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GOLF: Michelle Gisin: «Jeder Schlag ist eine Herausforderung»

Viele Spitzenathleten greifen in ihrer Freizeit zum Golfschläger. Profis aus den Sportarten Ski alpin, Eishockey und Fussball sagen, warum sie fasziniert sind vom Spiel mit dem kleinen weissen Ball.
Die Skifahrer Michelle Gisin (oben) und Patrick Küng (rechts) in Aktion, SRF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber schiebt seine Schläger. (Bilder: Philipp Schmidli (Andermatt, 30.6.2017))

Die Skifahrer Michelle Gisin (oben) und Patrick Küng (rechts) in Aktion, SRF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber schiebt seine Schläger. (Bilder: Philipp Schmidli (Andermatt, 30.6.2017))

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Früher hat Beat Feuz (30) über die Golfspieler geflucht. Das ist kein Sport für mich, dachte sich der Emmentaler Skirennfahrer. Doch beim WM-Abfahrtssieger von St. Moritz hat ein Umdenken stattgefunden. Vor rund fünf Jahren, als er wegen Verletzungen von Physiotherapeut zu Physiotherapeut eilte, entdeckte er die Vorzüge des Golfens. «Ich konnte mental abschalten, den Alltag und die Sorgen vergessen. Ausserdem merkte ich, dass Golf nicht schädlich für den Körper ist.»

Feuz mit dem durchaus passablen Handicap 11 war am Freitag einer von zahlreichen aktiven und ehemaligen Schweizer Skirennfahrern, die an der Swiss-Ski Golf Trophy in Andermatt teilnahmen. Auf dem anspruchsvollen alpinen 18-Loch-Golfplatz, der zum Tourismusresort des ägyptischen Investors Samih Sawiris gehört, zeigten sie ihre besten Schwünge.

Skifahrerin Gisin: «Man lernt sich anders kennen»

Laut einer schwedischen Studie leben Menschen, die regelmässig Golf spielen, im Durchschnitt fünf Jahre länger. Auf einer 18-Loch-Runde ist der Golfer rund vier Stunden unterwegs und verbraucht dabei bis zu 1500 Kalorien; mehr als in zwei Stunden Tennis oder einer Stunde Joggen. Fachleute sehen Golfen als gutes Herz-Kreislauf-Training, als Möglichkeit zum Stressabbau und zur Stärkung des Immunsystems. Das Klischee vom Altherrensport ist seit langem überholt. Auch Spitzenathleten sind fasziniert vom Spiel mit dem kleinen weissen Ball, wie gerade die Skirennfahrer am Freitag bewiesen. Doch warum eigentlich? Die Engelbergerin Michelle Gisin (23), die seit ihrem zehnten Lebensjahr Golf spielt und ebenfalls in Andermatt antrat, sagt: «Auf dem Golfplatz lernt man sich selber anders kennen.» Sie meint damit die emotionale Achterbahnfahrt, die alle Spieler durchlebten. «Jeder Schlag ist eine mentale Herausforderung», sagt die WM-Silbermedaillengewinnerin 2017 in der alpinen Kombination. «Wenn es gut läuft, darf man nicht übermütig werden. Läuft es schlecht, muss man trotzdem locker bleiben.» Gisin (bemerkenswertes Handicap 10) nennt noch einen Pluspunkt: «Golf ist eine regenerative Sportart. Neben dem anstrengenden Training fürs Skifahren wird der Körper nicht zusätzlich belastet.»

Für die Urner Skilegende Bernhard Russi (68), Olympiasieger 1972 und Präsident des Golfklubs Andermatt Realp, ist Golf der «schwierigste Sport» überhaupt. Auch weil man vor und nach jedem Schlag viel Zeit zum Grübeln habe.

Nicht nur bei den Skirennfahrern ist Golf eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Auch die Eishockey-Profis des EV Zug schwören auf das Ballspiel. Rund zehn Spieler stehen in den Sommermonaten auf dem Green. Einer von ihnen ist Verteidiger Robin Grossmann. Der 29-Jährige ist gemeinsam mit Teamkollegen durchschnittlich zehnmal pro Jahr auf Golfplätzen anzutreffen. Er bestreitet einige Wettkämpfe, darunter das Turnier eines EVZ-Unterstützungsvereins. Grossmann sagt: «Neben dem Training in der Eishalle und im Kraftraum ist Golf ein guter Ausgleich. An traumhaft schönen Orten kann man die Gedanken schweifen lassen und die Natur geniessen.» Golf sei variantenreich, man müsse diverse Schläge beherrschen. Zudem sei es ein gutes Konzentrationstraining. Grossmann zieht Parallelen zum Eishockey: «Ähnlich wie nach einem Einsatz auf dem Eis kann man sich nach einem Schlag kurz erholen, bevor die Konzentration für den nächsten Einsatz wieder hochgefahren wird.»

FCL-Profi Schneuwly: «Sehr gutes Mentaltraining»

Christian Schneuwly sieht es ähnlich. Golfen sei «aktive Regeneration» und «sehr gutes Mentaltraining», sagt der Mittelfeldspieler des FC Luzern. «Man darf nach einem Fehlschlag den Fokus nicht verlieren. Wie in anderen Sportarten hängt vieles von der Einstellung im Kopf ab. Aber es braucht auch eine gewisse Lockerheit, Lachen ist erlaubt.» Christian Schneuwly, Handicap 14,5, spielt seit rund zehn Jahren Golf. Zu seinen Sparringpartnern gehört unter anderen FCL-Torhüter David Zibung und Bruder Marco, der neu für den FC Sion stürmt. Meist wird dabei um ein Getränk gespielt. Schneuwly, der 18-Loch-Plätze bevorzugt, gefallen insbesondere die vielen Facetten des Golfsports. «Jeder Platz ist anders. Es ist fast unmöglich, fehlerlos zu spielen. Das stachelt meinen Ehrgeiz an», sagt der 29-jährige Profifussballer. Und er betont: «Ich würde Golfen als Ausgleich vermissen.» Das hat auch Skirennfahrer Beat Feuz längst erkannt.

Skirennfahrerin Michelle Gisin beim Golfen auf dem Golfplatz Andermatt. (Bild: Philipp Schmidli (Andermatt, 30. Juni 2017))

Skirennfahrerin Michelle Gisin beim Golfen auf dem Golfplatz Andermatt. (Bild: Philipp Schmidli (Andermatt, 30. Juni 2017))

SRF Moderator Rainer Maria Salzgeber beim Golfen auf dem Golfplatz Andermatt. (Bild: Philipp Schmidli (Andermatt, 30. Juni 2017))

SRF Moderator Rainer Maria Salzgeber beim Golfen auf dem Golfplatz Andermatt. (Bild: Philipp Schmidli (Andermatt, 30. Juni 2017))

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