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GOTTHARD: Wunderbares Wandern im Wasserschloss Europas

Vier Kantonsgrenzen, unzählige Naturstrassen und stille Bergseen – eine Reise durch die kontrastreiche Landschaft mitten im Herzen der Schweiz.
Das kürzlich renovierte Gotthard-Hospiz steht auf der Liste des europäischen Kulturerbes. (Bild: Stefanie Nopper / Luzernerzeitung.ch)

Das kürzlich renovierte Gotthard-Hospiz steht auf der Liste des europäischen Kulturerbes. (Bild: Stefanie Nopper / Luzernerzeitung.ch)

Text und Bild Stefanie Nopper


Tiefe Schluchten und imposante Felsblöcke ziehen am Zugfenster vorbei. Als wir in Andermatt aus dem Zug steigen, ist die Vorfreude auf die geplante Wanderung gross. Entlang der vier Quellen von Rhein, Reuss, Ticino und Rhone soll uns der Ausflug führen.

Doch Petrus macht unsere Pläne zunichte. «Wir müssen die Wanderung leider abbrechen», sagt der durchnässte Urner Paul Dubacher, der unserer Reisegruppe an diesem verregneten Donnerstag die erste Etappe des von ihm initiierten Wanderweges zeigen wollte. Dubacher ist im Kanton Uri kein Unbekannter. Viele nennen den Seedorfer auch liebevoll «Wanderwegpapst». So hat der pensionierte Dubacher etwa massgeblich zur Realisierung des Wegs der Schweiz am Vierwaldstättersee beigetragen.

Zurück zum Wetter: Wir machen also kehrt, wärmen uns bei einer heissen Tasse Tee wieder auf und schmieden Schlechtwetterpläne: Statt zu Fuss fahren wir nun mit Postauto und Zug entlang der Strecke des Vier-Quellen-Weges. Dabei kreuzen wir die Kantonsgrenzen zu Uri, Graubünden, zum Tessin und dem Wallis.

Zwischen 5 und 7 Stunden

Die Route führt an die Quellen von vier Flüssen. Von diesen Quellen fliesst das Wasser in alle Himmelsrichtungen. So etwa in die Flüsse Rhein und Reuss, welche in die Nordsee münden. Der Fluss Ticino mündet im Adriatischen Meer und die Rhone im Mittelmeer. Die gesamte Wanderung umfasst 85 Kilometer – aufgeteilt in fünf Etappen. Der Weg ist familienfreundlich. Aber: «Für Kinder unter zehn Jahren ist er nicht empfehlenswert», rät der 70-Jährige. Grund: Die einzelnen Etappen seien für jüngere Kinder zu lang und zu anspruchsvoll. Immerhin umfasst eine Tagesetappe zwischen fünf und sieben Stunden reine Wanderzeit.

Unterwegs erwartet die Wanderinnen und Wanderer eine sehr gegensätzliche Natur – das können wir auch aus dem Busfenster hervorragend beobachten: Das Repertoire reicht von stillen Bergseen über ausgedehnte Feuchtgebiete, sanfte Alpwiesen und alte Säumerpfade. Man begegnet auch Steinmandli, die den Weg säumen.

Paul Dubacher gerät ins Schwärmen: «Die Etappen 1 und 2 sind für mich die schönsten. Sie sind ohne jeglichen Verkehr und man kann die Stille der Natur geniessen.»

Auch als Genusswanderung

Der Vier-Quellen-Weg startet am Oberalppass und endet in Belvédere. Wer nicht den gesamten Weg unter die Füsse nehmen will, kann auch nur einzelne Etappen gehen. «Jede Etappe ist auch als Tagestour möglich», sagt Dubacher. Wer die gesamte Tour macht, kann bei jedem Etappenende entweder in Berghütten direkt am Vier-Quellen-Weg oder in Hotels in den naheliegenden Dörfern übernachten. Wer es gemütlicher mag und kein Gepäck tragen will, kann den Weg auch als «Genusswanderung» buchen (siehe Kasten).

Nachdem wir in Belvédere angekommen sind, machen wir auf der Rückfahrt einen Zwischenstopp im Weiler Zumdorf. Hier im Urner Urserental befindet sich das kleinste Dorf der Schweiz mit nur vier Einwohnern. Nicht zu verwechseln ist Zumdorf mit Corippo, der kleinsten Schweizer Gemeinde, die sich im Verzascatal befindet. Per Postauto fahren wir danach zurück nach Andermatt. Während der Fahrt entlang der steilen Felsschluchten, Staumauern und Moore bekommen wir einen sehr guten Eindruck, wie schön es gewesen wäre, im Gotthardmassiv entlang der vier Quellen die atemberaubende Natur und Stille zu geniessen. Darum: Wir kommen defi­nitiv wieder – und zählen auf die Gunst von Petrus.

Vier Quellen und vier Pässe

Anreise: Mit dem Zug bis nach Andermatt. Anschliessend vom Oberalppass in fünf Tagen nach Belvédère wandern. Alternativ sind unter Hinzunahme des ÖV auch nur einzelne Etappen möglich.

Etappe 1: Oberalppass–Tomasee–Maighelspass–Vermigelhütte

Etappe 2: Maighelshütte/Vermigelhütte–Sellapass–Piz Giübin (Aussichtspunkt)–Sellasee–Gotthardpass

Etappe 3: Gotthardpass–Lucendrosee–Lucendropass–Bedrettotal–Piansecco

Etappe 4: Piansecco-Hütte–Cruina–Nufenenpass–Ägenetal–Ulrichen/Obergesteln/Oberwald

Etappe 5:Ulrichen/Obergesteln/Oberwald–Gletsch–Muttbach–Furkapass–Belvédère

Wanderzeit pro Tag:5 bis 7 Stunden. www.vier-quellen-weg.ch

Beste Reisezeit:Mitte Juni bis Mitte Oktober, abhängig von den Schneeverhältnissen.

Hotels
Andermatt:
Hotel Badus, 140 Franken, www.hotelbadus.ch
Gletsch:Grand Hotel Glacier Du Rhone: ab 65 Franken. www.glacier-du-rhone.ch

Restaurants:Restaurant Rheinquelle in Tschamut: www.rheinquelle.ch, Restaurant Zum Dörfli in Zumdorf: www.zumdoerfli.ch

Highlights: Kristallwelt Sasso San Gottardo, Furka-Dampfbahn, Eisgrotte im Rhonegletscher, Grand Hotel Glacier Du Rhone im Belle-Epoque-Stil.

Genusswanderung: Das Gepäck wird zum nächsten Hotel gefahren. Diese Variante ist mit 509 Franken pro Person etwas teurer als die Übernachtungen in den SAC-Hütten. Die Wanderung hat einen etwas anderen Routenverlauf und dauert nur vier Tage.

www.swisstrails.ch, www.andermatt.ch, www.disentis-sedrun.ch, www.obergoms.ch,
www.bellinzonese-altoticino.ch

Hinweis

Die Reportage entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der die Verantwortlichen des Projektes St. Gotthard eingeladen haben. www.st-gotthard.com

Bild: Quelle: Bundesamt für Landestopografie

Bild: Quelle: Bundesamt für Landestopografie

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