GOTTHARD: Die Museums-Festung bleibt zu oft leer

Die Themenwelt Sasso San Gottardo braucht mehr Besucher. Nun haben die Betreiber das Marketing verstärkt. Grosse Hoffnungen setzen sie in die Schulen.

Sven Aregger
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Staunen und Lernen in der Gotthardfestung: Ein Blick in die Themenwelt Sasso San Gottardo, wo sich Besucher über die Herausforderungen im Umgang mit unseren Ressourcen informieren können. (Bild: Keystone/Gaetan Bally; Karl Mathis)

Staunen und Lernen in der Gotthardfestung: Ein Blick in die Themenwelt Sasso San Gottardo, wo sich Besucher über die Herausforderungen im Umgang mit unseren Ressourcen informieren können. (Bild: Keystone/Gaetan Bally; Karl Mathis)

Während des Zweiten Weltkriegs war sie streng geheim, jetzt soll sie weitherum bekannt werden: die ehemalige Festung Sasso da Pigna auf dem Gotthardpass. Seit August 2012 beherbergt die alte Armeeanlage, die einst der Abwehr eines italienischen Angriffs dienen sollte, die aufwendig gestaltete Themenwelt Sasso San Gottardo (siehe Box). Doch der grosse Besucheransturm blieb bisher aus. Im ersten vollen Betriebsjahr 2013 wurden 12 500 Gäste verzeichnet. «Das sind bedeutend weniger, als wir angestrebt haben», sagt Alfred Markwalder, Präsident der Stiftung Sasso San Gottardo. Längerfristig soll die Themenwelt selbsttragend sein. Dafür braucht es rund 35'000 Eintritte pro Jahr. Die Betreiber von Sasso San Gottardo rührten deshalb vor der soeben begonnenen Saison die Werbetrommeln. «Mit der Marketingoffensive wollen wir die Ausstellung bekannter machen und uns schrittweise den erforderlichen Gästezahlen nähern», sagt Markwalder. Er hofft auf 15'000 bis 20'000 Besucher in dieser Saison.

Attraktiver für Schüler

Die Werbestrategie ist mehrgleisig. Einerseits will die Themenwelt vermehrt in der Öffentlichkeit präsent sein – mit Artikeln in Printmedien und speziellen Veranstaltungen. Anderseits sucht sie die Zusammenarbeit mit Firmen, Institutionen und Organisationen. So kooperiert Sasso San Gottardo nun eng mit der Pädagogischen Hochschule Luzern. Die Hochschule erstellt derzeit ein Konzept, das aufzeigen soll, wie die Themenwelt für Schüler attraktiver wird. Geplant sind unter anderem Lehrmittel, die sich besonders für Schulreisen und Lager eignen. «Davon versprechen wir uns viel», sagt Markwalder. Neu mit dabei ist auch ein grosses Car-Unternehmen aus dem Aargau. Es bringt dieses Jahr rund 1000 Besucher zur Festung. Eine weitere Zusammenarbeit erfolgt in der Gastronomie: Dank der Zusammenarbeit mit dem nahe gelegenen Gotthardhospiz kann den Themenwelt-Gästen nun eine kleine Menü-Auswahl angeboten werden. Zudem erhofft man sich Impulse von der Expo 2015 in Mailand, die sich wie Sasso San Gottardo ebenfalls mit dem Thema Wasser befasst. «Wir denken weitsichtig und wissen, dass wir Zeit brauchen, bis alle Massnahmen greifen», so Markwalder.

Für den Betrieb sind heuer 650'000 Franken budgetiert. Er soll vollumfänglich über die Eintritte und Sponsoring finanziert werden. Markwalder geht davon aus, dass keine Finanzierungslücken entstehen. In der vergangenen Saison war das noch anders. Damals leistete der Bund einen einmaligen Beitrag aus der Neuen Regionalpolitik, um das Defizit zu decken.

Gold sorgt für neuen Glanz

Für frischen Wind in der Themenwelt soll auch die neue Ausstellung sorgen. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Gold – von den Schürfungen über die Verarbeitung bis zum Handel. Die Ausstellung ist eng verknüpft mit der Region. Im Tessin stehen mehrere Goldraffinerien, die zu den grössten Europas gehören. «Wir wollen jedes Jahr etwas Neues bieten, um auch Leute anzulocken, welche die Themenwelt schon gesehen haben», betont Markwalder.

Kehren die Kristalle zurück?

Die Goldausstellung ersetzt den zweiten Riesenkristallfund vom Planggen­stock. Die Kristalle sind aus der Festung geräumt worden, weil weder eine Miete noch ein Kauf zu Stande kamen. Damit fehlt der Themenwelt ein Publikumsmagnet. Das weiss auch Alfred Markwalder. «Wir möchten die Kristalle gern weiterhin zeigen und stehen in engem Kontakt mit den Findern.» Franz von Arx, einer der Strahler, ist grundsätzlich bereit, die Kristalle künftig wieder auf dem Gotthard zu präsentieren. «Wir möchten, dass die Öffentlichkeit diesen einzigartigen Schatz bestaunen kann», sagt von Arx. Er betont aber auch, dass der Fund mit grossem körperlichem und finanziellem Aufwand verbunden war. «Diesem Aufwand sollen künftige Mieter oder Käufer gerecht werden.»

Millionenprojekt auf der Passhöhe

Themenwelt ars. In der Themenwelt Sasso San Gottardo erfahren die Besucher Wissenswertes zu Wasser, Klima, Energie, Mobilität, Lebensraum und Sicherheit. Sie befindet sich auf der Passhöhe, nur 5 Minuten zu Fuss vom Gotthardhospiz entfernt. Das 12,7 Millionen Franken teure Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung von Wirtschaftspartnern, Stiftungen und der öffentlichen Hand realisiert. Der Kanton Uri beteiligte sich mit 650'000 Franken.

Teil eines Programms

Die Themenwelt, die von der Stiftung Sasso San Gottardo getragen wird, ist dem Progetto San Gottardo angegliedert – einem Gemeinschaftsprojekt der Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden. Ziel ist es, den Gotthardraum zu einer einzigartigen Schweizer Destination zu entwickeln. Der Bund unterstützt das Projekt im Rahmen seiner Neuen Regionalpolitik.

Für den Besuch der Themenwelt müssen rund 90 Minuten eingerechnet werden und weitere 90 Minuten für die historische Festung. Neu sind auch Kurzbesichtigungen zu einem reduzierten Preis möglich.

Hinweis
Öffnungszeiten und Eintrittspreise: www.sasso-sangottardo.ch