GURTNELLEN: «Gämsi» ist stets an ihrer Seite

Die 31-jährige Lucia Gloor will künftig mal einen Landwirtschaftsbetrieb übernehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, besucht sie derzeit die Bäuerinnenschule in Gurtnellen. Mit dabei ist auch eine Zwergziege.

Alexandra Fux
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Die angehende Bäuerin Lucia Gloor mit ihrer Zwergziege «Gämsi». (Bild: PD)

Die angehende Bäuerin Lucia Gloor mit ihrer Zwergziege «Gämsi». (Bild: PD)

Alexandra Fux

redaktion@urnerzeitung.ch

Aufmerksam steht «Gämsi» im Auslauf vor dem Stall und beobachtet ihre Besitzerin, Lucia Gloor, durchs Küchenfenster. Nein, «Gämsi» ist keine Gämse, sondern eine Zwergziege, und Lucia keine Köchin, sondern Schülerin an der Bäuerinnenschule in Gurtnellen. Für fünfeinhalb Monate haben sie sich an der Bergheimatschule im Urner Oberland niedergelassen.

Wer Lucia und ihre Ziegen kennen lernt, erkennt rasch die besondere Beziehung zwischen «Gämsi», Lucias ältester Ziege, und ihr. «Warte nur, schon bald geht die Sonne auf!», ruft Lucia dem Tier durchs offene Küchenfenster zu. Prompt antwortet «Gämsi» mit einem Meckern.

Schon als junges Mädchen fühlte sich Lucia den Tieren verbunden und erlernte den Beruf der tiermedizinischen Praxis­assistentin. Bei einem längeren Auslandaufenthalt in Brasilien lernte sie die Ziegen und ihren wirtschaftlichen Nutzen – vor allem für die weniger gut betuchte Bevölkerung Brasiliens – kennen. Zurück in der Schweiz, beschloss sie, nicht erst auf den «richtigen» Zeitpunkt für eine grössere Nutztierhaltung zu warten und sich eine erste Ziege anzuschaffen – zunächst einmal eine Zwergziege nur zur Freude und als Hobby, aber mit der Idee, dereinst mehr aus der Ziegen-Idee zu machen.

Ausgezeichnet geeignet für Kontakt mit Menschen

Im Berner Tierpark Dählhölzli geboren, zog das halbjährige «Gämsi» in die Nähe von Lucia ins Zwergziegengehege der Gemeinde Oberweningen ZH und später für viele Jahre nach Bülach ZH. Um den Ziegen, die sie betreute, mehr Bewegung zu ermöglichen, führte Lucia die Tiere jeden Tag zur Freude der Dorfbewohner an der Leine spazieren. «Das neugierige und offene Wesen einer Ziege eignet sich ausgezeichnet, um mit Menschen in Kontakt zu kommen», erzählt Lucia.

Inzwischen ist Lucia 31 Jahre alt und «Gämsi» zur stattlichen Ziege mit kräftigen Hörnern und langem Bart herangewachsen. Zusammen mit ihrem Partner, der die Zweitausbildung zum Landwirt absolviert, arbeitet Lucia weiter auf ihr Ziel hin, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen. An der Bäuerinnenschule in Gurtnellen erarbeitet sie das notwendige Fachwissen. Das Wahlmodul «Kleintierhaltung» besucht Lucia an der Bäuerlich-Hauswirtschaftlichen Fachschule in Pfäffikon im Kanton Schwyz. Dass die fachlichen Grundlagen von den Lehrern sehr gut aufbereitet und kompakt und praxisnah vermittelt würden, schätze sie an der Ausbildung am meisten. «Eine Bäuerinnenschule ist aber auch eine praktische Lebensschule, in der man lernt, die anfallenden Arbeiten im Haushalt und im bäuerlichen Umfeld gut und effizient zu erledigen», sagt die angehende Bäuerin.

Gemeinschaftliches als besondere Eigenheit

Als besondere Eigenheit der Schule in Gurtnellen betont Lucia das gemeinschaftliche Zusammenleben und Arbeiten unter einem Dach. Es sei schön, Erfahrungen gemeinsam machen und sich beim Lernen gegenseitig unterstützen zu können. In zweieinhalb Monaten wird Lucia mit ihren Ziegen weiterziehen. Noch ist ungewiss, wohin die Reise sie und ihren Partner führen wird. Ob es klappen wird, als Quereinsteiger einen Betrieb zu übernehmen? Vieles steht noch in den Sternen, doch eines ist schon gewiss: Wohin ihr Lebensweg Lucia auch führen wird, die Ziegen werden sie begleiten.

Hinweis

Informationen: www.bwzuri.ch, Informationen zur Bildung Bäuerin unter www.landfrauen.ch