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GOTTHARD: Ein Comeback sorgt für viel Aufwind

Ab dem 4. Juni ist das Sasso San Gottardo wieder offen. Das Highlight: Der zweite Jahrhundertfund vom Planggenstock kehrt in den Berg zurück.
Bruno Arnold
Ab dem vierten Juni wird dieser Urner Jahrhundertfund, die grösste je im Alpenraum gefundene Kristiallgruppe, wieder im Sasso San Gottardo zu sehen sein. (Bild: Keystone)

Ab dem vierten Juni wird dieser Urner Jahrhundertfund, die grösste je im Alpenraum gefundene Kristiallgruppe, wieder im Sasso San Gottardo zu sehen sein. (Bild: Keystone)

Seit 2012 ist das Sasso San Gottardo (siehe Box) eine ehemalige Artilleriefestung auf dem Gotthardpass, öffentlich zugänglich. Die Fondazione Sasso San Gottardo ist Initiantin und gleichzeitig Eigentümerin des Museums. Die Stiftung ist überdies für die Ausstellungsinhalte verantwortlich. Am 4. Juni wird das grosse Panzertor für die Saison 2015 geöffnet. Alfred Markwalder, von 1998 bis 2000 Kommandant der Festungsbrigade 23 (Gotthardbrigade) und von 2001 bis Ende Mai 2008 Rüstungschef im VBS, ist Präsident des Stiftungsrats Sasso San Gottardo. Er spricht im Interview über den Reiz des Museums, über Neuerungen, die Rückkehr der Riesenkristalle und die Saison 2015.

Alfred Markwalder, was motiviert Sie persönlich, sich derart für Sasso San Gottardo ins Zeug zu legen?

Alfred Markwalder: Sasso San Gottardo ist ein schweizerisch wertvoller kulturhistorischer Ort, aber auch ein Mittelpunkt der Schweiz als Wasserscheide, als Sprachgrenze, als Wettergrenze, als Kulturort. Während meiner Zeit als Kommandant der damaligen Festungsbrigade 23 wurden die letzten grossen Festungen geschlossen und ausgeräumt. Damit ging ein Stück Geschichte, das im Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, nach fast 60 Jahren zu Ende. Für mich ist der Gotthard ein schweizerisches Kulturgut, das erhalten bleiben muss. Sasso auf dem Gotthardpass ist auch ein Objekt, das helfen soll, diese Bergregion im Rahmen der neuen Regionalpolitik des Bundes zu fördern. Zusätzliche Besucher sollen die Region kennen lernen.

Mit einer alten Artilleriefestung lassen sich doch höchstens einige wenige Schweizer Nostalgiker auf den Gotthardpass locken. Was meinen Sie zu dieser Aussage?

Markwalder: Die Ausstellung im Sasso richtet sich an Alt und Jung, an Schweizer und an Ausländer. Die älteren Besucher werden in die Zeiten der geheimnisumwitterten Gotthardfestung zurückblicken, die Jungen können entdecken, was der Zweite Weltkrieg und die Zeit des Kalten Kriegs militärisch zur Folge hatte. Im Sasso werden Erinnerungen wach. Man kann auch über all das staunen, was die Schweiz zur Verteidigung ihres Landes bis Ende der 1990er-Jahre gebaut und betrieben hat. Sasso San Gottardo ist für mich mehr als nur ein Museum, in dem die militärische Vergangenheit der Festung präsentiert wird.

Sondern auch?

Markwalder: Sasso San Gottardo ist auch eine zeitgemässe Themenwelt für die Bereiche Mobilität und Energie. Die einmalige «Metro del Sasso» überwindet die 80 Meter Höhendifferenz zum historischen Teil der Anlage, von wo ein Stollen ins Freie auf eine spektakuläre Plattform führt. Von dort aus kann man die Aussicht auf die schroffe Bergwelt der Gotthardregion aus einer überraschenden Perspektive geniessen. Je nachdem, in welchem Sasso-Teil man gerade ist, fühlt man sich im Museum oder eben in einer Erlebniswelt. Und ab dem 4. Juni kann man im Sasso San Gottardo auch wieder den zweiten Urner Kristall-Jahrhundertfund bewundern. Den hat Franz von Arx zusammen mit seinem Partner Elio Müller 2008 am Planggenstock in der Göscheneralp gemacht. Es handelt sich dabei um die grösste je im Alpenraum gefundene Kristallgruppe. Diese wertvollen Steine waren übrigens bereits vom Sommer 2012 bis im Herbst 2013 im Sasso San Gottardo ausgestellt.

