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GOTTHARD: Er bezwingt fürs Fernsehen den Gotthard mehrmals

Alois Kempf liebt die alte Zeit. Fürs Fernsehen kann er in die Vergangenheit reisen. Dafür muss er aber drei Wochen Ferien opfern.
Markus Zwyssig
Wisu Kempf ist für seinen harten Einsatz mit der Dampflokomotive über den Gotthard bereit. (Bild SRF)

Wisu Kempf ist für seinen harten Einsatz mit der Dampflokomotive über den Gotthard bereit. (Bild SRF)

Er ist einer, der gerne anpackt: Und das wird ihm die nächsten drei Wochen zugutekommen. Der 56-jährige Alois Kempf aus Altdorf, den alle Wisu nennen, macht im Rahmen von «Schweiz aktuell am Gotthard» mit. Begleitet von der Fernsehkamera, bezwingt er mit vier weiteren Personen das Gotthardmassiv: unter anderem mit Maultieren, einer Postkutsche und einem Dampfzug.

Mit dem Start des Projekts geht für Wisu Kempf ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Bereits bei der Sommerserie über das Gotthelf-Haus Sahlenweidli wäre er gerne dabei gewesen, hat sich aber damals nicht beworben. Jetzt aber hat er sein Glück versucht. Enttäuscht sei er gewesen, als er zuerst eine Absage erhalten habe. «Mindestens am Casting teilzunehmen, das war mein Ziel.» Dann kam aber eine unverhoffte Wende. «Ein Teilnehmer mit demselben Profil hatte abgesagt.» Wisu Kempf durfte doch noch ans Casting. Im 12-Minuten-Lauf musste er seine Fitness beweisen. Überlegtes Handeln war beim Beladen der Maultiere für die lange Reise bis nach Mailand gefragt. Ins Schwitzen kam er beim Kohleschaufeln. Ein paar Tage später erreichte ihn die gute Nachricht. Kempf war dabei.

Keine Vetterliwirtschaft

Wichtig ist für Wisu Kempf, dass er nicht von einer bevorzugten Behandlung profitiert hat. Franziska Dahinden ist Kempfs Lebenspartnerin, Fernsehmoderatorin Sabine Dahinden somit seine «Hobbyschwägerin». Diese macht zwar ebenfalls eine Sommerserie über den Gotthard, hat aber nichts mit «Schweiz aktuell am Gotthard» zu tun.

Von den 45 Personen, die am Casting teilgenommen haben, werden nur fünf am Fernsehen zu sehen sein. «Zuerst waren die Rollen noch doppelt besetzt», sagt Kempf, der von Anfang zum engeren Kreis der Teilnehmer am Sommerprojekt gehört. «Wir haben uns bisher einzig am Fotoshooting gesehen und uns nur wenig unterhalten.» Trotzdem sagt Wisu Kempf: «Wir sind fast eine Familie.» Die Teilnehmer am Sommerprojekt sind zwischen 19 und 72 Jahre alt.

Mit Nagelschuhen unterwegs

Was genau in den drei Wochen alles passiert, weiss Kempf noch nicht. Die Kleider, die sie bei der Probe anziehen mussten, seien «Lumpen» gewesen. An den Füssen trug Kempf 50-jährige sogenannte «Trigünischüäh», also uralte Schuhe mit Nägeln. «Die nahm ich gleich mit», sagt er. «Ich bin damit schon viel gelaufen, zum Beispiel über den Surenenpass. Sie passen mir wie angegossen.» Einzig eine Sohle habe er in die Schuhe gelegt, damit die Nägel nicht mehr zu spüren seien. Gespannt ist Kempf auch auf das Essen. «Wahrscheinlich essen wir viel Trockenfleisch», mutmasst er. Das Schneiden wird aber nicht einfach. «Damals gab es noch kein Victorinox-Messer.» Das Thema Gotthard bringt Kempf einen Heimvorteil. «Ich kenne den Kanton Uri bestens, von Sisikon bis Realp, von der Göscheneralp bis ins Schächental.» Kempf will den Fernsehzuschauern unterwegs die Schönheiten des Kantons Uri zeigen. «Als Teilnehmer möchte ich auch ein wenig Werbung für meinen Heimatkanton machen», sagt er.

Kempf ist gelernter Plattenleger und Maurer-Vorarbeiter. Er arbeitet heute hauptsächlich als Plattenleger und Allrounder bei seinem Bruder Franz Kempf im Gipsergeschäft. In seiner Freizeit ist Kempf leidenschaftlicher Fischer und Jäger. Er singt im Jodlerklub Seerose und spielt Theater bei der Musikbühne Uri. Ende Jahr wird «Drei Nüsse für Aschenbrödel» aufgeführt. Kempf ist geschieden und hat vier erwachsene Kinder.

Harte Arbeit in den Ferien

Wisu Kempf hat keine Angst vor der harten Arbeit bei der Dampfbahn. «Ich bin gespannt, wie lange wir Kohle schaufeln müssen», sagt er. Den Umgang mit der Schaufel jedenfalls fürchtet er nicht. Er kennt das einfache Leben, denn er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Und heute noch hilft er seinem Bruder, der mit seinen Kühen im Sommer auf die Alp zieht, oder bei andern anfallenden Arbeiten, wenn er gebraucht wird. «Eine gewisse körperliche Ausdauer habe ich schon», sagt Kempf. Um beim Sommerprojekt des Fernsehens dabei zu sein, nimmt er drei Wochen Ferien. «Das lohnt sich für mich aber 100-prozentig», sagt Kempf. «Denn das wird eine einmalige Sache», ist er überzeugt.

Respekt vor der Vergangenheit

«Die Menschen haben früher grosse Leistungen vollbracht», sagt Wisu Kempf. Er habe grossen Respekt. Gerne blättert er in alten Büchern. Die Zeit der Säumer und Tunnelbauer interessiere ihn. «Sie hatten zwar damals sicher nicht so viel Stress wie wir heute, aber sie hatten auch nur sehr wenig, mussten bescheiden auskommen.»

Wisu Kempf ist aber trotzdem froh, dass er in der heutigen Zeit lebt. Denn er weiss die Annehmlichkeiten des modernen Lebens zu schätzen. Für ihn gibt es einen klaren Unterschied: «Die Menschen früher mussten so leben, ich will es auch einmal ausprobieren.»

Markus Zwyssig

Hinweis

«Schweiz aktuell am Gotthard» ist vom 18. Juli bis 5. August werktags um 19 Uhr auf SRF 1 zu sehen.

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