GOTTHARD: «Grosse Staus kommen noch»

Mit 7 Kilometern Stauspitze hielt sich das grosse Warten auf der Autobahn vor dem Tunnel in Grenzen. Auf der Kantonsstrasse machten sich Massnahmen bezahlt.

Interview Florian Arnold
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Der Ferienverkehr staute sich am Samstag vor dem Gotthard-Strassentunnel bis auf 7 Kilometer. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Der Ferienverkehr staute sich am Samstag vor dem Gotthard-Strassentunnel bis auf 7 Kilometer. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Mit dem Start der Sommerferien in vielen Kantonen hat auch der Stau vor dem Gotthard wieder eingesetzt. Reto Habermacher, Kommandant der Kantonspolizei Uri, sagt, wie er das Wochenende als Pikettoffizier erlebt hat.

Reto Habermacher, der Ferienbeginn macht die meisten Leute glücklich. Bei Polizisten aber wird er ein mulmiges Gefühl hervorrufen.

Reto Habermacher: Mulmig wäre übertrieben, dafür sind wir zu professionell. Aber man ist gespannt darauf, was kommt, trifft Vorbereitungen und richtet sich auch als Pikettoffizier anders ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Interventionen nötig sind, ist einfach grösser.

Wie haben Sie dieses Wochenende erlebt?

Habermacher: Sehr viel ruhiger, als wir dachten. Nachdem 19 Kantone und einige Bundesländer in Deutschland mit den Ferien begonnen haben, sind wir davon ausgegangen, dass wir den ersten grossen Stau zu bewältigen hätten. Das ist nicht eingetroffen. Am Samstag hatten wir auf der Autobahn 7 Kilometer Stau, am Sonntag 3 Kilometer. Die Fahrzeuge kamen praktisch nie zum kompletten Stillstand, und auch die Kantonsstrasse war immer vernünftig befahrbar.

Wegen einiger Baustellen auf der Kantonsstrasse musste man dieses Jahr ja besonders aufpassen.

Habermacher: Deswegen haben wir zusätzliche Massnahmen getroffen. Der Kreisel in Göschenen wird an den Wochenenden personell von uns besetzt. Die Rotlichtanlage auf den Baustellen bedienen wir von Hand, damit wir Zeit gewinnen. Und in Wassen haben wir auf der Kreuzung einen Verkehrsposten platziert, damit es keinen Rückstau durch das Dorf Wassen gibt. Ausserdem haben das Astra und die Baudirektion gut reagiert und die Baustellen in der Schöllenen über das Wochenende geschlossen, sodass die Strasse wenigstens dann zweispurig befahren werden kann. Aber auch der Hinweis von uns und vom Bund, trotz Stau auf der Autobahn zu bleiben, wurde offensichtlich ernst genommen.

Kam es zu Zwischenfällen während des Wochenendes?

Habermacher: Nein. Es hat uns sehr geholfen, dass es keine Unfälle und kaum Pannen gab. Denn über lange Zeit haben wir sehr hohe Frequenzen erfasst. Am Seelisberg und am Axen wurden pro Stunde bis zu 1500 Fahrzeuge gezählt. Durch den Gotthard bringen wir erfahrungsgemäss maximal 1000. Hätte es einen Unfall oder eine andere Störung gegeben, wäre der Stau um mehrere Kilometer gewachsen und hätte sich nicht so schnell aufgelöst, solange sich die Frequenzen nicht veränderten. Davon wurden wir aber glücklicherweise verschont.

Was erwarten Sie für die kommenden Wochenenden?

Habermacher: Der grosse Verkehr wird wohl noch kommen, denn irgendwann wollen die Leute einfach in den Süden. Wenn es ähnlich abläuft wie in den vergangenen Jahren, gehen wir von bis zu maximal 20 Kilometern Stau auf der Autobahn aus. Dementsprechend wird es dann auch grössere Schwierigkeiten auf der Kantonsstrasse geben.

Auch Polizisten möchten in die Ferien. Kommt man da in Engpässe, wenn gleichzeitig für den Stau mehr Personal gebraucht wird?

Habermacher: In den Hauptreisezeiten gewähren wir unseren Leuten so wenig Ferien wie möglich oder nur für kurze Zeit. Das ist eines der Lose, die der Polizist auf sich nimmt, und ist quasi im Preis inbegriffen. Dessen sind sich unsere Leute aber bewusst.