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GOTTHARD: Meisterstück unserer Demokratie

Ein Kommentar von Chefredaktor Jérôme Martinu zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnel.
Italiens Premierminister Matteo Renzi, Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande im Eröffnungszug unterwegs von Erstfeld nach Bodio. (Bild: Keystone / Gabriele Putzu)

Italiens Premierminister Matteo Renzi, Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande im Eröffnungszug unterwegs von Erstfeld nach Bodio. (Bild: Keystone / Gabriele Putzu)

Der Alpenübergang wird seit Hunderten Jahren begangen, dann befahren und durchbohrt. Ja sogar der Teufel soll in der wilden Schöllenen als Baumeister fungiert haben. Der Gotthard ist ein mythischer Ort. Seit gestern ist der Mythos um ein Kapitel reicher. Die Eröffnung des 57 Kilometer langen Basistunnels ist in der Tat ein historisches Ereignis. Die Röhre zwischen Erstfeld und Bodio ist das neue Herzstück einer europäischen Hochleistungsachse im Personen- und Güterverkehr. Und dank der schnelleren Bahnstrecke rückt unsere Region näher an den siebten Kanton der Zentralschweiz, das Tessin. Das eröffnet hoffentlich auch neue touristische und wirtschaftliche Möglichkeiten.

Der neue Gotthardtunnel ist nicht nur eine Meisterleistung schweizerischer Präzisions- und Ingenieurskunst. Er ist auch ein direktdemokratisches Meisterstück, Ausdruck von Innovationsfreude der Bürgerinnen und Bürger. In den Neat-Volksentscheiden von 1992 und 1998 schickte der Souverän mit Zweidrittelmehrheiten dieses 12 Milliarden Franken schwere Riesenprojekt auf den Weg – ohne Gewissheit, ob sich die angestrebte Verlagerung des Güterverkehrs auch tatsächlich umsetzen lassen würde. Feiern wir also ohne schlechtes Gewissen die Eröffnung des Weltrekord-Tunnels. Und ohne dabei die neun Opfer zu vergessen, die der Bau gefordert hat.

Die Neat-Eröffnung ist auchein europäisches Ereignis. «Die Schweiz ist ein Musterschüler, sowohl in Sachen Finanzierung wie auch im Zeitplan», so das Lob aus Brüssel, im Wissen um die Bedeutung des Tunnels für den Nord-Süd-Transit. Die EU-Spitze glänzte gestern allerdings durch Abwesenheit. Dafür zollten vor Ort die Staatschefs Merkel, Hollande, Renzi und Co. der Schweiz Respekt, übten sich gar – zu Recht – in Selbstkritik. Denn die viel gepriesene Leistungsfähigkeit der Neat ist noch Theorie. Dies so lange, bis die bahntechnischen Zufahrten aus Norden und Süden ausgebaut sind. Da wartet noch viel Arbeit auf Bundesrat und Diplomaten. Sie müssen die von Nachbarstaaten und EU gemachten Versprechungen einfordern, unmissverständlicher denn je. Die Schweiz ist im Vorteil: Sie hat den in den Berg getriebenen Beleg für Zuverlässigkeit in der Hand.


Jérôme Martinu, Chefredaktor

Chefredaktor Jérôme Martinu. (Bild: Manuela Jans-Koch (Neue LZ))

Chefredaktor Jérôme Martinu. (Bild: Manuela Jans-Koch (Neue LZ))

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