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GOTTHARD: «Dieser Entscheid unterläuft die Neat»

Bei der Urner Regierung bedauert man das Ja des Ständerats zur zweiten Röhre. Baudirektor Markus Züst zählt nun auf die Hilfe des Volkes.
Interview Sasa Rasic
Der Urner Baudirektor Markus Züst. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Der Urner Baudirektor Markus Züst. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Wie bewerten Sie das Ja des Ständerats zur zweiten Gotthardröhre?

Markus Züst*: Der Entscheid hat mich nicht überrascht. Bereits bei den Diskussionen in der letzten Debatte hat er sich abgezeichnet. Der Entschluss des Ständerats ist aus Sicht der Mehrheit der Urner Bevölkerung falsch. Die Idee entspricht nicht der bisherigen umsichtigen nationalen Verkehrs- und Verlagerungspolitik.

Wie meinen Sie das genau?

Züst: Bereits bevor das sehr teure Neat-Projekt in Betrieb ist, setzt man schon wieder auf die Strasse. Verkehrspolitisch ist es ein schlechter Entscheid. Die bisherige Politik der Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene ist in Gefahr, der Entscheid unterläuft aber auch die Wirtschaftlichkeit der Neat. Eine sehr verwirrende Botschaft. Wie sollen beispielsweise die verladenden Unternehmer jetzt handeln? Setzen sie längerfristig auf die Strasse oder die Schiene? Es macht keinen Sinn, die Neat durch eine neue milliardenschwere Parallelinfrastruktur zu konkurrenzieren.

Was sind die konkreten Ängste der Urner Bevölkerung?

Züst: Es wird behauptet, dass die Verlagerung durch den Entscheid nicht tangiert wird, da das Gesetz eine höhere Kapazität verbiete. Aber in Uri besteht die Angst, dass der Druck von Europa und auch sonst – zum Beispiel bei den grossen Osterstaus – in Zukunft derart gross werden wird, dass kurz- oder mittelfristig nicht nur zwei, sondern vier Spuren durch den Gotthard geöffnet werden. Wenn einmal vier Spuren gebaut sind, ist eine nochmalige Abstimmung einfach zu gewinnen, weil man dann nicht mehr gross investieren muss, sondern einfach die Barrieren öffnen kann.

Was wären die konkreten Auswirkungen einer derartigen Entwicklung?

Züst: Eine massive Verkehrszunahme ist vorprogrammiert. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene wäre stark gefährdet. Die Neat würde geschwächt. Das alles würde Mehrverkehr für Uri, aber auch für die ganze Zentralschweiz auf der Strasse bedeuten. Die Umweltbelastung in unserem engen gebirgigen Tal würde stark zunehmen. Wir hoffen, dass die übrige Schweiz unsere Ängste versteht.

Glauben Sie, der Nationalrat wird auch für die zweite Röhre stimmen?

Züst: Wenn ich die Mehrheitsverhältnisse anschaue, ja. Einen Umschwung könnte nur eine vertiefte Debatte über bisher zu wenig beachtete Aspekte bringen, etwa die Kostenfrage. Der zweite Tunnel soll ja teurer werden als bisher angenommen. Ich verweise auf die neusten Gutachten. Die Variante Sanierung mit einem guten Verladekonzept wäre günstiger und auch wirtschaftlich und verkehrsmässig verträglich. Diese Sanierungsvariante wurde nicht fertiggedacht. Der Schweizer Bevölkerung wird so keine echte Alternative aufgezeigt.

Sie hoffen also auf das Referendum?

Züst: Wir haben auf die Volksabstimmung gesetzt. Die Urnengänge in den letzten Jahren machen Hoffnung, dass die Bevölkerung an der bisherigen Verkehrs- und Verlagerungspolitik festhält. Es wurde derart viel Geld in die Neat investiert. Die erhoffte Wirkung der Neat wird gefährdet – sie droht zu floppen. Das kann sich die Schweiz nicht leisten.

Die Zentralschweizer Kantonsregierungen sprechen sich für eine zweite Röhre aus. Einzig die Stadt Luzern scheint Vorbehalte zu haben. Fühlen sich die Urner mit ihrem Anliegen alleingelassen?

Züst: Hie und da schon. Aber die vielen positiven Rückmeldungen, vor allem nach der letzten «Arena» des Schweizer Fernsehens, lassen hoffen. Viele haben Verständnis für die Position von Uri gezeigt und haben auch Bedenken, dass es zu Mehrverkehr kommt. Wir sind allerdings auch nicht alleine. Es sind einige Kantone gegen eine zweite Röhre, unter anderem Bern, Basel und mehrere Westschweizer Kantone. Wenn die Mittel für die Strasse durch den Bau einer zweiten Röhre knapp werden und einige Regionen ihre Strassenprojekte gefährdet sehen, wird sich die Ausgangslage nochmals ändern.

Es ist bekannt, dass auch mit dem Bau der zweiten Röhre der jetzige Tunnel sowieso 140 Tage gesperrt bleiben muss.

Züst: Das haben wir schon x-mal gesagt. Ohne die Verladelösung wird es temporär keine Verbindung zwischen dem Tessin und Uri geben. Das wird viel zu wenig wahrgenommen. Man beisst sich jetzt einfach fest und sagt, dass es die zweite Röhre brauche.

Speziell im Ständerat war ja, dass der Urner CVP-Vertreter Isidor Baumann sich für die zweite Röhre ausgesprochen hat. Was sagen Sie dazu?

Züst: Das will ich nicht kommentieren.

Die Position Uris ist manchmal etwas schwierig nachzuvollziehen. Eine zweite Röhre lehnt man konsequent ab, aber auch gegen den Bau von Verladestationen für die Alternativlösung mit Rollenden Landstrassen hat man etwas. Was gilt nun?

Züst: Unsere Position ist sehr klar. Die Urner Regierung akzeptiert erstens eine Verladestation für Personenwagen in Göschenen. Zweitens akzeptieren wir eine Verladestation für Lastwagen in Erstfeld, nur nicht als einziger Aufstiegsort. Wir fordern einfach noch mindestens eine gleichwertige zusätzliche Aufstiegsmöglichkeit im Raum zwischen Basel und Erstfeld, damit wir nicht alle Lasten alleine tragen müssen. Es wäre wenig sinnvoll, den ganzen Verkehr nach Uri zu bringen und dann zu verladen. Es wäre viel logischer, den Transit von Grenze zu Grenze abzuwickeln und für den Binnenverkehr mehrere Stationen zu suchen.

Wieso stockt die Lösung mit Verladestationen?

Züst: An dieser Lösung wurde einfach nicht weitergearbeitet. Das Astra hat zu der Zeit, als nur die Sanierungsvariante ohne zweite Röhre zur Diskussion stand, ähnliche Lösungen geprüft. Diese wurden aber wegen des Nadelöhrs Axen verworfen. Die verladenen Lastwagen hätten wegen ihrer Höhe nicht durchgepasst. Nun hat das Parlament aber einen durchgehenden 4-Meter-Transitkorridor beschlossen. Damit hat sich die Ausgangslage erheblich geändert, und unser Ansatz ist machbar. Dies bestätigt ein Gutachten, das Uri erstellen liess.

Hinweis

* Markus Züst (62) ist seit 2004 Baudirektor des Kantons Uri. Der SP-Politiker war von 1998 bis 2002 Gemeinde- präsident von Altdorf.

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