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Grossbrand bei Recycling-Firma Paul Baldini AG in Altdorf verursacht Millionenschaden

Die Werk- und Sporthalle Baldini brannte in der Nacht auf Mittwoch bis auf die Grundmauern ab. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass die Flammen auf benachbarte Gebäude übergriffen. Die Brandursache ist nach wie vor unklar.
Philipp Zurfluh
Die Löscharbeiten bei der Recycling-Firma Baldini (Bild: Urs Flüeler / Keystone, Altdorf, 5. September 2018)

Die Löscharbeiten bei der Recycling-Firma Baldini (Bild: Urs Flüeler / Keystone, Altdorf, 5. September 2018)

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch brannte es lichterloh in einer Recycling-Halle der Paul Baldini AG. Der Brand brach kurz vor 1.30 Uhr aus. Ein Mitarbeiter der SBB Cargo stellte eine starke Rauchentwicklung fest. Umgehend rückten Feuerwehr und Polizei aus. Als sie vor Ort eintrafen, stand die Halle auf einer Länge von 70 Metern in Vollbrand. In der Halle werden vor allem Plastik- und Metallteile gelagert. Die Feuerwehr brachte den Brand schnell unter Kontrolle und verhinderte so ein Übergreifen auf die umliegenden Gebäude. Bei der Brandbekämpfung standen die Feuerwehren Altdorf und Stans, die Chemiewehr Uri und ein Löschzug der SBB mit insgesamt 100 Personen im Einsatz.

Die Recyclinghalle-Halle der Paul Baldini AG in Altdorf steht in Vollbrand (Bild: Leserreporter)

Die Recyclinghalle-Halle der Paul Baldini AG in Altdorf steht in Vollbrand (Bild: Leserreporter)

Laut Augenzeugen hat es auch einen lauten Knall gegeben. Dieser könnte von einer explodierten Gasflasche stammen, die Kantonspolizei Uri konnte dies nicht bestätigen. Die Halle brannte dennoch bis auf die Grundmauern nieder. Zerstört wurde beim Feuer auch eine Sporthalle, die vom HC KTV Altdorf und von Floorball Uri benutzt wird (siehe Box). Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe.

Die gewaltige Rauchsäule zog nordwärts Richtung Urnersee. Am Mittwochmorgen war im Raum Brunnen denn auch prompt ein leichter Rauchgeschmack wahrnehmbar. Zwei Personen aus der Anwohnerschaft wurden wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung zur Kontrolle ins Kantonsspital Uri gebracht. Beide konnten das Spital wieder verlassen. Auch vier polnische Arbeiter, die sich aufgrund der Aufbauarbeiten eines Riesenrades für die «Uri 18» in einem Wohnwagen in unmittelbarer Nähe der Halle befanden, wurden verletzt. Sie mussten wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Kantonsspital Uri eingeliefert werden. Sie sind mittlerweile nicht mehr in Spitalpflege. Am Nachmittag kam es zu Nachlöscharbeiten, wobei letzte Brandherde gelöscht werden konnten.

«Ein riesengrosser Schock»

Zwei Vereine, die das Ereignis vor grosse Probleme stellt, sind der HC KTV Altdorf und Floorball Uri. Vor 13 Jahren haben sie auf dem Areal der Baldini AG das Projekt Trainingssporthalle realisiert. In die Halle, welche sich im oberen Stock befand, wurden rund 1,1 Millionen Franken investiert. Damit die Baukosten möglichst tief gehalten werden konnten, haben Handballer und Unihockeyaner Hunderte freiwillige Einsatzstunden geleistet. Die Halle nutzten die Vereine vor allem für Trainings. Unter der Woche sind die Räumlichkeiten voll ausgelastet.

«Wir sind auf Goodwill angewiesen»


Für Stefan Arnold vom HC KTV Altdorf gab es am Mittwochmorgen ein böses Erwachen. «Frühmorgens wurden mir bereits Fotos des Grossbrandes gesendet, ich konnte es kaum glauben», sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Der Verein werde nun nach Lösungen Ausschau halten müssen. «Wir sind natürlich auf Goodwill von anderen Clubs angewiesen. Wir haben bereits von anderen Vereinen positive Signale empfangen, die Hand bieten möchten.»

Laut Arnold ist der finanzielle Schaden immens: «Wie hoch dieser ist, ist schwer einzuschätzen.» Aber auch der materielle Verlust wiege schwer: «Trainingsmaterialien, Pokale, Korrespondenzen und vieles mehr – alles ist vernichtet.» Arnold war schon vor zwölf Jahren bei der Inbetriebnahme der Halle an vorderster Front treibende Kraft beim Projekt der beiden Vereine. «Nun gehen zirka 50 Prozent unserer Trainingskapazitäten von einem Tag auf den anderen verloren.» Er gibt sich optimistisch, dass die Halle irgendwann wieder für sportliche Aktivitäten benutzt werden kann.

