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GOTTHARD: Kempf: «Uri hat unglaubliches Potenzial im Tourismus»

Wisu Kempf begab sich diesen Sommer auf eine besondere Zeitreise. Dafür nahm er sogar Blasen an den Füssen in Kauf.
Remo Infanger
Wisu Kempf unterwegs als Säumer mit einem Maultier auf der alten Gotthardroute. (Bild SRF)

Wisu Kempf unterwegs als Säumer mit einem Maultier auf der alten Gotthardroute. (Bild SRF)

Es kommt schon mal vor, dass jemand Wisu Kempf auf der Strasse anspricht und mit ihm ein Selfie machen will. «Ich freue mich jedes Mal, wenn mich Leute auf der Strasse erkennen und grüssen», sagt der 56-jährige Altdorfer. Ihn kennt man mittlerweile weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Diesen Sommer hat sich Kempf drei Wochen lang im Rahmen des SRF-Projekts «Schweiz aktuell am Gotthard» auf eine Zeitreise am sagenumwobenen Massiv begeben. Zusammen mit seinen vier Mitabenteurern Thomas Carenini aus dem Tessin, Katharine Müller aus dem Wallis, Anna von Wyl aus dem Bündnerland und der Aargauerin Marlies Longatti wollte er die Veränderung der Mobilität am Gotthard seit dem 17. Jahrhundert hautnah miterleben.

Den Einsatz nicht bereut

Der gelernte Plattenleger und Maurervorarbeiter Wisu Kempf wollte seine Zeit während des SRF-Reiseexperiments auch unbedingt geniessen können und dabei etwas erleben. Schliesslich opferte er dafür drei Wochen Ferien. Kempf hat es nie bereut, mitgemacht zu haben. Im Gegenteil: «Ich würde mich, ohne zu zögern, wieder auf so ein Abenteuer einlassen», sagt Kempf.

Irgendwie habe alles gepasst. «Wir hatten unglaubliches Wetterglück, die Zusammenarbeit mit dem SRF-Team hat Spass gemacht, und mit meinen vier Mitprotagonisten hab ich mich bestens verstanden. Wir zogen alle am selben Strick, und die Aufgaben haben uns zusammengeschweisst.»

Er habe sich voll entfalten können und sich so zeigen dürfen, wie er wirklich sei, sagt der Altdorfer sichtlich begeistert. Ihm war es ein besonderes Anliegen, dass er nicht einen auswendig gelernten Text vor der Kamera wiedergeben muss. Er wollte sich als waschechten Urner präsentieren, so wie er eben ist. «Entweder war das Ding dann im Kasten oder nicht», so Kempf. Szenen ein zweites Mal nachdrehen habe das SRF kaum müssen. Einzig am ersten Arbeitstag kam es zu einem amüsanten Zwischenfall. «Ich musste für ein Interview ein Magazin beim Werkhof betreten. Plötzlich unterbrach ein Kameramann die Filmaufnahmen, er müsse das Ganze noch einmal drehen, etwas passe nicht in die nachgestellte Szene.» Der Grund war ein aktueller Kalender aus dem Jahr 2016 im Hintergrund, an dem der Werbeslogan «Rauchfreie Lehre» nicht zu übersehen war.

«Das Spannende war, dass wir nie wussten, was als Nächstes kommt.» Klar war einzig, dass das Team auf verschiedene Arten über den Gotthard reisen musste. «Als wir am Montagmorgen in der dritten Woche wieder ans Set gingen und wir die Töffli stehen sahen, fingen meine Augen an zu funkeln. Ich wusste, jetzt gehen wir mit den ‹Pfupferli› über den Pass», kommt Kempf ins Schwärmen. Auch die Fahrt mit der historischen Postkutsche über den Gotthard und auf der Tremola war ein Erlebnis, welches er nie mehr vergessen wird. «Ich hätte echt gerne mal die Zügel selbst in die Hand genommen und das Lied ‹Der letzte Postillon» gesungen, aber man kann eben nicht alles haben.» Als Kontrolleur habe er immerhin eine wichtige Aufgabe wahrgenommen. Es war ein Highlight für Kempf, mit der Postkutsche durch Altdorf vorbei am Telldenkmal und bis nach Flüelen zu fahren.

Sehr eindrücklich war für Wisu Kempf die erste Woche, als die Protagonisten sich auf die Spuren der Säumer begaben. Begleitet von drei vollbepackten Mulis und in alten Kleidern nahmen sie den Weg über den Gotthardpass in Angriff. Doch der einzige Urner in der Gruppe wollte noch einen drauflegen und statt der empfohlenen modernen Wanderschuhe griff er zu uralten Lederschuhen, die mit Nägeln zusammengehalten werden. Ausgerüstet mit Sack und Pack und den «Trigünischüäh» wollte er hautnah miterleben, was die früheren Säumer für Strapazen auf sich nahmen, um über den Pass zu kommen. «Ich wollte unbedingt alles genau so machen, wie es die damaligen Gotthard­überquerer machten, und dazu gehörten eben diese Nagelschuhe», so Kempf. «Ich wollte es auf diese Weise erleben – zu Ehren unserer Vorfahren». Trotz riesigem Willen und Blasen an den Füssen waren die «Trigünischüäh» nach vier Tagen und hundert Kilometern defekt. Kempf zog seine normalen Trekking-Schuhe an und glaubte, im siebten Himmel zu gehen. «Nach solchen Erfahrungen lernt man, alltägliche Dinge in unserer heutigen Zeit wieder zu schätzen.»

Uri den Zuschauern näherbringen

Wisu Kempf war es als Urner ein Anliegen, während des SRF-Projekts seinen Heimatkanton im besten Licht zu präsentieren. «Wir haben wunderschöne, teils kaum bekannte Flecken in unserem Kanton, ich wollte einige davon dem Zuschauer näherbringen.» Alois Kempf, der auf einem Bauernhof gross geworden ist und gerne wandern geht, kennt viele schöne Orte: «Der Kanton Uri hat ein unglaubliches Potenzial im Tourismus, das noch zu wenig ausgeschöpft wird.»

Er hofft, dass man doch noch eines Tages die Möglichkeiten in der Vermarktung des alten Säumerwegs entdeckt und diese nutzt. Touristisch, so ist Kempf überzeugt, könnte man aus dem Bergkanton mit dem Gotthardmassiv noch eine Menge rausholen. «Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass der Kanton Uri zusammen mit dem Tessin touristisch einiges an Potenzial ausschöpfen könnte, beispielsweise gerade mit der altehrwürdigen Bergstrecke.»

Remo Infanger

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