als fünfjähriges Mädchen das Tal wegen des Stauprojekts verlassen. «Leider konnte ich sie nicht mehr fragen, wie die Leute damals mit dem Verlust ihrer Heimat umgegangen sind», sagt er. Steiners Mutter starb, als er sechs Jahre alt war.

Er war überrascht, wie offen die Leute ihm gegenüber waren. «Sicher lag es auch daran, dass alle meine Mutter und meine Grosseltern aus der Göscheneralp noch kannten», glaubt Steiner. Immer wieder versuchten sie ihn zu überreden, die Arbeit einem grösseren Publikum zu zeigen. Auch in seinem Kollegenkreis stiess Steiner damit auf Interesse. Produzent Adrian Strebel, ein Freund von Steiner, überredete ihn schliesslich zur Veröffentlichung und brachte konkrete Ideen ein. Rafael Baier untermalte die CD mit seiner Musik. Steiner sagt: «Ich musste die Arbeit veröffentlichen. Dies war ich diesen Leuten schuldig.»

Elias Bricker

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Urner Zeitung.