GURTNELLEN: Felsbrocken krachen auf die Gotthardautobahn

Die Gotthard­auto­bahn ist seit Sonntag wegen eines Fels­sturzes im Urnerland gesperrt. Vier Autos fuhren auf die Fels­brocken auf; die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Schlechtes Wetter verhinderte am Sonntag Untersuchungen von Geologen.

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Die Felsbrocken zerstörten auch Teile der Autobahn-Infrastruktur. (Bild pd)

Die Felsbrocken zerstörten auch Teile der Autobahn-Infrastruktur. (Bild pd)

Tief hängende Wolken und Schneefall machten es den Geologen am unmöglich, die Anrissstelle des Felsabbruchs zu lokalisieren. Das Gelände sei sehr rutschig und steil und ein Aufklärungsflug mit einem Helikopter sei bei diesem Wetter nicht möglich gewesen, sagte Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (ASTRA). «Bevor die Geologen nicht sicher wissen, was passiert ist und ob noch weitere Felsabbrüche drohen, bleibt die A2 geschlossen», sagte Rohrbach. Das betroffene Autobahnstück konnte zwar vom Geröll befreit werden, für Reparaturen an der Strasse war es aber zu gefährlich. Die nächste Lagebeurteilung wurde auf den Montagmorgen angesetzt.

Zwei etwa einen Kubikmeter grosse Felsbrocken hatten sich kurz nach Mitternacht oberhalb der Gotthardautobahn zwischen Amsteg und Gurtnellen im Gebiet Meitschligen gelöst. Sie stürzten auf die Autobahn A2 und die parallel verlaufende Kantonsstrasse.

Vier Autos fuhren auf Felsbrocken auf
Die Insassen von vier Personenwagen, die zu diesem Zeitpunkt bergwärts in Richtung Süden unterwegs waren, hatten grosses Glück. Sie fuhren auf die Felsbrocken auf, blieben aber unverletzt. Die Fahrzeuge wurden jedoch erheblich beschädigt. Nach Auskunft des Chefs der Verkehrspolizei Uri, Damian Meier, handelte es sich um zwei Autos mit Tessiner Kennzeichen sowie um einen Waadtländer und um einen Urner Personenwagen.

Zusammen mit den beiden Felsbrocken gingen auch Geröll und Schutt auf die Autobahn nieder. Insgesamt donnerten rund zehn Kubikmeter Fels und Steine zu Tal, wovon zwei grössere Brocken von je einem Kubikmeter auf die Autobahn zwischen Amsteg und Gurtnellen fielen. Die übrigen Brocken, laut Rohrbach rund 90 Prozent des Abbruchs, blieben in den Fangnetzen hängen.

Kantonsstrasse wieder befahrbar
Zunächst wurden sowohl die Autobahn wie auch die parallel dazu verlaufende Kantonsstrasse für den Verkehr gesperrt. ASTRA und Urner Kantonspolizei und Kantonsstrasse gaben die Kantonsstrasse dann am Sonntagmitttag wieder «kontrolliert» für den Lokalverkehr frei, da die Strasse durch die darüber liegende Autobahn vor Steinschlag zusätzlich geschützt sei, wie es hiess. Für den Transitverkehr blieb aber die Kantonstrasse wie auch die Autobahn, die wichtigste Nord-Süd-Route durch die Schweiz, gesperrt. Der Transitverkehr wurde über die San-Bernardino-Route umgeleitet. Nicht vom Unterbruch betroffen ist die Gotthardstrecke der SBB, die in diesem Bereich auf der gegenüberliegenden Talseite liegt.

Der Felsabbruch weckt Erinnerungen an den ungleich grösseren Felssturz, der etwas weiter südlich am 31. Mai 2006 auf die Gotthardautobahn niedergegangen war. Damals starb ein deutsches Ehepaar in einem Personenwagen, der von einem Felsbrocken begraben wurde. Die Gotthardautobahn konnte nach umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und Sprengungen erst einen Monat später wieder für den Verkehr freigegeben werden.

ap