Was versprechen Sie sich von diesem Comeback?

Markwalder: Die Riesenkristalle werten die Themenwelt natürlich massiv auf und werden bestimmt zu einem absoluten Publikumsmagnet. Davon bin ich 100-prozentig überzeugt.

Wem gehören die Kristalle eigentlich, und wer bezahlt deren Präsentation?

Markwalder: Beim Käufer handelt es sich um eine Person, die nicht genannt werden will. Wir haben mit ihr einen fünfjährigen Leihvertrag abschliessen können. Der Eigentümer stellt uns die Kristalle kostenlos zur Verfügung. Ich kann nur wiederholen, was ich bereits im vergangenen Dezember dieser Zeitung gegenüber gesagt habe: Für die Stiftung ist diese noble Geste wie ein Sechser im Lotto.

Trotz der Kristalle: Kann Sasso San Gottardo überhaupt je rentieren?

Markwalder: Das bleibt sicher unser Ziel. Für 2015 sind bereits sehr viele Gruppenbuchungen erfolgt, und erfreulicherweise gehen fast täglich neue Anfragen ein. Ende April lag der Stand der Anmeldungen bereits etwa auf dem Niveau von Ende Juni 2014. Trotz des feststellbaren Aufschwungs sind wir uns aber bewusst, dass wir immer wieder Neuerungen bringen müssen, damit die Leute ein zweites und drittes Mal kommen.

Worauf führen Sie die positiven Prognosen für 2015 zurück?

Markwalder: Das hat mit unseren vermehrten Marketingaktivitäten und der wachsenden Medienpräsenz zu tun. Zudem beginnt die Mund-zu-Mund-Propaganda für unser erst 2012 eröffnetes Museum zu wirken. Und schliesslich hat die gesteigerte Nachfrage wohl nicht zuletzt mit den Riesenkristallen zu tun. Und sollten wir in diesen Tagen in Glasgow auch noch beim Europäischen Museumspreis «abräumen», wäre dies natürlich zusätzliche Werbung. (Anm. d. Red.: Insgesamt 42 Museen aus 21 Ländern sind von der Jury des European Museum Forum für die Endausscheidung um den prestigeträchtigen «European Museum of the Year Award» nominiert worden.)

Welches sind – neben den Kristallen – die Neuerungen gegenüber 2014?

Markwalder: In der neuen Ausstellung über den Gotthard-Basistunnel der Neat kann der Besucher virtuell in den längsten Eisenbahntunnel der Welt und dessen Entstehung eintauchen. Er kann über neue Möglichkeiten staunen und auch über die Nutzung erneuerbarer Energien nachdenken. Diese Ausstellung ermöglicht also – sozusagen als Kontrapunkt zur vergangenheitsorientierten Festungsgeschichte – einen Blick in neue Dimensionen der Zukunft.

Bruno Arnold

Artilleriefestung und Riesenkristalle

Sasso bar. Die Fondazione Sasso San Gottardo ist die Initiantin und Eigentümerin der Themenwelt Sasso San Gottardo. Sie ist überdies für die Ausstellungsinhalte verantwortlich. Die Stiftung bezweckt einerseits die Transformation des Artilleriewerks in eine zeitgemässe öffentliche Themenwelt für die Bereiche Mobilität, Kristalle sowie Energie. Anderseits will die Stiftung die historisch wertvollen Anlageteile des ehemaligen Artilleriewerks «Sasso da Pigna» erhalten. «Sasso San Gottardo» ist Teil von «Progetto San Gottardo», einem Gemeinschaftsprojekt des Bundes sowie der Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden. Fernziel ist es, den Gotthardraum unter der international zugkräftigen Dachmarke «San Gottardo» und mit einer eigenen Vermarktungsorganisation zu einer einzigartigen Schweizer Destination zu entwickeln. Unterstützt wird das Projekt von diversen Firmen, Stiftungen und Einzelpersonen.

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