Urner Landratsmitglieder fordern, gegen Männerdomäne anzukämpfen

Eine Gruppe von Landrätinnen und Landräten hat sich nach dem Wahlergebnis für die Urner Regierung und den Landrat zum Ziel gesetzt, dass Frauen bei künftigen Wahlen besser vertreten sein sollen.

Florian Arnold
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Beim Wahlpodium vor den Regierungsratswahlen war keine einzige Frau vertreten. Dieses Bild soll der Vergangenheit angehören.

Beim Wahlpodium vor den Regierungsratswahlen war keine einzige Frau vertreten. Dieses Bild soll der Vergangenheit angehören.

Bild. Urs Hanhart (16. Februar 2020)

Das Bild erinnerte ein wenig an frühere Zeiten: Beim Podium für die Urner Regierungsratswahlen 2020 stand keine einzige Kandidatin auf der
Bühne – ausschliesslich Männer kämpften um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Dieses Bild soll bei künftigen Wahlen definitiv der Vergangenheit angehören, findet eine Gruppe von Landrätinnen und Landräten. «Die Regierungsratswahlen vom 8. März 2020 gehen als schwarzer Tag in die politische Geschichtsschreibung des Kantons Uri ein», schreiben sie in einem offenen Brief an die Urner Parteien. Erstmals seit 1996 stehe die Regierung wieder ohne Frauenvertretung da. Im Landrat habe der «schwache Frauenanteil» mit 25 Prozent gehalten werden können, in den Gemeinderäten seien es 31 Prozent.

Frauenanteil in Urner Behörden

Behörde Frauen Männer Total Frauenanteil
Regierung 0 7 7 0%
Landrat 16 48 64 25%
Gemeinderäte 39 86 125 31%
Total 55 141 196 28%

Im offenen Brief werden die Parteien nun aufgefordert, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um zusätzlich Frauen für die Arbeit in Politik und Behörden zu gewinnen. «Die Parteien sollen einerseits aufzeigen, welche konkreten Massnahmen ergriffen werden, um bei den nächsten Gemeinde-, Landrats- oder Regierungsratswahlen mehr Frauen auf den Listen zu haben.»

Auch Frauen in der Pflicht

In die Pflicht nehmen will die Gruppe aber auch die Frauen selber: «Alle Urnerinnen werden aufgefordert, sich auch politisch auf Gemeinde- und Kantonsebene vermehrt zu engagieren.» Den Initianten erscheine es wichtig, dass eine verstärkte öffentliche Diskussion sowie das aktive Bearbeiten dieses Themas jetzt in Angriff genommen werden, um bei den nächsten Wahlen zwischen Frauen und Männern ausgewogenere Listen zu präsentieren.

Öffentliche Diskussion soll stattfinden

Zu den Initiantinnen des offenen Briefs gehört auch die Erstfelder Landrätin Karin Gaiser. Sie hatte sich im Herbst für das Amt als Regierungsrätin zur Verfügung gestellt, die CVP stellte jedoch den nun gewählten Daniel Furrer auf. «Es geht bei diesem offenen Brief überhaupt nicht um meine eigene Kandidatur», betont Karin Gaiser, die sich schon weit vor dieser Kandidatur für Frauenrechte einsetzte. «Es geht um die öffentliche Diskussion. Man muss auch die Frauen selber wachrütteln.»

Viele trauen sich ein Amt nicht zu

Gaiser ist bewusst, dass sich die Parteien heute schon um Frauen bemühen. Aus eigener Erfahrung in verschiedenen Wahlkommission weiss sie, dass es schwierig ist, Frauen für ein Amt zu begeistern. «Bei den Frauen ist es meist so, dass man zum falschen Zeitpunkt fragt», so Gaiser. «Mal wollen sie sich auf die Kinder konzentrieren, dann konzentrieren sie sich auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Meistens aber hört man, dass sie sich ein solches Amt nicht zutrauen», weiss die Landrätin. «Viele meinen, dass man gleich von Beginn weg alles können müsse. Dabei muss man sich in jedes neue Amt zuerst einarbeiten – das gilt auch für alle Männer», betont sie.

Mehr Aufklärung soll Motivation steigern

Ansatzmöglichkeiten, diesem Umstand entgegenzuwirken, sieht Gaiser vor allem in der Aufklärung: «Wenn ich mit Leuten sprechen, die sich nicht mit Politik auseinandersetzen, können sich diese oft nicht vorstellen, was ein politisches Amt überhaupt bedeutet. Es ist also zusätzliche Aufklärungsarbeit nötig.»

Für sie ist essenziell, dass sich Frauen vermehrt in der Politik und anderen Führungsgremien engagieren. «Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu merken, dass Frauen gewisse Dinge aus einem anderen Blickwinkel anschauen als Männer. Die Denk- und Handlungsweise der Frauen muss besser vertreten sein. Die Gremien müssen besser durchmischt werden.»

Von CVP- und FDP-Vertretern unterzeichnet

Den offenen Brief mitunterzeichnet haben die folgenden Urner Landratsmitglieder: Frieda Steffen (CVP, Andermatt), Verena Walker (CVP, Wassen), Franz-Xaver Simmen (FDP, Altdorf), Claudia Schuler (CVP, Seedorf), Cornelia Gamma (FDP, Schattdorf), Peter Tresch (FDP, Göschenen), Franz Christen (CVP, Schattdorf), Marcel Bachmann (FDP, Silenen) und Oswald Ziegler (CVP, Seelisberg).