GUGGURI: «Einfach ?lostuten? reicht nicht»

GuggUri ist zum Aushängeschild der Urner Szene geworden. Stefan Gisler und Koni Scheuber* sind sich einig: «Das musikalische Niveau ist gestiegen.»

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Koni Scheuber (links) und Stefan Gisler vor dem Telldenkmal. Am Samstag, 7. Februar, wird es hier von Guggenmusikern nur so wimmeln. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Koni Scheuber (links) und Stefan Gisler vor dem Telldenkmal. Am Samstag, 7. Februar, wird es hier von Guggenmusikern nur so wimmeln. (Bild Urs Hanhart/Neue UZ)

Mit der Grossveranstaltung GuggUri beschäftigen Sie sich schon seit Monaten. Freuen Sie sich überhaupt noch auf die Fasnacht?
Stefan Gisler: Ja, ich freue mich riesig. Man muss mit Herz und Seele dabei sein. Wer das nicht ist, der muss gar nicht einen solchen Job annehmen. Das Kribbeln beginnt jetzt erst so richtig. GuggUri organisiere ich zum dritten Mal. Beim ersten Mal war ich Festwirt. Jetzt bin ich zum zweiten Mal OK-Präsident. Dabei darf ich auf gute Hilfe zählen. Egon Arnold und Walter Schmid machen ebenfalls zum dritten Mal im Team mit.

Bringt das Erleichterungen mit sich?
Gisler: Die Sache wird einfacher. Wir wissen im OK wie es läuft. Um uns die Arbeit zusätzlich zu erleichtern, haben wir das OK von sieben auf acht Mitglieder aufgestockt.

Koni Scheuber, Sie waren beim ersten GuggUri 1996 OK-Präsident. Machen Sie heute noch aktiv Guggenmusik? 
Scheuber: Ich habe 25 Jahre lang Guggenmusik gemacht. Das reicht. Ich bin heute noch begeisterter Fasnächtler, einfach auf eine andere Art. Ich bin gerne als Zuschauer respektive Zuhörer dabei. An einen strikten Terminplan will ich mich aber nicht mehr binden. Heute bin ich immer dann unterwegs, wenn ich Lust dazu habe. Auf GuggUri freue ich mich aber riesig.

Wie hat damals alles begonnen?
Scheuber: GuggUri haben wir mit einem Riesenaufwand auf die Beine gestellt. Ich denke, unsere Nachfolger können immer noch von dem, was wir geleistet haben, zehren. Als wir uns daran machten, diesen Grossanlass in der Katzenmusikhochburg Altdorf zu organisieren, kriegten wir schon ein bisschen Bammel. Das war aber nicht das Hauptproblem.

Was war es dann?
Scheuber: Damals herrschte Konkurrenz unter den Guggenmusiken. Alle an einen Tisch zu bringen, das war die grösste Schwierigkeit. Das Verhältnis unter den Guggenmusiken ist inzwischen um Klassen besser geworden. Es gibt wohl noch einen gesunden Wettkampf unter den einzelnen Formationen. Die Guggenmusik hat sich aber etabliert.

Gisler: Heute geht es einfacher. Man spricht miteinander. Gut klappt auch die Zusammenarbeit mit den Behörden. Gemeinde und Kanton erlassen uns Miete und Bewilligungen. Wir spenden das Geld für einen guten Zweck. Diesmal profitieren die Stiftung Phönix, die Behindertenorganisation Insieme Uri und die Bläserklasse. Wir haben heute den Vorteil, dass man den Anlass kennt. Für das Image der Guggerszene im Kanton Uri ist GuggUri eine gute Sache.

Wie hat sich das Niveau der Guggenmusiken entwickelt? 
Gisler: Das Niveau ist gestiegen. Zwischen den Guggenmusiken gibt es einen gesunden Wettkampf darum, wer besser spielt.

Scheuber: Die Urner müssen den Vergleich auch zentralschweizerisch nicht scheuen. Was ich bedaure ist der Umstand, dass die Gugger Musik vor allem für die anderen Formationen machen. Konkret heisst dies: Was der Guggerkollege der anderen Formation denkt, ist ihnen wichtiger als Musik fürs Volk zu machen. Sie machen den Sound, der ihnen Spass macht. Potpourris mit Liedern, die jeder kennt, vermisse ich ein bisschen.

Wird das Publikum immer jünger?
Scheuber: An den Guggenfesten ist das Publikum sehr jung. Geben die Guggenmusiken ein Platzkonzert, kommen aber auch ältere Leute oder ganze Familien mit ihren Kindern.

Ist das höhere Niveau der Grund, weshalb es heute weniger Guggenmusiker gibt? Wie sehen die Zahlen konkret aus?
Gisler: Beim ersten GuggUri 1996 waren es 700 Gugger, heute sind es 550. Von 20 Guggenmusiken hat sich die Zahl auf 16 reduziert. Es gibt zwar noch 17 Vereine. «Notäfääger» und «Urschner Tyyfeli» spielen aber gemeinsam, weil es ihnen an Mitgliedern mangelt.

Ist es heute schwieriger als früher, bei einer Guggenmusik mitzumachen?
Scheuber: Man muss nicht mehr können. Man muss aber mehr Zeit und Willen investieren.

Gisler: Dafür liefere ich den besten Beweis. Ich kann keine Noten lesen. Bei den Proben merke ich mir einfach die Griffe. Und ganz ehrlich: Ich schaue bei einem Auftritt auch mal beim Kollegen, welche Ventile er gerade drückt. Mitmachen kann bei einer Guggenmusik nach wie vor jeder, der dies möchte.

Scheuber: Es wird aber heute ein bedeutend grösserer Aufwand betrieben. Nur hineinhocken und lostuten, das ging früher. Mittlerweile ist das nicht mehr möglich. Die Guggenmusiken haben Registerproben so wie bei einer richtigen Blasmusik. Die Guggenmusiken sind nahe bei einer modernen Brassband. Es fehlen nur noch die Es-Hörner.

Markus Zwyssig

*Der 36-jährige Bürgler Stefan Gisler ist OK-Präsident und spielt bei den Bürgler «Tellsymphonikern» Der 49-jährige Silener Koni Scheuber war die ersten beiden Male OK-Präsident.