GOTTHARD: Gotthard: Kampf um Stimmen beginnt

Mit dem Entscheid des Nationalrats sind die Urner unterschiedlich zufrieden. Das Lager der Gegner wird alles daransetzen, ein Referendum durchzubringen.

Florian Arnold
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Die Meinungen zum Bau einer zweiten Gotthardröhre 
gehen in Uri auseinander. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Meinungen zum Bau einer zweiten Gotthardröhre gehen in Uri auseinander. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die FDP Uri freut sich über das Ja zur zweiten Gotthardröhre des Nationalrats vom vergangenen Mittwoch. Auch die Urner Vertreterin Gabi Huber zählte zum Feld der 109 Ja-Stimmen (74 Nein). Die Fraktionschefin habe sich für das «sinnvolle, nachhaltige, für Uri äusserst wichtige Vorhaben» eingesetzt, heisst es in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung der Kantonalpartei. Überzeugt hätten die Argumente der Sicherheit, der Stärkung des Wirtschaftsraums Uri und die staatspolitische Vernunft, den Kanton Tessin nicht von der übrigen Schweiz abzukoppeln. Der Entscheid des Nationalrats sei vorausschauend.

Rückgrat in emotionaler Debatte

Vor Huber hatte sich bereits Isidor Baumann im Ständerat für den Bau der zweiten Röhre entschieden. «Die FDP Uri dankt den beiden Politikern für ihr Rückgrat in der emotional geführten politischen Auseinandersetzung», schreibt die Partei.

Zusammen mit der FDP freuen sich auch die Mitglieder der Jungen SVP Uri über die grosse Zustimmung im Nationalrat. «Dies ist ein Bekenntnis zur Wirtschaft und zum Gewerbe entlang der Gotthardachse und des Kantons Uri», heisst es in einer Medienmitteilung. «Der Nationalrat lässt sich nicht von der Angstmacherei und den Weltuntergangsprophezeiungen der Alpeninitiative und ihren Anhängern täuschen.»

Die Problematik am Gotthard hatte die Junge SVP mit der Initiative Für einen sicheren Gotthardstrassentunnel und eine starke Urner Volkswirtschaft aufgegriffen. Das Urner Volk hatte sich aber gegen eine entsprechende Standesinitiative ausgesprochen. 56,9 Prozent der Urner Stimmenden sagten 2011 Nein.

Junge SVP wirft «Träumerei» vor

«Für eine starke Wirtschaft und die durchgehende Erreichbarkeit des Kantons Tessin ist es unabdingbar, dass eine ununterbrochene Strassenverbindung besteht», hält die JSVP fest. «Diese kann nur mit einem zweiten Tunnel realisiert werden.» Die Haltung der Gegner bezeichnen die Jungpolitiker als «träumerisch» und «rückwärts gerichtet».

Wie schon im Abstimmungskampf 2011 streicht die JSVP heraus, dass mit einer zweiten Röhre tragische Unfälle verhindert werden könnten. «Es ist leider nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein Unfall mit tödlichem Ausgang erfolgt.» Der Alpenschutzartikel werde auch mit einer zweiten Strassenröhre eingehalten. «Wieso sollte die Schweiz dem Drängen der Europäischen Union nachgeben?», fragt die Partei rhetorisch.

Gegner empört über Rat

Zähneknirschend nimmt das Urner Komitee Nein zur zweiten Röhre am Gotthard das Resultat des Nationalrats entgegen. «Die Nationalräte haben sich gestern einfach über die Köpfe der Urner hinweggesetzt», heisst es in einer Medienmitteilung. Denn bisher hat Uri fünf Mal Nein gesagt. Auch das Schweizer Stimmvolk hat sich bisher immer gegen das Bauvorhaben entschieden. «Doch das ist den Nationalräten egal.» Demokratisch gefällte Volksentscheide seien torpediert worden. «Die gestrige Debatte hat einmal mehr gezeigt, wie wenig sich der Nationalrat um das Wohl der Bergkantone kümmert.»

Für das Komitee ist klar: Jetzt muss das Referendum her. Kommende Woche beginnt die nationale Unterschriftensammlung – auch in Uri. Das Komitee ist zuversichtlich, dass die 50 000 Unterschriften innert kurzer Zeit gefunden werden. Einer Volksabstimmung blickt es gelassen entgegen.

Mit einer zweiten Röhre werde es ausschliesslich Verlierer geben – besonders im Kanton Uri, sagt das Komitee. «Denn eine zweite Röhre führt früher oder später zu mehr Verkehr.» In Flüelen werde ein neues Nadelöhr entstehen. Und auch auf der Axenstrasse und im Seelisbergtunnel nehme der Verkehr zu. «Die Lebensqualität im Kanton Uri würde arg ramponiert.» Zudem werde es mit einer zweiten Röhre nicht weniger Stau auf den beiden Gotthardrampen geben. Die Vorlage des Bundesrates sei nicht glaubwürdig: «Niemand glaubt ernsthaft, dass nur zwei Spuren für den Verkehr freigegeben würden, wenn einmal vier vorhanden sind.»

Die Urner Bevölkerung schlucke seit bald zwanzig Jahren Staub einer Tunnelbaustelle. «Für Uri wäre es deshalb eine absolute Zumutung, wenn der Kanton zehn weitere Jahre eine überflüssige Milliarden-Baustelle erdulden müsste.»

140 Tage gesperrt – auf jeden Fall

Die Sanierung des Tunnels ohne den Bau einer zweiten Röhre komme die Schweiz 3 Milliarden billiger zu stehen, betont das Komitee. Eine zweite Röhre sei zudem nicht vor 2030 gebaut. Eine Vollsperrung von 140 Tagen sei auch beim Bau einer zweiten Röhre vonnöten. «Während dieser Zeit stellt der Bund keinen Transport auf der Schiene zur Verfügung», betont das Komitee. Das wirke sich negativ auf Gewerbe und Tourismus aus. Ausserdem sieht das Komitee mit dem Entscheid das Verlagerungsziel in Gefahr.