Grüne Uri fordern verstärktes Betreuungsangebot

Aufgrund der reinen Männerwahl bei den Regierungsratswahlen stellt die Partei diverse Forderungen, um Frauen den Einstieg in die Politik zu erleichtern. 

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Rathaus in Altdorf. Politik, Wahlen, Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 04. Februar 2020)

Rathaus in Altdorf. Politik, Wahlen, Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 04. Februar 2020)

Corinne Glanzmann / Urner Zeitung

(ml) Die Grünen Uri freuen sich, dass als Folge der «Regierungsmännerwahl» vom 8. März eine öffentliche Diskussion über die Untervertretung der Frauen in der Urner Politik in Gang gekommen ist. «Die Gleichstellung ist aber ein umfassenderes Thema und darf nicht erst beim Parteitag beginnen», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung.

Deshalb äussert sie in dem Schreiben diverse Forderungen. Um auch Frauen den nötigen Freiraum für ein politisches Engagement zu verschaffen, brauche es beispielsweise eine bezahlbare familienexterne Kinderbetreuung, Tagesstrukturen an Schulen und ein Kinderbetreuungsangebot während der Schulferien. Damit soll Frauen auch eine berufliche Laufbahn ausserhalb der Familie erleichtert werden, die wiederum die Chancen für eine politische Karriere erhöht.

Hier muss gemäss der Mitteilung auch der Kanton noch gewaltig nachbessern: Nur eines von sieben Generalsekretariaten des Kantons wird von einer Frau geleitet, nur vier von 27 kantonalen Ämtern und nur sechs von 67 Abteilungen werden von Frauen geführt. Bei der Kantonalbank sind alle vier Mitglieder der Geschäftsleitung männlich. Nur beim Kantonsspital, wo viel mehr Frauen als Männer arbeiten, ist es besser: Drei von fünf Geschäftsleitungsmitgliedern sind Frauen.

Partei fordert eine Listenquote

«Um die Chancen von Frauen im Berufsleben zu verbessern, braucht es genderanonyme Bewerbungsverfahren für öffentliche Kaderstellen, eine 1:1-Anrechnung der Familienzeit als Berufserfahrung beim Bewerbungsverfahren sowie die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten – auch für Männer und auch auf Kaderebene», so die Mitteilung weiter. Ausserdem brauche es eine Regelung der Kinderbetreuung während des Militärdiensts von Hausmännern, damit berufstätige Mütter nicht ihre Ferien opfern müssen.

«Das Argument, dass es nicht wichtig sei, ob Frau oder Mann eine Stelle besetzt, Hauptsache, die Person sei qualifiziert, hält einem Realitätscheck nicht stand.» Heute kommen mehr gut ausgebildete Frauen auf dem Arbeitsmarkt als Männer und trotzdem bildet sich dies in den Führungsriegen noch nicht ab, begründet die Partei. Es braucht also mehr Frauenförderung, als darauf zu hoffen, dass diejenigen sie in die Hand nehmen, die über eine Anstellung entscheiden. Der Einstieg in die Politik erfolgt oft über die Mitarbeit in Kommissionen oder Verwaltungsräten von gemeinde- und kantonsnahen Betrieben. Eine gesetzliche Vorgabe für die Mindestvertretung der Frauen in diesen Gremien würde diesen Einstieg erleichtern. Geht es dann um Volkswahlen, so könnte eine Listenquote die Parteien in die Pflicht nehmen, ohne das Volk in seiner Wahl einzuschränken. Die Grünen Uri erachten aber auch eine Überprüfung der parteiinternen Frauenbilder als notwendig, welche direkt und indirekt (beispielsweise über Familienpolitik oder Individualbesteuerung) kommuniziert werden.