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GOTTHARD: Wird das Oberland jetzt abgehängt?

Wie es mit der SBB-Bergstrecke weiter geht, ist offen. Der Bund sagt, dass die Strecke weiter betrieben werden soll. Im Urner Oberland macht man sich trotzdem Sorgen.
Matthias Stadler
Die Bahnreisenden würden mit der Bergstrecke eine besondere Sehenswürdigkeit verlieren. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Die Bahnreisenden würden mit der Bergstrecke eine besondere Sehenswürdigkeit verlieren. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Matthias Stadler

Noch fahren die Züge regelmässig durch die Leventina und das Urner Oberland. Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im kommenden Dezember werden diese beiden Regionen aber von der Bildfläche der wichtigen Nord-Süd-Verkehrsachse verschwinden. Ab dann rasen die meisten Züge durch die Neat. Zumindest bis Ende 2017 wird die Gotthard-Bergstrecke aber weiter als Fernverkehr betrieben. Und auch danach wird sie laut dem Bundesamt für Verkehr weiterhin bedient. «Es sind sich alle einig, dass die Bergstrecke weiter betrieben werden sollte», sagt Mediensprecherin Florence Pictet auf Anfrage. Die Frage sei nur, ob mit Regional- oder Fernverkehrszügen.

Die langfristige Zukunft der Strecke ist allerdings weniger sicher (Ausgabe vom 2. Mai). Eine Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe steht unter anderem im Raum, aber es ­könnte auch eine Schliessung der Strecke drohen. Bis 2025 soll analysiert werden, wie sich die Nachfrage entwickelt. Danach sollen verbindliche Beschlüsse zur langfristigen Gestaltung der Bergstrecke erfolgen. Denn: Momentan fahren die SBB auf der Strecke jährlich ein Defizit von 50 Millionen Franken ein.

Ikone könnte verloren gehen

In der Leventina im Tessin sorgen sich die Bewohner, dass ihre Region aufs Abstellgleis gestellt wird. So befürchten sie wirtschaftliche Nachteile und weniger Tourismus. Und auch im Urner Oberland werden die Sorgenfalten grösser. So sagt die Wassner Gemeindepräsidentin Kristin T. Schnider: «Wir machen uns schon Sorgen, wie es hier weitergeht.» Und dies, obwohl keine Züge im Dorf mit der berühmten Kirche halten. So sei denn auch die Zukunft der Gemeinde nicht allein von der Gotthardstrecke abhängig. «Aber ein Erhalt ist für uns wichtig. Wir wünschen uns zum Beispiel mehr Fahrten mit historischen Zügen, auch mit Halt in Wassen», erklärt Schnider. Zudem gehe es nicht nur um den wirtschaftlichen, sondern auch den psychologischen Aspekt: «Es besteht die Gefahr, dass die Kirche von Wassen als Schweizer Ikone verloren und vergessen geht – das wäre nicht nur für Wassen ein Verlust, sondern für die ganze Schweiz.»

Der Gurtneller Gemeindepräsident Karl Walker hofft, dass die Strecke auch für normale Züge offen bleibt. «Dass die Strecke als Weltkulturerbe betrieben wird, ist sicher eine Option. Aber wir müssen schauen, dass wir uns damit nicht mehr verbauen.» Denn es könne sein, dass wegen der restriktiven Regeln der Unesco kaum mehr etwas an der Gleisführung verändert werden könne.

Unvorhersehbare Konsequenzen

Walker setzt sich dafür ein, dass die Strecke erhalten wird, «denn es könnte sonst durchaus geschehen, dass neben der Leventina auch das Urner Oberland wirtschaftlich abgehängt wird». Deswegen gelte es, die Entwicklung genau im Auge zu behalten. Der Gurtneller Gemeindepräsident nennt ein konkretes Beispiel, das durch eine Schliessung der Strecke betroffen wäre: Die Schmelzmetall AG in Gurtnellen mit deren Mitarbeitern. Die Firma hat einen Gleisanschluss an das Bahnnetz, und die SBB beliefern die Kunden mit Material. Eine Schliessung der Bergstrecke hätte konkrete und laut Walker unvorhersehbare Konsequenzen für das Unternehmen und somit auch für Gurtnellen. Das gelte es bei den SBB und beim Bund einzubringen. Walker hat Ideen, wie das am effektivsten umgesetzt werden kann. Er schlägt eine Zusammenarbeit der Urner Gemeinden mit denjenigen in der Leventina sowie dem Kanton Uri und Tessin vor: «Zusammen haben wir eine stärkere Stimme», sagt Walker. Konkret sei aber noch nichts, zuerst müsse die Entwicklung abgewartet werden.

In Göschenen wird die Idee einer regionalen Zusammenarbeit positiv aufgenommen. «Miteinander können wir mehr erreichen», sagt Gemeindepräsident Felix Cavaletti. Es sei auch wichtig, dass sich die Urner Regierung dafür einsetze: «Ich denke, die Politiker im Kanton Uri sind sich einig, dass die Strecke nach wie vor bleiben soll. Dies auch im Hinblick auf das neue Ressort in Andermatt und dem Skigebiet.» Cavaletti gibt sich deswegen vorläufig gelassen. Denn auch die SBB hätten ein Interesse an der Strecke. «Es sieht so aus, als ob die Bergstrecke erhalten bleibt.» Nichtsdestotrotz gelte es, aktiv zu bleiben und für die Gotthard-Bergstrecke zu kämpfen. Cavaletti begrüsst zudem die Idee, die bisherige Linie bei der Unesco für das Weltkulturerbe anzumelden. «Damit würde diese einzigartige Strecke gestärkt.»

Springt die Auto AG Uri ein?

Doch was würde geschehen, wenn die Bundesbahnen die historische Berglinie im Urner Oberland dereinst doch nicht mehr befahren sollten? Wird die Auto AG Uri einspringen? Peter Aregger, Leiter Betrieb der AAGU, zeigt sich offen: «Wenn das ein Thema sein sollte, sind wir gerne bereit und engagieren uns.» Aber momentan stelle sich die Frage nicht. Vorläufig werden die Busse weiterhin im Stundentakt das Urner Oberland rauf und runter fahren.

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