GOTTHARD: «Man taucht in eine neue Welt ab»

Ein neues Buch erzählt, wie aus einer Réduit-Festung die Themenwelt Sasso San Gottardo wurde. Diese hat jetzt zudem eine neue, glänzende Ausstellung.

Elias Bricker
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In der alten Gotthardfestung ist eine moderne Themenwelt mit immer wieder wechselnden Inhalten zu entdecken. (Bild Elias Bricker)

In der alten Gotthardfestung ist eine moderne Themenwelt mit immer wieder wechselnden Inhalten zu entdecken. (Bild Elias Bricker)

«Ein Buch über das Innere eines Berges: Da war ich anfänglich ein bisschen skeptisch», sagte Linda Malzacher vom Werd & Weber Verlag auf dem Gotthardpass. «Doch das Resultat lässt sich sehen.» Malzacher präsentierte an einer Pressekonferenz am Mittwoch im Berginnern das Buch «Sasso San Gottardo – Das zweite Leben der Gotthardfestung». Das 110 Seiten umfassende Werk zeigt die Wandlung der Réduit-Festung zur heutigen Themenwelt. Herausgeber des Buches sind die Kuratoren der Ausstellung, Lisa Humbert-Droz und Martin Immenhauser.

Die Festung wurde während des Zweiten Weltkriegs erbaut und war von 1945 bis 1998 in Betrieb. Im Buch erinnert sich Martin Immenhauser, dass schnell klar gewesen sei, dass man das 2,4 Kilometer lange Stollensystem für die Nachwelt erhalten möchte. Die Idee eines gewöhnlichen Festungsmuseums sei aber schnell verworfen worden. Denn die Schweiz hatte bereits damals genug solche Réduit-Museen. «Es waren also Ideen gefragt», schreibt Immenhauser.

Seit 2012 ist das Sasso San Gottardo eine eindrückliche Themenwelt, die neben der militärischen Vergangenheit der Festung auch die Bedeutung des Gotthards als schnellste Verbindung zwischen Nord und Süd sowie als Wasser- und Wetterscheide behandelt. «Hier taucht man in eine andere Welt ab», sagte Kuratorin Lisa Humbert-Droz.

Goldgehört in den Gotthard

Seit Pfingsten sind die Themenwelten für die Besucher an den Wochenenden wieder offen. Die Hauptsaison beginnt aber erst am Samstag, 5. Juli. In jener Kaverne, in der das Publikum im vergangenen Jahr die Riesenkristalle vom Planggenstock bewundern konnte, präsentieren die Kuratoren nun die neue Wechselausstellung «Gold Oro Or». «Diese Ausstellung passt zum Gotthard», sagte Betriebsleiter Urs Kamber. «Denn während Jahrzehnten wurden die Schweizer Goldreserven im Gotthard eingelagert.» Zudem gibt es im Tessin gleich mehrere Goldraffinerien. «Wir möchten den Besuchern jedes Jahr wieder Neues zeigen», ergänzte Kuratorin Lisa Humbert-Droz. «Denn wir wollen auch jenen Leuten etwas bieten, welche die Themenwelten bereits gesehen haben.» Doch man sei gleichwohl bestrebt, die Riesenkristalle zurückzuholen.

Trotz fehlendem Publikumsmagnet sind die Betreiber zuversichtlich, höhere Besucherzahlen als im Vorjahr zu erreichen (siehe «Zentralschweiz am Sonntag» vom 15. Juni). «Ein solches Projekt braucht einfach einige Jahre Anlaufzeit», so Betriebsleiter Kamber.

Hinweis

Die Themenwelt Sasso San Gottardo ist momentan an den Wochenenden von 10.30 bis 15 Uhr offen. Vom 5. Juli bis 31. August ist die Themenwelt täglich offen – ausser jeweils am Dienstag. Vom 1. September bis 19. Oktober wird die Ausstellung dienstags und mittwochs geschlossen sein. Mehr Infos gibt es unter www.sasso-san-gottardo.ch