Nicht in Panik verfallen

Auch für Joe Stöckli, Präsident von Floorball Uri, ist das Unglück ein herber Schlag. «Es ist für mich ein riesengrosser Schock und lässt mein Herz bluten», sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Dennoch möchte er auch in diesem schwierigen Moment die Vernunft walten lassen. «Wir dürfen nicht in Panik verfallen und müssen Ruhe bewahren.»
Der Unihockeyverein Floorball Uri hat 480 Mitglieder – davon etwa 380 aktive Mitglieder – und stellt 15 Mannschaften. Die Zerstörung der Halle stellt den Verein vor grosse Probleme. «Wir müssen uns jetzt auf die Suche nach neuen Trainingsmöglichkeiten begeben, das wird viel Zeit in Anspruch nehmen.»

Stöckli hat gestern kurzfristig für den Abend eine Vorstandssitzung einberufen, um mit seinen Vorstandskollegen die Situation zu analysieren. Floorball Uri steht schliesslich kurz vor dem Meisterschaftsstart, da bleibt nur wenig Zeit, um jetzt die nötigen Schritte in die Wege zu leiten.

Philipp Zurfluh

Brandwache ist eingerichtet

Die Stützpunktfeuerwehr Altdorf ist weiterhin vor Ort und richtet eine Brandwache ein. Aufgrund der Einsturzgefahr konnte die Feuerwehr zunächst nicht zu allen Brandherden gelangen. Mit Unterstützung einer schweren Baumaschine wurde nun der obere, holzige Gebäudeteil abgebrochen und damit die Einsturzgefahr beseitigt.

Am Nachmittag kam es zu Nachlöscharbeiten, wobei letzte Brandherde gelöscht werden konnten. Die Stützpunktfeuerwehr Altdorf ist weiterhin vor Ort und wird eine Brandwache einrichten. Aufgrund der Einsturzgefahr konnte die Feuerwehr zunächst nicht zu allen Brandherden gelangen. Mit Unterstützung einer schweren Baumaschine wird nun der obere, holzige Gebäudeteil abgebrochen. Mit diesem Arbeitsschritt kann die Einsturzgefahr beseitigt und der Zugang zu schwer zugänglichen Brandherden ermöglicht werden.

Die Recycling-Halle der Paul Baldini AG in Altdorf brennt. (Bild: Leserreporter)
In der Halle befand sich unter anderem viel Plastik. (Bild: Leserreporter)
Die Recycling-Halle ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. (Bild: Leserreporter)
Die Recyling-Halle wurde ein Raub der Flammen. (Bild: Geri Holdener, Bote der Urschweiz)
Die Feuerwehr hat den Brand schnell unter Kontrolle gebracht. (Bild: Kantonspolizei Uri)
Mit dem Hubretter wurde das Feuer bekämpft. (Bild: Geri Holdener, Bote der Urschweiz)
Die Feuerwehr bekämpft den Brand mit einer Drehleiter (Bild: Leserreporter)
Das Feuer aus der Ferne. (Bild: Leserreporter)
Beim Brand entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe. (Bild: Leserreporter)
Die Halle ist beim Brand stark beschädigt worden (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Die zerstörte Halle (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Mit einem Abbruchbagger werden die letzten Glutnester freigelegt (Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Aufnahmen aus der Luft zeigen das Ausmass der Zerstörung. (Bild: Stefan Simmen)
Aufnahmen aus der Luft zeigen das Ausmass der Zerstörung. (Bild: Stefan Simmen)
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Grossbrand in Recycling-Firma in Altdorf

Ob die Paul Baldini AG heute ihren Betrieb wieder aufnehmen kann, ist ungewiss: «Nun stehen Aufräumarbeiten im Vordergrund. Wir werden die Situation gründlich analysieren», sagt Ivo Baldini, Chef der Baldini AG, auf Anfrage unserer Zeitung. Ans Aufgeben denke er nicht. «Wir führen das Unternehmen weiter.» Ein grosses Lob spricht er den Einsatzkräften aus. «Ohne deren Arbeit wäre es um einiges schlimmer ausgegangen.»

Gewerbeausstellung ist nicht in Gefahr

Die Brandursache ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen, welche die Kantonspolizei Uri mit Unterstützung des Forensischen Instituts Zürich tätigt. Der Schadenplatz liegt in der Nähe des Areals der «Uri 18». Gemäss Aussagen von Yves Herger vom Projektteam der «Uri 18» hat der Grossbrand keine Konsequenzen für die Besucher der heute in unmittelbarer Nähe beginnenden Urner Wirtschafts- und Erlebnismesse. «Die Gewerbeausstellung findet wie geplant statt», so Herger.

Der Brand aus nächster Nähe

Leserreporter filmt Explosion

Die Löscharbeiten bei Tageslicht

Webcam zeigt: Rauch zieht bis nach Brunnen

Am Mittag brennt es immer noch:

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