Gotthard-Sanierung: Neue Studien präsentiert

Gegner und Befürworter einer zweiten Röhre haben am Dienstag neue Studien präsentiert. Während die Alpeninitiative mit einer Verkehrslärm-Studie für eine Verlagerung der LKWs auf die Bahn warb, bezeichneten Befürworter die «Rollende Landstrasse» als unrealistisch.

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Die bevorstehende Sanierung des Gotthardtunnels sorgt für Debatten. (Bild: Keystone)

Die bevorstehende Sanierung des Gotthardtunnels sorgt für Debatten. (Bild: Keystone)

Die Alpeninitiative widmete am Dienstag eine Medienkonferenz in Giornico dem «Internationalen Tag gegen Lärm» von Mittwoch. Tessiner Mitglieder des Vereins stellten mittels einer Studie dar, wie der alpenquerende Lastwagenverkehr vor allem das Leben in den engeren Tälern beeinträchtige.

Der Lärmpegel im Gebirge habe noch in über ein Kilometer Entfernung von der Strasse denselben Wert wie in der Ebene bei 280 Metern Distanz. Zu spüren bekämen das vor allem die Dörfer der Gotthard-Linie zwischen Erstfeld und Biasca.

Würde allein der LKW-Verkehr auf die Schiene verlagert, könnte der Lärm in der Region um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent gesenkt werden, geht aus der Studie hervor.

Der grösste Effekt, bis 50 Prozent, würde in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 6 Uhr erreicht. Gemäss Alpeninitiative sei dies ein zusätzliches Argument für die vom Bundesrat vorgeschlagene Rollende Landstrasse (RoLa) zur Überbrückung der Gotthard-Sanierung.

Rollende Landstrasse nicht realistisch

Dass eine vollständige Verlagerung des Strassenverkehrs auf die Schiene in der Praxis nicht funktionieren kann, erklärten am Montag die Befürworter einer zweiten Tunnelröhre. Eine vom «Komitee für einen Ausbau des Gotthards» (2tunnel) in Auftrag gegebenen Studie sollte die vom Bundesrat empfohlene Variante für eine RoLa demontieren.

Die vom Bund bis dato veröffentlichten technischen Studien seien lückenhaft und unglaubwürdig, lautete am Montag das Urteil. Dem Komitee «2tunnel» gehören unter anderem Vertreter der Tessiner Industrie- und Handelskammer, mehrere Tessiner Bundesparlamentarier und zahlreiche Gemeindepräsidenten an.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die negativen Auswirkungen einer RoLa auf den Schienen- und Strassenverkehr unterschätzt würden. Das aktuelle Verkehrsaufkommen von rund 3 Millionen Personenwagen und 1,25 Millionen Lastwagen sei nicht zu bewältigen. Tagesspitzenwerte würden die Kapazitäten weit überschreiten. Der Güter- und Personenzugverkehr müsste leiden.

Als nicht gelöst gilt zudem das Problem der LKW-Verladeterminals. Diese seien nur schwer in die ausgewählten Standorte Biasca und Rynächt bei Erstfeld zu integrieren.

Tessiner Umweltgruppen kritisieren Studie

Kritik an der Studie des Komitees 2tunnel gab es vom Tessiner Bündnis «Für eine vertretbare und flüssige Nord-Süd-Achse». Im Namen von Alpeninitiative, VCS, WWF und verschiedene Umweltgruppen wurde kritisiert, dass das Komitee 2tunnel die Probleme, die beim Bau einer zweiten Röhre entstehen, ausblende. Das Bündnis hält die Rollende Landstrasse für machbar, heisst es in einem Communiqué.

Tessiner Regierung fordert zweite Röhre

Die Tessiner Regierung steht auf der Seite des Komitees 2tunnel. Erst vergangene Woche wiederholte der Staatsrat in einem Brief an den Bundesrat seine Forderung nach einer zweiten Röhre. Er schlug bei dieser Gelegenheit vor, die alte Röhre nicht zu sanieren - als Garantie, dass langfristig kein Mehrverkehr generiert werde.

Die Tessiner Regierung wies aber darauf hin, dass zwei Röhren, wenn sie nur einspurig genutzt würden, die Fahrsicherheit erhöhen könnten.

sda