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GOTTHARD: Verladestation könnte Neat ausbremsen

Als Alternative zu einer zweiten Strassenröhre schlägt der Bund einen Verlad vor. Doch dies könnte schwer wiegende Konsequenzen haben.
Florian Arnold
Die Neat im April 2013. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

Die Neat im April 2013. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)

Gibt es Alternativen zu einer zweiten Strassenröhre am Gotthard? Ja, sagt das Bundesamt für Strassen (Astra) und schlägt eine Verladestation für Lastwagen vor. Ein Synthesebericht aus dem Jahr 2012 kommt zum Schluss, dass ein Verlad zwischen dem Rynächt und Biasca «technisch machbar» wäre. Doch macht ein Verlad auf der Strecke der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (Neat) überhaupt Sinn? 2016 soll der Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen werden. Pro Stunde und Richtung werden dann zwei Personen- und fünf Güterzüge verkehren, und das mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 200 km/h. Das sind Tempi, die ein Verladezug niemals erreichen würde. Zum Vergleich: Der Sylt-Shuttle, ein Autozug in Schleswig-Holstein, fährt mit maximal 120 km/h. Am Gotthard ginge es gar noch gemächlicher zu und her: Der Synthesebericht geht von 100 km/h als Höchstgeschwindigkeit aus.

Verladezüge schmälern Kapazität

100 km/h Höchstgeschwindigkeit: Das ergibt eine Reisezeit von 34 Minuten im Tunnel. Ein Neat-Zug benötigt gerade mal die Hälfte. In anderen Worten: Ein Verladezug verursacht 17 Minuten «tote Zeit», in der das Potenzial des Gotthard-Basistunnels nicht ausgeschöpft werden kann.

Doch die langsameren Züge sind nicht das Einzige, das stutzig macht. Ein weiteres Problem wird mit einer vereinfachten Skizze der Situation vor dem Nordportal des Basistunnels sichtbar (siehe Grafik). Wenn der Basistunnel einst fertiggestellt ist, werden zwischen Altdorf und Erstfeld vier Gleise betrieben. Die inneren zwei führen direkt in den Basistunnel. Die äusseren beiden Gleise verbinden Altdorf mit Erstfeld. Hier werden die Regionalzüge und diejenigen der Gotthardroute verkehren. Die vier Gleise sind vor dem Tunnel über mehrere Weichen verbunden.

Um von der im Osten gelegenen Verladestation in Erstfeld aufs Neat-Gleis zu gelangen, müsste jeder Verladezug das Regionalgleis queren, was angesichts einer Länge von 500 Metern und eines Gewichts von 1800 Tonnen nur in langsamem Tempo möglich ist. Die Verladezüge, die vom Tessin her kommen, würden gar zwei Gleise blockieren: das östliche Neat-Gleis und das Regionalgleis.

Alpeninitiative hat Alternative

Um diesen Gleisblockaden zumindest teilweise entgegenzuwirken, schlägt der Verein Alpeninitiative eine Entladestation westlich der Gleise vor. Doch wie sollen die leeren Züge auf die andere Seite zur Verladestation gelangen? Dies könne über die Regionalgleise geschehen, hält die Alpeninitiative in einer Variantenstudie von 2012 fest. Von der Entladestation müssten die Züge zum Wenden zum Bahnhof Erstfeld gebracht werden – und das entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung der Regionalzüge. Die Kapazität der Linie würde so stark beeinträchtigt. Ausserdem dürften die Rangiergleise des Bahnhofs Erstfeld knapp werden.

Warten auf Nationalrat

Die SBB wollten auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag» die beschriebenen Szenarien nicht kommentieren und verweisen auf den laufenden politischen Prozess. Noch muss der Nationalrat zur Sanierung des Gotthard-Strassentunnels Stellung beziehen, nachdem sich der Ständerat für den Bau einer zweiten Röhre ausgesprochen hat. Trotz allem sei eine mögliche Ersatzvariante mit einer Rollenden Landstrasse (RoLa), wie sie der Bundesrat in Betracht zieht, aus Sicht der SBB machbar, sagt Mediensprecherin Lea Meyer.

Zuständig für den Bau einer Rollenden Landstrasse wäre das Astra. Doch die Vorbereitungen beschränken sich auf den Synthesebericht von 2012. «Wir haben vom Bundesrat den Auftrag, die zweite Röhre zu planen», so die Antwort des Astra-Mediensprechers Thomas Rohrbach. Erst wenn die Würfel gegen eine zweite Röhre gefallen sind, würde mit der detaillierten Projektplanung der RoLa begonnen. Der Bund habe aber die verschiedenen Möglichkeiten für einen Lastwagenverlad sorgfältig und umfassend geprüft. «Die Abklärungen haben ergeben, dass eine Kurz-RoLa durch den Gotthard-Basistunnel unter den heute bekannten Voraussetzungen technisch und betrieblich machbar, aber aufwendig und kostspielig ist», sagt Rohrbach. Der Zeitplan wird somit von der Politik abhängen. Je schneller ein Entscheid fällt, desto besser. Denn zwischen 2017 und 2019 wird das seeseitige SBB-Axen­gleis saniert. Wegen der intensiven Bautätigkeit müsste dann auf den Zufahrtsstrecken zum Gotthard-Basistunnel mit weiteren Engpässen gerechnet werden.

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