GOTTHARDLINIE: SOB erhält breite Unterstützung

Die Südostbahn diskutiert mit den SBB über Alternativen für die Gotthardstrecke. Das Konzessionsgesuch wird erst eingereicht, wenn die Gespräche keine Annäherung bringen.

Jürg Auf der Maur
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Bei der SOB ist man für die Weiterfahrt gerüstet, wie hier am Bahnhof Goldau. (Bild: Erhard Gick (Goldau, 8. Juli 2016))

Bei der SOB ist man für die Weiterfahrt gerüstet, wie hier am Bahnhof Goldau. (Bild: Erhard Gick (Goldau, 8. Juli 2016))

Jürg Auf der Maur

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Seit der Neat-Basistunnel eröffnet ist, gibt es auch Kritik. Die Erschliessung des Tessins, des Gotthardmassivs oder der Ortschaften im Talkessel von Uri und Schwyz sei nicht mehr optimal. Die Luzerner reklamieren, dass sie häufiger in Goldau umsteigen müssen, Investor Samih Sawiris droht für seine Ferienanlage gar mit einem Fernbusbetrieb, der ab nächstem Jahr ab den grösseren Städten eingerichtet werden soll (siehe unsere Zeitung vom 27. Februar und 1. März). Wer heute beispielsweise von Zürich nach Andermatt will, der muss unter Umständen dreimal (Arth-Goldau, Erstfeld und Göschenen) umsteigen. Das sei zu viel.

Hier könnte die Südostbahn (SOB) in die Bresche springen. Bereits 2016 hat die Schwyzer Staatsbahn ein Konzept vorgelegt, um die alte Gotthardstrecke zu übernehmen. Die Fahrt von Zürich nach Lugano könnte damit ohne Umsteigen ermöglicht werden, wobei auch etwa in Brunnen oder Flüelen zu- und ausgestiegen werden könnte.

Gespräche mit den SBB laufen auf Hochtouren

Bahnbenutzer müssen heute im Neat-Bahnhof Arth-Goldau zusteigen und können frühestens in Erstfeld oder Bellinzona aussteigen. «Wir haben das Konzept vorgestellt, werden dieses aber noch nicht einreichen», erklärt SOB-Direktor Thomas Küchler dem «Boten der Urschweiz» gegenüber. Grund: Noch laufen Gespräche zwischen dem Schwyzer Privatbahnunternehmen und den SBB über eine mögliche Zusammenarbeit.

Der vom Bundesamt für Verkehr (BAV) angeregte runde Tisch zusammen mit der Bern-Lötschberg-Simplonbahn (BLS), den SBB und der SOB ist gescheitert, weil weder die BLS noch die SBB ihre vorher definierten roten Linien überschreiten konnten. «Wir waren bereit, mit den SBB zu zweit weiterzureden. Wir sind offen für Gespräche», so Küchler. Diese laufen noch bis Ende Juni. Je nachdem, ob man sich zu einer engeren Zusammenarbeit findet oder nicht, soll das SOB-Konzessionsgesuch eingereicht werden. Für Küchler ist klar. Die SOB will ihre Geschäftsbasis ausweiten und wachsen. Klar sei auch, dass die Gotthardstrecke allein wohl nicht rentabel betrieben werden könne. Deshalb sieht sein Konzept auch vor, den SOB-Bereich über Zürich hinaus in die Ostschweiz zu verlängern. «Wir brauchen diese zwei Äste, die Ostschweiz und die Gotthardlinie, um am Gotthard auf eine schwarze Null zu kommen», sagt Küchler. Nun bekommen die SOB-Pläne wichtigen Sukkurs: «Die SOB hat ihr Angebot vorgestellt», sagt Peter Zbinden, ehemals oberster Neat-Planer und jetziger Geschäftsführer des einflussreichen Gotthardkomitees. «Aus unserer Sicht ist das ein gutes Konzept, das wir unterstützen. Das würde uns passen.»

13 Kantone sprechen sich für das Konzessionsgesuch aus

Damit sprechen sich 13 Kantone und diverse Wirtschaftsverbände von Basel bis ins Tessin erstmals öffentlich für das SOB-Konzessionsgesuch aus. «Wir haben mit einer aktiven Kommunikation noch zugewartet, weil das Konzept noch nicht eingereicht wurde», begründet Zbinden die Zurückhaltung. Man stimme aber dem Vorhaben zu und habe das sowohl der SOB wie den SBB bereits auch informell mitgeteilt.

Auch im Gotthardkomitee wird die heutige Erschliessung der Gotthardregion und der Leventina als «nicht genügend» bezeichnet. Die im Komitee zusammengeschlossenen Kantone wünschen sich, wie bei der BLS-Linie, stündlich direkte Verbindungen in die Tourismusregionen. «Wenn es eine Zusammenarbeit zwischen SBB und SOB gäbe, die diesen Wunsch erfüllt, wären wir sehr glücklich», sagt Zbinden.