Grosses Interesse an Denkmaltagen im Kanton Uri

Denkmalpfleger Thomas Brunner zeigte, was die Dorfbilder von Andermatt und Hospental speziell macht.

Elias Bricker
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Rund achtzig Personen nahmen am Dorfrundgang durch Hospental teil.

Rund achtzig Personen nahmen am Dorfrundgang durch Hospental teil.

Bild: Elias Bricker (12. September 2020)

Rund 250 Veranstaltungen konnte das interessierte Publikum schweizweit im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals in den vergangenen Tagen besuchen, rund 20000 Personen nahmen diese Gelegenheit wahr. Auch im Kanton Uri lockten die Veranstaltungen an den vergangenen beiden Wochenenden viele Interessierte an.

Nachdem die Innerschweizer Kantone die Denkmaltage bereits am Samstag vor einer Woche mit drei gemeinsamen Auftaktveranstaltungen im Urserntal lanciert hatten, nahm der Urner Denkmalpfleger Thomas Brunner am vergangenen Samstag die Teilnehmenden erneut mit auf einen Rundgang durch Andermatt. Brunner zeigt dabei die typischen Eigenschaften des Dorfes und erzählte, wie Andermatt seinen historischen Dorfkern bewahren konnte – auch als in den 1960er- und 1970er-Jahren die Strasseninfrastruktur ausgebaut werden musste.

Grosse Veränderungen durch Tourismusresort

Er erläuterte aber auch, wie der alte Dorfteil durch das Tourismusresort von Samih Sawiris grosse Veränderungen erfährt: Der Dorfkern wird aufgewertet, historische Gebäude saniert und Ställe ausgebaut – ohne dass sich dabei der typische Charakter des Dorfes verändern soll. «Dabei stellt sich stets die Frage, wie viele alte Gebäude braucht ein Dorf, damit es seine Identität bewahren kann», sagte Brunner.

Am Samstagnachmittag stand eine Führung durch Hospental auf dem Programm. Das Dorf mit seinem mittelalterlichen Wehrturm besitzt ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Denn die Strukturen Hospentals haben sich seit dem Wiederaufbau nach dem Dorfbrand von 1669 nur geringfügig verändert. Doch ein schützenswertes Ortsbild stehe immer auch in einem Spannungsfeld mit baulichen Entwicklungen, erläuterte der kantonale Denkmalpfleger Thomas Brunner. «Unsere Aufgabe als Denkmalpfleger ist es daher auch, die Leute für die Einmaligkeit dieses Dorfbildes zu sensibilisieren», so Brunner. «Hospental ist schliesslich eines der schönsten Dörfer der Schweiz.»

Ein Neubau würde den Wert des Hauses zerstören

Im zweiten Teil der Führung, an der rund 80 Personen teilnahmen, konnten die Teilnehmenden den «Meyerhof» besichtigen. Im einst mondänen Hotel am Dorfeingang kehrten in der Belle Epoque Adelige aus ganz Europa ein. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Mehr als 30 Jahre lang stand das Haus leer, Scheiben wurden mutwillig zerstört, Mobiliar verschwand und Tiere nisteten sich ein. Das Hotel drohte zu zerfallen. Doch nun soll wieder Leben einkehren. Die Gamma AG aus Schattdorf saniert den «Meyerhof» aktuell und plant Wohnungen. Denkmalpfleger Thomas Brunner, Architektin Michaela Gisler (HTS Architekten + Partner AG) sowie Bauherr Bruno Gamma (Gamma AG Holding) erläuterten den Baustellenbesuchern, wie man ein solches Gebäude erhalten und welche Bausubstanz man retten kann. «Ein solches Gebäude hat einen Wert», sagte Bruno Gamma. «Wenn man dieses Gebäude einfach durch einen Neubau ersetzen würde, ginge dieser Wert verloren.»

Gleichzeitig führte nicht nur die Denkmalpflege des Kantons Veranstaltungen in Uri durch, sondern auch die Fachstelle Denkmalpflege der SBB. So konnte am Samstag das neurenovierte Bahnwärterhaus Eggwald ob Wassen besichtigt werden und am Sonntag fand eine geführte Wanderung entlang der Gotthardbahnlinie statt.