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GOTTHARD: Zweite Röhre soll Strom transportieren

Die Swissgrid will Stromleitungen durch die geplante zweite Röhre bauen. Landschaftsschützer sprechen sich für die Idee aus – und fordern weitere Massnahmen.
Matthias Stadler
Auch diese Hochspannungsleitung am Axen sollte nach Meinung von Umweltschützern in den Boden verlegt werden. (Bild Bruno Arnold)

Auch diese Hochspannungsleitung am Axen sollte nach Meinung von Umweltschützern in den Boden verlegt werden. (Bild Bruno Arnold)

Matthias Stadler

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Doch Stromleitungen, die auf hohen Masten an Hängen liegen oder quer über Alpenpässe führen, werden wohl nur selten als attraktiv bezeichnet. So verhält es sich auch mit den Hochspannungsleitungen, welche seit den 70er-Jahren am Gotthardpass zu begutachten sind. Nachdem das Volk am 28. Februar Ja gesagt hat zur zweiten Röhre am Gotthard, kommt nun eine Idee ins Spiel, diese Leitungen in den neuen Strassentunnel zu verlegen. Dort sollen sie in einem Kabelkanal unter der Strasse durch den Tunnel führen. Entsprechende Überlegungen wurden an einer Informationsveranstaltung am 29. April in Göschenen zur zweiten Röhre von der Grossprojektleiterin des Baus, Valentina Kumpusch, kurz angesprochen.

Unverbindliche Gespräche

Das Bundesamt für Strassen Astra bestätigt auf Anfrage entsprechende Überlegungen: «Im Prinzip steht dem nichts im Wege», sagt Pressesprecher Guido Bielmann. Allerdings würden erst «unverbindliche Gespräche» zwischen dem Bundesamt für Strassen, das den Tunnelbau verantwortet, und der Strombetreiberin Swissgrid stattfinden. Letztere ist die nationale Netzgesellschaft und verantwortet den Betrieb des Schweizer Höchstspannungsnetzes. Wann über die Idee befunden wird, ist laut dem Astra noch offen.

Anlage ist in die Jahre gekommen

Auch die Swissgrid bestätigt die Idee. «Diese Leitung ist in die Jahre gekommen, irgendwann wird sie saniert werden müssen. Doch es ist noch nicht so konkret, als dass wir ein Projekt bestätigen könnten», sagt Pressesprecherin Irene Fischbach. «Doch grundsätzlich begrüssen wir die Bündelung von linearen Infrastrukturen», führt Fischbach weiter aus. Will heissen, dass man etwa den Platz, den man sowieso schon für einen Strassentunnel braucht, auch gleich für das Stromnetz brauchen kann. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die unschönen und unbeliebten Hochspannungsleitungen können abgebaut und «unsichtbar» in den Boden oder in den Sicherheitsstollen verlegt werden. Bereits heute existieren unterhalb von Autobahnen ganze Kabelkanäle, die gar begehbar sind. Derartige Kanäle für Hochspannungsleitungen gibt es bis anhin in der Schweiz aber noch nicht, wie Swissgrid-Sprecherin Fischbach mitteilt.

Da es sich erst um eine Idee handelt, kann die Swissgrid noch keine Angaben zur Finanzierung machen. Doch seien die Kosten für eine Leitung in einem Tunnel wegen der anspruchsvollen Technik «sicher um einiges höher» als für eine freie Anlage, wie diejenige über dem Gotthardpass.

Ähnliches Projekt am Grimsel

Die Idee, dass Hochspannungsleitungen durch Tunnel geführt werden sollen, ist nicht ganz neu. Denn am Grimselpass soll ein ähnliches Projekt durchgeführt werden (Ausgabe vom 13. April). So ist eine Bahnstrecke inklusive 22 Kilometer langem Tunnel zwischen dem bernischen Innertkirchen und der Walliser Gemeinde Oberwald geplant. Unter anderem die Swissgrid treibt das Vorhaben voran, weil sie die Hochspannungsleitungen, welche momentan über den Pass führen, bald erneuern und ausbauen muss. Die Leitung soll anstatt wie früher über den Pass neu in den geplanten Eisenbahntunnel verlegt werden.

Entlastung für die Landschaft

Urner Umweltschützer begrüssen das Vorhaben, die Leitungen am Gotthardpass künftig durch den Berg führen zu lassen. So sagt etwa Pia Tresch, Geschäftsstellenleiterin der Pro Natura Uri: «Kein Stromgespann mehr am Gotthardpass wäre sicher schön und würde die Landschaft entlasten.» Sie fügt aber an, dass die Leitungen von künftigen Kraftwerken im Gotthardgebiet, beispielsweise Windanlagen, ebenfalls in die Erde verlegt werden müssten: «Nur so macht die Übung Sinn.»

Leitungen auch am Axen verlegen

Auch Alf Arnold vom Urner Umweltrat und ehemaliger Geschäftsführer der Alpeninitiative lobt die Idee: «Ich bin erfreut und auch überrascht, dass man überhaupt daran gedacht hat. Diese Idee muss man zwingend angehen.» Deshalb habe der Umweltrat bereits mit dem Urner Amt für Tiefbau gesprochen. Denn bei der Neat sei eine solche Verlegung der Stromleitungen in den Tunnel «aus unerfindlichen Gründen» verpasst worden. Arnold geht noch einen Schritt weiter: «Auch am Axen müssen die Leitungen in die geplanten Tunnel verlegt werden.» Leider sei aber nichts dergleichen geplant.

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